Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Giorgos Papandreou herrscht in Griechenland das nackte Chaos. Selbst europäische Regierungschefs spekulieren nun über den Austritt des Mittelmeerstaates aus der Währungsunion. Reiche Griechen nehmen deshalb das Heft in die Hand – und bringen ihre Vermögen im Ausland in Sicherheit. Der bevorzugte Weg ist dabei der Kauf von Immobilien ausserhalb der Euro-Zone. Aus London berichten Makler, dass griechische Staatsangehörige im letzten Jahr über 360 Millionen Franken in Luxusappartements und Hotels steckten.

Auch der Schweizer Immobilienmarkt wird zunehmend zur Fluchtburg für griechische Gelder. «Seit Ausbruch der Schuldenkrise interessieren sich viel mehr Griechen für eine Immobilie in der Schweiz», bestätigt Robert Ferfecki von der Immobilienagentur de Rham Sotheby’s. Die Schweiz als Hort von Stabilität stehe zuoberst auf der Wunschliste. Gerade im Engadin, wo die Reederfamilien Niarchos und Onassis seit Jahrzehnten präsent sind, hat die Jagd nach Luxusvillen begonnen. «Die Anfragen von Griechen nehmen in letzter Zeit deutlich zu», sagt die Bündner Maklerin Maura Wasescha. Auch das Berner Oberland ist bei reichen griechischen Familien beliebt. Wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen, hat sich die schwerreiche Angelopoulos-Familie in Gstaad niedergelassen.

Die steuergünstigen Gemeinden rund um den Zürichsee ziehen die Griechen ebenfalls an. Orte wie Herrliberg oder Küsnacht zählen schon einige griechische Einwohner – Tendenz steigend. «Man hört von den Notariaten, dass es vermehrt Anfragen aus Griechenland gibt, wie man in der Schweiz am besten Grundbesitz erwerben könne», sagt Patrick Wehrli, Leiter Immobilien bei der Zürcher Privatbank Lienhardt & Partner. Käufe scheiterten aber teils an den strengen Auflagen der Lex Koller, sagt Makler Ferfecki. «Die wenigsten Griechen sind gewillt, ihren Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen.»

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