Der Schweizer Arbeitsmarkt wird für Stellensuchende schwieriger. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der offenen Jobs im zweiten Quartal 2024 um 11 Prozent zurück, wie eine Studie des Personaldienstleisters Adecco zeigt.

Und damit nicht genug: «Nicht nur das Stellenangebot nimmt ab, sondern auch die Anzahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 17'000 Personen gestiegen», sagt Marcel Keller, Country President Adecco Gruppe Schweiz. «Für Arbeitnehmende wird die Stellensuche damit wieder zunehmend schwieriger.»

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Weniger Stellen für Ärzte und Pflegefachkräfte

Das Stellenangebot nähert sich damit wieder dem schwachen Vor-Pandemie-Niveau an. Bemerkenswert: Besonders betroffen sind Hochschul- und Büroberufe. So sank die Zahl der offenen Stellen bei den Fachkräften Büro um 20 Prozent. Telefonisten oder Büroassistenten waren also deutlich weniger gefragt.

Auffallend ist auch der Rückgang bei den Hochschulberufen Gesundheit: Für Ärzte, Pflegefachkräfte und Ergotherapeuten gab es 19 Prozent weniger Stellenangebote.

Der Fachkräftemangel sei damit aber nicht vom Tisch, schreibt Adecco. Der Mangel an qualifiziertem Personal in der Gesundheitsbranche dürfte andauern. Doch die Institutionen würden wegen des Kostendrucks weniger Stellen anbieten und gewisse Dienstleistungen einschränken.

Jobs für Hochschulabsolventen besonders betroffen

Vor dem Hintergrund des Tech-Booms doch etwas überraschend waren Hochschulberufe im Bereich Informatik ebenfalls um 19 Prozent weniger gefragt. Ähnlich stark sank auch die Zahl der Stellenangebote für Hochschulabsolventen in den Bereichen Naturwissenschaften (-18 Prozent) und Wirtschaft (-17 Prozent).

Von allen Berufsgruppen verzeichnen nur die Fachkräfte Bau und Ausbau eine deutlich positive Entwicklung mit einer Zunahme von 10 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023.

Baugewerbe läuft, Industrie schwächelt

«Anfang 2023 erreichte der Auftragsbestand im Baugewerbe einen Höchststand. Dieser hilft, die sich derzeit abkühlende Geschäftslage abzufedern, und scheint auch die Nachfrage nach Bauberufen zu stützen», sagt Yanik Kipfer, Stellenmarkt-Monitor Schweiz.

«Im Gegensatz dazu stehen Hochschul- und Büroberufe. Viele dieser Berufe werden üblicherweise in Branchen gesucht, die derzeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie beispielsweise die Industrie.»

Gabriel Knupfer
Gabriel KnupferGabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk bei Blick und arbeitet seit zehn Jahren für die Handelszeitung.Mehr erfahren