Die Uhr tickt. Besonders drängend tickt sie bei den Startups der Schweiz. Denn diese schnell wachsenden Jungfirmen, die auf den Durchbruch hoffen, stehen eher vor dem Abbruch. Sie können kaum vom finanziellen Rettungsschirm des Bundes und der Banken profitieren.

Das hat einen simplen Grund: Um in den Genuss von zinslosen Darlehen aus der COVID19-Solidarbürgschaftsverordnung – abgesichert durch die Eidgenossenschaft – zu kommen, müssen Firmen einen Jahresabschluss vorlegen. Der setzt die Grenzen. Ein Kredit zur Lösung der Liquditätsklemme darf maximal 10 Prozent des Umsatzes 2019 betragen.

Das passt zu einem KMU, das seit Jahren existiert. Aber funktioniert nicht für ein Startup-Unternehmen, das im Aufbau ist. Es hat oft noch keinen klassischen Jahresabschluss, kein finanzielles Polster, und vor allem weist es noch gar keinen Umsatz aus. Eine Umfrage der Organisation Venturelab unter 660 Jungunternehmen besagte, dass 70 Prozent nichts profitieren können vom Bundes-Hilfspaket.

«Die Erfahrung zeigt, dass in solchen Krisen alle Finanzierungen aufgeschoben werden.»

Christian Wenger

Dass vielen das Geld ausgehen könnte, befürchtet auch Anwalt Christian Wenger, einer der Promotoren einer vitalen Schweizer Startup-Szene: «Die Erfahrung zeigt, dass in solchen Krisen mit der damit verbundenen Unsicherheit alle Finanzierungen aufgeschoben werden.» Investoren wollen primär ihre bestehenden Beteiligungen sichern – für Risikokapital, das in normalen Zeiten in ein Startup fliesst, bleibt da kaum etwas übrig.

Besonders exponiert sind Startups, die gerade in einer Finanzierungsrunde stecken oder kurz davor stehen. Wengers Erfahrung: «Die Finanzierungsrunden sind mit den aktuellen Rahmenbedingungen fast nicht realisierbar.»

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Pool und Soforthilfeprogramm

Und so droht, dass der nächsten Firmengeneration das nötige Frischkapital ausgeht. Damit es nicht soweit kommt, ist eine Gruppe von Startup-Akteuren wie Christian Wenger (Wenger & Vieli), Roger Wüthrich-Hasenböhler (Swisscom) oder Beat Schillig (Venturelab) daran, neue Wege zur Finanzierung auszuloten.

Im Vordergrund dieser Kerngruppe aus der Swiss Entrepreneurs Foundation stehen zwei Finanzierungsmethoden:

  • Gründung eines Finanzierungs-Pools für Überbrückungskredite (Bridge Loans), gespiesen aus der Schweizer Wirtschaft. Der Pool soll von Unternehmen, Mäzenen und mit Crowdfunding geäuffnet und vom Bund teils verbürgt werden. Die Loans mit einer Laufzeit von 2 Jahren sollen zinsfrei sein. Und dürfen, so die Pläne, zwei Millionen Franken je Firma nicht übersteigen. Angestrebt wird ein Pool mit 150 Millionen Franken.
  • Ergänzung der KMU-Kredit-Vergabe, damit auch Jungfirmen ohne Umsatz berechtigt wären für das Soforthilfeprogramm. Statt dem nicht vorhandenen Umsatz sollen Fördergelder, Anfangsinvestments und Darlehen zur Festsetzung der Kredit-Obergrenze beigezogen werden.

Was die Schweizer planen, ist auch in Europa ein Thema. In Deutschland ist der Bundesverband Deutsche Startups engagiert, zudem diverse staatliche Förderbanken, darunter die KfW-Gruppe, die in der Corona-Krise Jungunternehmer-Kredite ausrichten. Und in der Schweiz ist der Bundesrat daran, die Nöte der Startups zu hören: Am Mittwoch gab Wirtschaftsminister Guy Parmelin bekannt, das Seco prüfe neue Lösungen für die gebeutelten Jung-Firmen.