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Krisengewinner Schweiz: So stark sinken die Schulden

Die Schweiz hat die Finanzkrise gemeistert wie kaum ein anderes entwickeltes Land: Entgegen dem Trend sinken die Staatsschulden seit 2007. Nur ein Land steht besser da – doch das ist ein Sonderfall.

Von Mathias Ohanian
am 14.10.2015

Wie kaum ein anderes Land auf der Welt hat die Schweiz seit Ausbruch der schweren Finanzkrise ihre staatlichen Schulden senken können. Türmen fast alle Industriestaaten rund um den Globus bis heute Jahr für Jahr neue Verbindlichkeiten auf, konnte die Schweiz von 2007 bis 2015 ihre Verschuldung um 7 Punkte auf 46 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) reduzieren, zeigt eine Analyse auf Basis der jüngst veröffentlichten Zahlen des Internationalen Währungsfonds.

Das gilt nicht nur relativ: Mit 297 Milliarden Franken hat die Schweiz heute rund 8 Milliarden Franken weniger Schulden als kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2007.

«Ölvorkommen machen es Oslo besonders leicht»

Nur Norwegen kann sich als einziges hoch entwickeltes ebenfalls klar dem globalen Verschuldungstrend entziehen. Dabei ist das nordeuropäische Land jedoch ein Sonderfall: «Die hohen Ölvorkommen machen es Oslo besonders leicht, gut zu haushalten», sagt Daniel Hartmann, Ökonom bei der Bantleon Bank. «Angesichts des Energiepreisverfalls droht Norwegen in der Zukunft ein ähnliches Szenario wie vielen anderen erdölexportierenden Ländern.»

Zum Vergleich: Rund um den Globus haben es nicht einmal ein Dutzend Staaten geschafft, ihre öffentliche Schuldenquote in den vergangenen Jahren zu senken. Dazu gehören vor allem schnell wachsende Schwellenländer wie Indonesien, die Türkei, Indien oder die Philippinen.

Staatsquote in der Schweiz seit 2007 stabil

Gleichzeitig ist die Schweiz das einzige der fast 40 Länder, die der Internationale Währungsfonds als fortgeschritten kategorisiert, dass trotz Finanzkrise seine Staatsquote in den vergangenen Jahren nicht aufblähen musste: Die öffentlichen Ausgaben gemessen am BIP lagen zuletzt bei 31 Prozent, wie schon vor der Finanzkrise 2007. In allen anderen Ländern, auch in Norwegen, musste die öffentliche Hand zur Stützung der Konjunktur oder als Reaktion auf Rezessionen ihre Ausgaben (gemessen am BIP) hochfahren.

 

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Die paradiesischen Zustände in der Schweiz – konkret die hohe Beschäftigung und die steigenden Löhne – haben indes ihre Schattenseiten: Im Gegensatz zu den meisten anderen untersuchten Ländern sind die Schulden von Herrn und Frau Schweizer in dieser Zeit deutlich gestiegen, um 16 Punkte auf 120 Prozent des BIP seit 2007. Nur noch in Dänemark haben die Konsumenten höhere ausstehende Verbindlichkeiten.

Brummt die Wirtschaft, sind Konsumenten spendabel

Wie ist das zu erklären? Brummt die Wirtschaft, sind Konsumenten eher geneigt, einen Kredit für das neue Auto oder das lang ersehnte Eigenheim aufzunehmen. Zu beobachten ist dieses Phänomen auch in den skandinavischen Ländern und in den Niederlanden. Allen diesen Märkten ist gemein, dass die Zinsen niedriger sind als sie angesichts der ökonomischen Stärke eigentlich sein sollten.

Doch Grund zur Panik ist nur bedingt angebracht: Denn die Schweiz ist vermögend. In kaum einem anderen Land auf der Welt sind die Ersparnisse so hoch (siehe Bildergalerie oben).

Mathias Ohanian
Redaktionsleiter von handelszeitung.ch. Früher bei der Financial Times Deutschland. Gelernter Ökonom, ausgebildeter Journalist.
Twitter: @mathiasohanian

 

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