Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beurteilt den Franken weiterhin als «hoch» bewertet und die expansive Geldpolitik entsprechend weiterhin als «angemessen».

Es gebe zwar keinen einzelnen Gleichgewichtswert, da es verschiedene Modelle für die Definition eines solchen Wertes gebe und verschiedene Faktoren, die bei der Bestimmung des Wechselkurses ins Spiel kämen, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg dem Corriere del Ticino vom Dienstag. Insgesamt bleibe der Franken aber hoch bewertet.

Vorkrisenniveau wird in der zweiten Jahreshälfte erreicht

Dass sich der Franken seit Ende des letzten Jahres abgeschwächt habe, sei entsprechend zu begrüssen. Diese Abschwächung sei auf die sich verbessernden globalen Wirtschaftsaussichten zurückzuführen, die die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie dem Franken an den Finanzmärkten reduziert hätten. «Dabei hilft uns auch das Vertrauen in der Eurozone, das sich dank der beschlossenen Konjunkturprogramme verbessert hat.»

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Die «starke Erholung» der letzten sechs Monate sei aber noch nicht abgeschlossen, so Zurbrügg weiter. Das Niveau des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei in den meisten Industrieländern noch nicht auf dem Vorkrisenniveau. «Wir erwarten, dass dieses Niveau in der Schweiz erst in der zweiten Jahreshälfte erreicht wird.»

Darüber hinaus seien die Auswirkungen der Krise je nach Sektor sehr unterschiedlich. Während sich das verarbeitende Gewerbe und der Gross- und Detailhandel schnell erholt habe, hinkten andere Sektoren, insbesondere der Dienstleistungssektor, hinterher.

Interventionen am Devisenmarkt «auf keinen Fall» übertrieben

«Aus unserer Sicht besteht ein sehr hohes Mass an Unsicherheit», so der SNB-Direktor weiter. Es gebe verschiedene Faktoren, die man nicht einfach vorhersagen könne. Auch wenn es Fortschritte bei der Impfung gebe, könnten etwa neue Varianten des Virus auftreten.

Die hohen Interventionen der SNB am Devisenmarkt zur Schwächung des Frankens seien «auf keinen Fall» übertrieben gewesen, betonte Zurbrügg weiter. «Die Nationalbank betreibt eine Geldpolitik nicht allein im Interesse der Exportindustrie, sondern im allgemeinen Interesse des Landes, da sie den Auftrag hat, die Preise zu stabilisieren und die Wirtschaft zu stützen.»

Zurbrügg gibt sich im Interview «überzeugt, dass unsere expansive Geldpolitik weiterhin angemessen ist». Die Idee, dass die SNB am Devisenmarkt interveniere, um den Exportsektor zu unterstützen, sei ausserdem «völlig falsch». Die SNB interveniere, indem sie eines der bestehenden geldpolitischen Instrumente einsetze, um ihren Auftrag zu erfüllen.

(awp/gku)