Die European Federation of Energy Traders (EFET), ein Handelsverband, dem unter anderem Konzerne wie BP, Shell und Rohstoffhändler wie Vitol und Trafigura angehören, bittet um «vorübergehende Notfallliquiditätshilfe», um sicherzustellen, dass die Energiemärkte wie etwa für Gas und Strom weiterhin funktionieren. Dies berichtet die «Financial Times» (FT) sowie das «Risk Magazine».

Der Appell der EFET richtet sich an die Zentralbanken und Regierungen und ist eine Folge der schwerwiegenden Störungen auf den Rohstoffmärkten.

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«Seit Ende Februar 2022 hat sich die ohnehin schon schwierige Situation weiter verschärft, und eine wachsende Zahl von europäischen Energiemarktteilnehmern befindet sich in einer Situation, in der ihre Möglichkeiten, zusätzliche Liquidität zu beschaffen, stark eingeschränkt oder in einigen Fällen sogar erschöpft sind», so die EFET in ihrem Schreiben an die Marktteilnehmer und Regulierungsbehörden.

Die Konzerne wählen dabei klare Worte: Es sei «nicht ungewöhnlich, dass im Allgemeinen solide und gesunde Energieunternehmen keinen Zugang zu Barmitteln haben», warnen sie im Brief. Zudem hätte der Verband auch schon Kontakt mit Zentralbanken in Europa aufgenommen.  

 

Nickel am meisten betroffen

Die Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten wegen des Russland-Ukraine-Kriegs haben sich besonders deutlich bei Nickel, einem der wichtigsten russischen Exportgüter, gezeigt. Die weltweiten Märkte für dieses Metall waren eine Woche lang geschlossen, nachdem die Preise in die Höhe geschnellt waren und diejenigen, die auf fallende Preise gesetzt hatten, Schwierigkeiten hatten, die Forderungen der Banken nach Barmitteln zur Deckung von Derivatpositionen, die sogenannten Nachschussforderungen, zu erfüllen.

Aber auch die Preise für Öl und Gas, bei denen Russland eine zentrale Rolle spielt, sind seit Beginn des Krieges in die Höhe geschnellt. Futures, die an den TTF, den europäischen Grosshandelspreis für Gas, gekoppelt sind, stiegen Anfang dieses Monats innerhalb von vier Tagen um fast 200 Prozent. In einigen Fällen haben sich die Nachschussforderungen auf dem Gasmarkt von einem Tag auf den anderen verzehnfacht.

Die EFET möchte, dass staatliche Stellen wie die Europäische Investitionsbank oder Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank oder die Bank of England über Kreditgeber Unterstützung gewähren, um die Auswirkungen der Nachschussforderungen zu mildern.

«Das übergeordnete Ziel ist, einen geordneten Markt für Futures und andere derivative Energiekontrakte offenzuhalten», sagte Peter Styles, stellvertretender Vorsitzender des EFET-Vorstands, in einem Interview. «Gasproduzenten, europäische Gasimporteure und Stromversorger müssen weiterhin die Möglichkeit haben, ihre Positionen abzusichern.»

Ein erfahrener Händler erzählte, dass die anfängliche Marge für einen europäischen Gasgrosshandelsvertrag zuzüglich des von den Clearingbanken geforderten zusätzlichen Puffers inzwischen fast den Wert des Vertrags erreiche. Er sagte, dies sei kein «funktionierender Markt».

In seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht bezeichnete Glencore, einer der grössten Rohstoffhändler der Welt, die «Fähigkeit zur Finanzierung von Einschusszahlungen» als eines der Risiken für die Branche.

Händlern und Händlerinnen zufolge sind die Absicherungsaktivitäten auf dem Ölmarkt bereits zurückgegangen. Die Zahl der ausstehenden Termingeschäfte, die an Öl gebunden sind, ist in den letzten Wochen auf ein Mehrjahrestief gefallen.

Infolgedessen erhalten die Raffinerien bei ihren Ausschreibungen für Rohöl weniger Angebote. Die staatliche Ölgesellschaft Uruguays erhielt bei einer kürzlich durchgeführten Ausschreibung für Rohöl nur vier Angebote. Normalerweise erhält sie Händlern und Händlerinnen zufolge 15 Angebote.

tdr / mit Material von Bloomberg