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Mexikaner nehmen Schweizer Lehre zum Vorbild

Bundespräsident Schneider-Amman in Mexiko: Er traf Präsident Enrique Pena Nieto.   Keystone

In Mexiko sollen mehr Jugendliche eine Berufslehre machen. Die Schweiz unterstützt das mittelamerikanische Land bei dem Vorhaben. Auch Schweizer Unternehmen in Mexiko leisten einen Beitrag.

Veröffentlicht am 05.11.2016

Die mexikanische Regierung zeigt grosses Interesse am Schweizer Bildungssystem. Eine Allianz zwischen den beiden Ländern soll nun helfen, die Berufslehre in Mexiko zu etablieren.

Die Situation scheint paradox. Mexiko weist seit Jahren ein konstant starkes Wirtschaftswachstum auf. Viele internationale Unternehmen haben sich im Land angesiedelt und hunderttausende neue Stellen geschaffen. Gleichzeitig ist jeder zehnte Jugendliche arbeitslos. Viele arbeiten zudem schwarz.

Mexikanischer Präsident beeindruckt

Laut Bundespräsident und Bildungsminister Johann Schneider-Ammann, der am Donnerstag und Freitag auf Staatsbesuch in Mexiko weilte, sind die Gründe dafür im Bildungssystem zu finden. Er habe Präsident Enrique Peña Nieto bereits bei früheren Treffen erklärt, dass die Schweiz nicht zuletzt wegen dem System der Berufsausbildung vollbeschäftigt sei. «Das hat ihm imponiert» sagte Schneider-Ammann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Tatsächlich scheint Präsident Nieto am dualen Schweizer Bildungssystem Gefallen gefunden zu haben. Nach einem Pilotprojekt wurden im vergangenen Jahr die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung der Berufslehre in Mexiko geschaffen. Diese ist somit neben dem allgemeinbildenden Gymnasium und den technischen Gymnasien die dritte offizielle Bildungsoption auf Sekundarstufe II.

Schweizer System kann nicht kopiert werden

Bis Mexiko allerdings soweit ist, dass auch tatsächlich die nachgefragten Berufe ausgebildet werden, ist laut Schneider-Ammann Geduld gefragt: «Das Schweizer System kann nicht einfach kopiert werden. Dieses wurde über Generationen von Unternehmensführungen verfeinert. Bis man ein System hat, dass auf die Märkte so gut reagieren kann wie unseres, muss man ein paar Jahre dran bleiben.»

Schweizer Unternehmen in Mexiko – rund 400 sind im Land tätig – bekunden seit längerem Interesse daran, die duale Berufsbildung umzusetzen. Dies um ihren Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften zu decken. Einige von ihnen haben bereits firmeninterne Ausbildungen wie Praktika und Trainee-Stellen aufgebaut, die jedoch nicht mit einer Schweizer Berufslehre vergleichbar sind.

Allianz gebildet

Gemeinsam mit der Schweizer Botschaft in Mexiko wurde deshalb eine entsprechende Initiative entwickelt: Die «Schweizer Allianz für Berufsbildung» soll das Engagement der Schweizer Unternehmen koordinieren und ihre Beteiligung an der offiziellen Initiative der Regierung ermöglichen.

Die Gründung dieser Allianz wurde am Freitag vom Bildungsminister und seinem mexikanischen Amtskollegen Aurelio Nuño Mayer offiziell bekannt gegeben.

Nur ein erster Schritt

Träger der Allianz sind zehn Schweizer Unternehmen. Diese bekräftigten ihren Willen, im Rahmen des mexikanischen Modells Lehrlinge auszubilden. Vorgesehen ist, dass diese zehn Unternehmen rund 200 Lehrstellen anbieten werden. Dies hört sich bei einer Einwohnerzahl von 120 Millionen bescheiden an. Doch es ist ein erster Schritt, um die Beschäftigungschancen für die jungen Mexikaner zu verbessern.

Die grosse Herausforderung dürfte sein, auch die mexikanischen Unternehmen zur Teilnahme an diesem System zu bewegen. Schneider-Ammann hofft darum, dass die Allianz eine Signalwirkung haben wird: «Die mexikanischen Unternehmen werden sehen, dass die Schweizer Ausbildung gut ist. Dann interessieren sie sich auch dafür. Das ist der Testlauf».

(sda/mbü)

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