Trotz Rezessionssorgen im Euro-Raum ist die EZB entschlossen, die hohe Inflation mit einem weiterhin straffen Zinskurs zu bekämpfen. «Wir werden nicht zulassen, dass sich die aktuelle Phase hoher Inflation im Verhalten der Wirtschaftsakteure niederschlägt und zu einem dauerhaften Inflationsproblem auswächst», betonte EZB-Chefin Christine Lagarde am Dienstagabend in Frankfurt. Sie verwies darauf, dass die Anhebung der Leitzinsen um insgesamt 125 Basispunkte auf den vergangenen beiden Sitzungen «die schnellste Zinsänderung in der Geschichte der EZB» gewesen sei. Dies zeige deutlich, dass die Zentralbank fest entschlossen sei, die Inflation zeitnah auf das mittelfristige Ziel der EZB von 2,0 Prozent zurückzuführen.

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Das angemessene Tempo künftiger Erhöhungen werde «von Sitzung zu Sitzung» beschlossen werden. Eine entscheidende Frage werde sein, wie hartnäckig die aus Corona- und Energiekrise resultierenden Schocks die Inflationserwartungen und das Produktionspotenzial belasteten. Die EZB-Chefin signalisierte, dass der Leitzins auch auf ein Niveau steigen könne, das die Wirtschaft bremst. Dies gelte für den Fall, dass es Hinweise geben sollte, dass letztlich das Vertrauen der Bürger in das Erreichen des mittelfristigen Inflationsziels verloren zu gehen drohe: «Bei Hinweisen darauf, dass die hohe Inflation zu einer Entankerung der Inflationserwartungen führen könnte, läge der mit unserem Zielwert kompatible Leitzins im restriktiven Bereich.»

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juli die Zinswende eingeläutet und Anfang des Monats mit einer deutlichen Straffung ihrer Geldpolitik nachgelegt. Sie reagiert damit auf die hohe Inflation, die im August 9,1 Prozent erreichte. Der Leitzins liegt nach der jüngsten Anhebung um 0,75 Prozentpunkte inzwischen bei 1,25 Prozent. An den Börsen wird damit gerechnet, dass er bis zum nächsten Frühjahr auf über 2,5 Prozent steigen wird. 

(Reuters/Ink)