Bislang arbeiten nur wenige Schweizer Manager und Fachkräfte über das Pensionierungsalter hinaus. Lange Zeit galt es schliesslich als normal, dass Mitarbeiter mit dem Erreichen der Altersgrenze den wohlverdienten Ruhestand antreten. Die Anzeichen mehren sich jedoch, dass solch ein Erwerbslebenslauf in Zukunft seltener werden könnte.

Einerseits bekommen immer mehr Firmen den Mangel an Fachkräften zu spüren. Bei Informatikberufen etwa waren zuletzt 8 Prozent der Stellen unbesetzt, bei Ingenieurberufen mehr als 5 Prozent, zeigen Zahlen des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft sind es nur 2,5 Prozent. Die demografische Entwicklung wird voraussichtlich dazu führen, dass dieser Mangel in Zukunft stärker ausgeprägt sein wird.

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Wunsch nach Arbeit im Alter

Anderseits nimmt aufseiten der Mitarbeitenden der Wunsch zu, auch im höheren Alter zu arbeiten. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren angestiegen und damit auch die Fähigkeit und der Wunsch, länger im Job zu bleiben. Männer werden in der Schweiz derzeit im Durchschnitt 80 Jahre, Frauen 84 Jahre alt.

«Irgendwann ist die Yacht zum dritten Mal gestrichen und dauernd nur Golf zu spielen, ist auf Dauer eben auch keine Erfüllung, wenn man noch leistungsfähig ist», sagt Judith Baumberger, Personalberaterin aus Hirzel bei Zürich. Sie beobachtet, dass die Zahl der junggebliebenen Pensionisten in den vergangenen Jahren wächst. Hinzu kommt häufig ein ganz profaner Grund fürs Weiterarbeiten: Die finanziellen Polster für den länger dauernden Ruhestand reichen nicht aus.

Neue Modelle

Auf den ersten Blick scheint die Lage also einfach: Viele Menschen wollen und müssen länger arbeiten, Firmen suchen Fachkräfte. Allein: Die meisten Firmen beschäftigen bislang nur ungern Ältere. «Älter» meint in dem Fall nicht Rentner, viele Firmen fangen schon weit früher an, Kandidaten für unbesetzte Stellen allein aus Altersgründen auszusieben. «Unternehmen in der Schweiz stellen Fachkräfte und Manager ab Mitte 50 oft überhaupt nicht mehr ein, einfach weil solche Menschen bei jungen Führungskräften als zu alt gelten», sagt Beraterin Baumberger.

Personaler und Führungskräfte sortieren Bewerbungsmappen dann von vornherein aus, auch wenn die fachliche Qualifikation eines Kandidaten für einen Job passen würde. Aus Baumbergers Sicht ist das absurd, denn «gleichzeitig beklagen viele Firmen, dass sie auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte finden». Sie plädiert deshalb dafür, dass Firmen auch älteren Kandidaten eine Chance geben. Oft ist allerdings nicht nur eine übertriebene Jugendkultur das Problem, sondern auch die Gehaltsstruktur mit den entsprechenden Sozialleistungen der Unternehmen.

Gezielte Suche

Einige Unternehmen wissen die Qualitäten der Älteren dennoch zu schätzen und suchen deshalb gezielt nach pensionierten Managern. Der Verein ehemaliger Führungskräfte «Adlatus» aus Olten, südlich von Basel, vermittelt rund 300 Jobs pro Jahr an seine Mitglieder. Die pensionierten Manager springen kurzfristig ein, wenn Unternehmen übergangsweise zum Beispiel einen Geschäftsführer brauchen.

Die Senioren-Manager arbeiten meist nur für wenige Monate im jeweiligen Unternehmen, kleine Mandate dauern auch schon mal lediglich wenige Tage. Den Adlatus-Mitgliedern geht es dabei um den Spass am Job und die Chance, ihr Wissen einbringen zu können, nicht ums Geld. «Die meisten unserer Interim-Manager arbeiten in Teilzeit stundenweise oder an zwei bis drei Tagen die Woche», sagt Zeno Amrein, der bei Adlatus engagiert ist.

Buch zum Thema

Zum Thema ist kürzlich das Buch: «50 plus – Neuorientierung im Beruf» erschienen. Herausgegeben wurde es von «Beobachter», «Handelszeitung» und der Schweizer Kader Organisation SKO. Buch: «50 plus - Neuorientierung im Beruf.»