Der Animationsfilm «Abominable» sorgte im Herbst mit einer Karte im Hintergrund für Aufsehen: Darauf eingezeichnet war die sogenannte Neun-Striche-Linie, die Chinas Ansprüche im Südchinesischen Meer markiert. Der Kinderfilm der Dreamworks Studios hat nichts mit dem Territorialdisput zu tun – es geht um ein Mädchen aus Shanghai, das einen Yeti zurück zum Mount Everest bringt. Dass die Karte trotzdem Eingang in den Film gefunden hat, lag wohl am mitproduzierenden Pearl Studio, einer Firma aus China. Doch der Fall zeigt das Selbstbewusstsein, mit dem die Narrative der Staats- und Parteiführung in Peking durchgesetzt werden.

Das bekommen auch westliche Firmen zu spüren. Von UBS bis Versace – in den vergangenen Monaten gerieten Unternehmen vermehrt ins Visier der chinesischen Internet-Nutzer. Die Drehbücher gleichen sich: Eine Firma «beleidigt» China. Darauf lässt sich die Online-Community von Staatsmedien zu wütenden Protesten und Boykottaufrufen anstacheln. Der Druck wächst und am Ende muss sich das Unternehmen öffentlich entschuldigen.