In der Schweiz gibt es immer weniger Langzeitarbeitslose, so die offizielle Version des Bundes. In Wirklichkeit verschwinden sie einfach aus der Statistik. Denn nach Rechenart des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) werden die ausgesteuerten Menschen nicht mitgezählt. So erklärt sich auch die rekordtiefe Arbeitslosigkeit, welche die Schweiz seit einiger Zeit erlebt: Nach Definition des Seco lag die Quote im Januar bei 2,6 Prozent. 

Doch gemäss der weltweit verwendeten Zählweise der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) lag die Erwerbslosenquote Ende 2019 bei 3,9 Prozent. Dabei zählen auch die nicht mehr auf den Arbeitsämtern gemeldeten und ausgesteuerten Personen

Bei den Langzeitarbeitslosen verhält es sich genauso und so kommt es, dass es heute in Wirklichkeit mehr Langzeitarbeitslose gibt als vor zehn Jahren. Hinzu kommt, dass fast ein Drittel der nicht registrierten Langzeitarbeitslosen in den vergangenen fünf Jahren ausgesteuert wurde. 

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Auch wenn die ILO-Berechnung hierzulande nicht offiziell ist, scheint das Seco die Zahlen ernst zu nehmen und hat das Phänomen genauer unter die Lupe genommen.

Wer ist von besonders betroffen?

Zwischen 2010 und 2018 ist die Langzeitarbeitslosigkeit unter Männern, über 45-Jährigen, Schweizern und Akademikern besonders stark gestiegen. Allerdings spiegelt das nur bedingt die Realität wider: Denn langzeitarbeitslose Frauen sind laut der Studie «deutlich seltener» beim Arbeitsamt registriert als Männer ebenso wie jüngere Personen und Ausländerinnen und Ausländer. 

Die Studienautoren halten diverse Gruppen für besonders gefährdet, in die Langzeitarbeitslosigkeit abzurutschen: IV-Rentner, Arbeitslose über 45 Jahre, Personen mit niedriger Bildung sowie Ausländerinnen und Ausländer. Einen Risikofaktor stelle zudem der ausgeübte Beruf dar – Beispiel: Bürokräfte –, ferner sei die Lage heikler in gewissen Branchen wie Handel und Reparatur oder Gastgewerbe. 

Bestandsaufnahme mit Folgen?

Die Studie ist eine Art Bestandsaufnahme, konkrete Massnahmen zeigt das Seco nicht auf. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Schweizer Politik doch irgendwann zur quartalsweise publizierten ILO-Arbeitslosenquote übergehen wird. Zumindest nehmen die Behörden die Zahlen offenbar ernst.

Ein Fazit zieht das Seco dennoch: Wer mit 50 arbeitslos war, der hat es später sehr schwer, wieder einen Job zu finden. Wer über diese Altershürde hinaus berufstätig bleibt, wird auch eher bis 65 im Job bleiben.

Dass die Studie in die derzeitige Diskussion um die Überbrückungsrente fällt, mag dabei kein Zufall sein.