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Überraschend robust

 

Auch im zweiten Jahr der Krise spürt die Branche wenig. Einige Anbieter werden in diesem Jahr die bereits sehr guten Vorjahresergebnisse übertreffen und weiteres Personal einstellen.

Von Matthias Niklowitz
am 01.01.2010

Die grossen Softwareanbieter SAP, Microsoft und Sage spüren in der Schweiz vergleichsweise wenig von der Krise. «Die Profitabilität von SAP Schweiz ist angesichts der wirtschaftlichen «Grosswetterlage» gut.» sagt Hakan Yüksel, Managing Director SAP (Schweiz) AG zum aktuellen Geschäftsgang. Die schwierige Situation der Weltwirtschaft spiegle sich derzeit vor allem im Bereich der Prozessoptimierung bei SAP selber wieder. «Aber im strategischen Bereich Forschung und Entwicklung wurde und wird das Budget hingegen in absehbarer Zeit nicht angepasst – wir setzen voll und ganz auf Innovation und Kreativität» sagt Yüksel. SAP zählt in der Schweiz mit 714 Mio. Umsatz und rund 530 Angestellten laut der letzten Übersicht der «Computerworld» zu den grössten Softwareanbietern.

Konkurrent Oracle, der in der Schweiz bei Datenbanken ein Riese, bei Unternehmenssoftware abgesehen von etlichen über Akquisitionen gewonnenen Kunden hingegen ein Zwerg ist, befindet sich in der «Quiet period» vor dem Quartalsabschluss und machte keine Angaben zum laufenden Geschäftsgang.



Gute Nachrichten von den Grossen



Mehr Einblicke gibt Microsoft. «Bei uns laufen die Virtualisierungs-Lösungen sehr gut; die Nachfrage nach unserem Software und Services Angebot wächst zunehmend» sagt Peter Waser, Chef von Microsoft in der Schweiz. «Für Windows 7 ist das Interesse sehr gross, das gleiche gilt für Unified Communications Lösungen, die wir ja sogar in der Schweiz entwickeln.» Auch Windows Mobile läuft mit über 40% Plus gut. Microsoft setzte im letzten Jahr mit rund 500 Angestellten 970 Mio. Fr. in der Schweiz um.

Das laufende junge Geschäftsjahr – Microsoft schliesst die Bücher Ende Juni – hat sich bei Microsoft in der Schweiz laut Waser sehr positiv angelassen. «Microsoft hat ein Launchjahr vor sich» sagt Waser. Es kommen das PC- und Notebook-Betriebssystem Windows 7, Windows Mobile 6.5 für Smartphones, Office 2010 und weitere Produkte auf den Markt. «Von diesen Launches wird unser ganzes Partner-Ökosystem profitieren; wir rechnen mit einem deutlichen positiven Impuls auf die gesamte ICT Branche» sagt Waser.

Ein gedämpfteres Bild kommt von Sage. «Wir beobachten derzeit, dass sich die Kunden mit Neuinvestitionen im Bereich Business Software sehr zurückhalten» sagt Jean-Jacques Suter, CEO Sage Schweiz AG. Zu Sage zählen auch die bekannten ERP-Anbieter ProConcept und Simultan. Insgesamt arbeiten bei Sage 380 Angestellte und setzen 67 Mio. Fr. um. «Den grössten Bedarf bei KMU-Kunden sehen wir darin, mehr aus bestehenden Systemen herauszuholen» sagt Suter. Zum einen seien die Unternehmen bestrebt, ihre Umsätze zu steigern.  Zum anderen gehe es darum, Kosten zu senken. «Meist gelingt das, indem die Unternehmensprozesse in einem integrierten ERP-System durchgängig abgebildet werden» sagt Suter, «und dazu gehört auch eine detaillierte Kostenanalyse. Dieser Bedarf hält auch 2010 sicher noch weiter an.»



Mittelgrosse Anbieter: Gemischtes Bild



Wer sich bei den mittelgrossen Anbietern umhört, erhält unterschiedliche Einschätzungen über den Geschäftsverlauf. Und auch die Kunden sind keinesfalls alle in der gleichen Situation. «Die Marktanalysten von IDC rechnen für den IT-Markt erst im Jahr 2011 wieder mit einem nennenswerten Wachstum» sagt Maurizio Conti, Managing Director  der Software AG in der Schweiz, «und das spüren wir durch eine verzögerte Investitionsbereitschaft unserer Kunden.» «Unabhängig von der Branche hat sich die Investitionsbereitschaft bei Grossunternehmen für Enterprise Software und IT Projekte neben dem Preiszerfall erheblich reduziert» beobachtet auch Philipp Sander, Marketingchef von Scalaris, «Neukundengewinne konzentrierten sich auf kleinere und mittelgrosse Betriebe wie auch auf die öffentliche Hand oder aber Banken, die Ihr Kernsystem wechseln.» «Es gibt einige Unternehmen, welche unter der aktuellen Wirtschaftslage stark leiden» ergänzt Patrick Burkhalter, CEO bei Ergon, das mit 100 Mitarbeitern rund 22 Mio. Fr. umsetzt. «Andererseits gibt es aber auch Unternehmen, bei denen es sehr erfreulich tönt» sagt Burkhalter weiter, «man hat fast das Gefühl, dass sich in den schwierigen Zeiten die Spreu vom Weizen trennt. Die höhere Anzahl Spontanbewerbungen zeigt, dass es Firmen gibt, die Personal reduzieren.»



Steigender Konsolidierungsdruck



«Bei den grösseren Unternehmungen mit mehr als 100 Mitarbeitern ist die

Wirtschaftskrise schlicht inexistent» sagt Ruedi Wipf, CEO von AdNovum Informatik, «kleinere Software-Firmen haben jedoch zunehmend Schwierigkeiten, sich glaubwürdig im Markt zu präsentieren. Dies dürfte über die nächsten Jahren zu einer Konsolidierung der Anbieterlandschaft führen.» «Es ist mit einer weiterem Konsolidierung der ERP-Anbieter zu rechnen, da die Entwicklung einer komplett neuen Internet-basierten ERP-Software grosse Investitionen erfordert, die in einigen Fällen von kleineren Softwarehäusern nicht mehr erbracht werden können» sagt auch Claudio Hintermann, CEO von Abacus Research. Kleinere Unternehmen würden vermehrt von Software-as-a-Service-Angeboten profitieren, welche es erlauben ohne Einmalinvestitionen Softwaremodule auf einer Mietbasis zu nutzen. «Grössere Unternehmen werden umfangreiche und teure Software-Lösungen nur noch dann einsetzen, wenn sie auch international tätig sind» erwartet Hintermann, «und national ausgerichtete Unternehmen werden kostengünstigere Lösungen bevorzugen.»



Kein Krisenjahr



Bei Ergon selber ist man zufrieden mit dem Geschäftsgang im laufenden Jahr. «Wir liegen klar über unseren Erwartungen von 10% mehr Umsatz und Gewinn. Krisen sind immer auch Chancen, um sich gegenüber der Konkurrenz noch besser zu positionieren» sagt Burkhalter. Aus dem Finanzsektor sei die Nachfrage eher flau. Bei allen anderen Branchen ist sie anhaltend gut. «Das liegt vermutlich daran, dass sich unsere Kunden gerade in Krisenzeiten mit unserer Software Wettbewerbsvorteile erhoffen» sagt Burkhalter. Bis heute wurden keine eigenen Projekte gestoppt. «Die Projekt-Pipeline ist viel versprechend und die nächsten Monate werden aller Voraussicht nach für uns nach sehr gut werden.» «Wir rechnen für 2009 mit einem erfreulichen Geschäftsjahr und blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft» sagt auch Thomas Flatt, CEO bei Abraxis, das mit knapp 400 Angestellten einen Umsatz von 110 Mio. Fr. macht. «Bei innovativen Projekten wird hingegen schon spürbar, dass derzeit mancherorts der Mut zur Initiative etwas fehlt. Besonders deutlich ist dies etwa in der Entwicklung von national gültigen Technologie-Standards.»



Wieder volle Bücher



«Nach einem etwas verhaltenen ersten Quartal haben wir jetzt wieder gut gefüllte Auftragsbücher» sagt Andrej Vckovski, CEO der Netcetera Gruppe, die mit 200 Angestellten 28 Mio. Fr. Umsatz pro Jahr macht. «Allerdings spüren wir die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten bei unseren Kunden, die Verkaufszyklen sind länger und die Projekte gleichzeitig kleiner geworden.» Die Schwankungen und die kurzfristigen Bestellungen könnten nach langem Vorlauf gut absorbiert werden. «Fürs nächste Jahr erwarten wir, dass sich die Lage in einigen Kundensegmenten, wie bei den Finanzdienstleistern, entspannt» sagt Vckovski, «einzelne Kunden, beispielsweise aus der Raumfahrt oder dem Transportwesen, sind von der aktuellen Wirtschaftslage kaum betroffen.»

«Traditionell ist die Finanzindustrie eine der Kernbranchen der Software AG und daher sehen wir insbesondere in der Schweiz noch vielfältige Perspektiven für neue Geschäfte» sagt Maurizio Conti, frisch gebackener Managing Director der Software AG für die Schweiz. «Darüber hinaus haben wir kürzlich die Schweizer Teconomic AG übernommen.» Die Teconomic ist ein Top-Anbieter für Lösungen rund um den SWIFT-Zahlungsverkehr. Sieben der zehn wichtigsten Finanzinstitute der Schweiz setzen bereits auf das Know-how von Teconomic. «Daher sind wir sehr optimistisch,  was unser weiteres Engagement in der Schweiz angeht» glaubt Conti Für den Geschäftsgang in der Schweiz ist er optimistisch. 



Kein Anlass zu Klagen



«Wir können uns nicht beklagen» sagt auch Peter Herger, Geschäftsführer der Proffix Software, «per 30. Juni 2009 waren wir rund 10% über Vorjahr.» Der Sommer sei gewohnt ruhig, aber im Umfeld zeige sich, dass man  sich auf einen guten Herbst freuen dürfe. «Natürlich ist die Entwicklung nicht durchs Band positiv, aber im grossen und ganzen gibt es überall Verbesserungen im Vergleich zu unserem bereits sehr guten Geschäftsjahr 2008» sagt Herger weiter. Es gibt hier einen Trend in Richtung Mietsoftware. «Bei uns läuft es vergleichbar gut wie im letzten Jahr» sagt Dynasoft-CEO Simon Lüdi. Zwar sei das Neugeschäft «zurückhaltend», aber immer mehr Kunden interessieren sich für Business-Intelligence-Anwendungen. Dynasoft hat 30 Angestellte, setzt laut der jüngsten Übersicht von «Computerworld» 4 Mio. Fr. um und ist Hersteller der «Tosca»-ERP-Lösung.

«Trotz des verschärften Drucks, neben den Investitions- auch die Betriebskosten zu senken, konnte aufgrund der langjährigen, bestehenden Kundenbeziehungen ein bisher befriedigendes Resultat erzielt werden» sagt Philipp Sander, Marketingchef von Scalaris, «für das letzte Trimester rechnen wir mit einer weiterhin schwierigen Marktsituation.» «Für 2010 sehen wir eine leichte Erholung» sagt Sander weiter, «allerdings mit nochmals erhöhten Leistungsanforderungen sowohl bei Kunden, Partnern wie auch Mitarbeitern.»

«Trotz eines deutlich schwächeren zweiten Quartals 2009 beim Verkauf von Neulizenzen sind wir zuversichtlich, dass wir den Vorjahresumsatz auch im laufenden Jahr wieder erreichen werden» sagt Claudio Hintermann, CEO von Abacus Research. 2008 hat sein Unternehmen, das mit knapp 200 Angestellten über 34 Mio. Fr. umsetze, das mit Abstand beste Umsatzresultat in der 24-jährigen Firmengeschichte erzielt. «Dank der Tatsache, dass grosse Teile der Standardsoftware von Abacus in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden können, sind wir etwas krisenresistenter als Unternehmen, die nur für eine bestimmte Branche Marktleistungen erbringen» sagt Hintermann. «Wir erwarten, dass auch dieses Jahr der Umsatz 2008 wieder erreicht werden kann» gibt sich Hintermann aber zuversichtlich, «da wir nächstes Jahr mit der neu entwickelten Gesamtlösung das Bauhauptgewerbe und in der Folge auch das Baunebengewerbe mit integrierten Lösungen bedient werden können.» Mit der dieses Jahr gegründeten Niederlassung in München wird neu der deutsche Markt systematisch bearbeitet. Erste Projekte konnten bereits abgeschlossen werden.

«Nach einem bereits erfolgreichen 2008 verlaufen die Geschäfte im 2009

erneut besser als im Vorjahr» sagt Ruedi Wipf, CEO AdNovum Informatik. «Wir sind voll ausgelastet und müssen die personellen Ressourcen geschickt einteilen.»  Von Kunden aus dem Finanzumfeld gab es Anfang Jahr negative Signale und zum Teil Umsatzausfälle. «Wir konnten jedoch diese Ausfälle durch Kunden aus anderen Branchen überkompensieren» sagt Wipf, « und inzwischen zieht auch der Finanzsektor wieder an.» Adnovum hat aktuell 192 Mitarbeiter und spielte im letzten Jahr 29 Mio. Umsatz ein. Wipft gibt sich für die Zukunft sehr zuversichtlich. «Unsere Projektpipeline ist bereits gut gefüllt. Für das Geschäftsjahr

2009/2010 erhielten wir bereits jetzt 2/3 des budgetierten Umsatzes zugesichert. Wir streben im nächsten Jahr in Bezug auf Headcount und Umsatz ein Wachstum von acht Prozent an.»



Ausländische Anbieter: Unterschiedliches Bild



Und auch bei einigen Filialen ausländischer Softwarefirmen überwiegen die positiven Signale. «Die adesso Schweiz AG konnte sich der schwierigen Marktlage in den ersten sechs Monaten 2009 nicht entziehen, bleibt aber weiterhin optimistisch für den Rest des Jahres 2009» sagt Hansjörg Süess, Geschäftsführer adesso Schweiz AG. «Dank grösseren Aufträgen aus dem öffentlichen Bereich konnten wir zulegen und die Umsatzrückgänge aus dem Finanzsektor

weiter kompensieren.» Süess geht davon aus, dass er den Umsatz in der Grössenordnung von CHF 10 Mio. wird halten können. Die Auslastung bei Beratung und Softwareentwicklung ist zu Ende des 2. Quartals 2009 merklich gestiegen und auch die Vertriebspipeline ist gegenüber dem Jahresanfang wieder gewachsen. Die Firma beschäftigt in der Schweiz knapp 50 Angestellte.

«Bei Retarus hat sich das aktuelle Geschäftsjahr  sehr positiv entwickelt» sagt Dominik Obrist, Country Manager, retarus (Schweiz) AG, «insbesondere ist die Nachfrage nach Managed Services  weiterhin gross.» Seine Firma hatte in den letzten zwölf Monaten in der Schweiz ein Umsatzwachstum von über 80 % und haben damit die Millionen-Grenze überschritten. Das kleine Retarus Team in der Schweiz soll noch ausgebaut werden.

Stärker der wirtschaftlichen Grosswetterlage ausgesetzt ist CA, ein Lieferant von Systemsoftware für Rechenzentren. «Auch bei CA Schweiz spüren wir eine allgemeine Zurückhaltung in der IT, und somit auch bei Investitionen in Software» sagt Laurent Huerlimann, Country Sales Manager Schweiz von CA. «Höchste Priorität  geniessen zurzeit vor allem die Projekte, die absolut unternehmenskritisch und für das "Business" unabdingbar sind.»
 

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