Die Turbulenzen um die Zwangsübernahme der Credit Suisse durch die UBS haben Kommentatoren im Ausland auf den Plan gerufen, die wenig Vorteilhaftes schrieben und die Schweiz gar als Finanz-Bananenrepublik bezeichneten. Die rechtliche Sicherheit sei nicht mehr gewährleistet, so die Argumentation. 

Auch die Hauruck-Wertloserklärung von Credit-Suisse-Obligationen (AT1-Anleihen) im Wert von rund 16 Milliarden Franken rief im Ausland Empörung hervor. Und es sorgte weltweit für Schlagzeilen, wie der Nationalrat, sonst im Ausland als Ort der Non-Events wahrgenommen, die Staatsgarantien für die Credit Suisse aus Protest ablehnte.

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Was ist los in Helvetien, dem Hort der Stabilität? Das ist die Frage, die man sich im Ausland stellt. Im Inland fragen sich Finanzleute dagegen: Hat das Credit-Suisse-Debakel dem Status des Schweizer Frankens als sicherer Hafen geschadet? 

Dass Schaden angerichtet wurde, ist gemäss Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin in Zürich, nicht von der Hand zu weisen: «Die Diskussion um die Credit Suisse und der Totalverlust der AT1 Anleihen - so gerechtfertigt er auch ist - schadet dem Ruf der Schweiz als sicherer Hafen. Anleger transferieren ihr Kapital in die Schweiz, damit sie sich keine Sorgen machen müssen. Wenn Schweizer Banken nicht mehr sicher sind, dann müssen sie alles unternehmen, damit sie dies wieder werden.»

Der Franken profitiert von politischer Kontinuität

Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank, argumentiert dagegen, dass der Franken derzeit zum Dollar die Muskeln spielen lasse, und auch zum Euro notiere die eidgenössische Valuta noch immer unter der Parität. Die Diskussion um die Credit Suisse und die UBS tangiert laut Gitzel den Franken also nicht.

Insofern sieht auch Gitzel auch den Franken noch immer als sicheren Hafen. «Die Währung profitiert von politischer Kontinuität, Rechtssicherheit und der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. Wenn sich an diesen drei Punkten etwas ändert, würde der Franken diesen Status verlieren», so Gitzel weiter.   

Ein Blick auf die Entwicklung am Devisenmarkt zeigt tatsächlich, dass die Credit-Suisse-Turbulenzen dem Franken nicht zusetzen konnten. Der Franken legte gegenüber dem Dollar den stärksten Kursanstieg unter den G10-Währungen hin und verzeichnet seit Jahresbeginn zum Greenback ein Plus von 5,4 Prozent.

Diese Performance dürfte aber primär auf die Schwäche der US-Währung zurückzuführen sein, nachdem immer mehr absehbar wurde, dass der Zinspeak in Übersee demnächst erreicht werden könnte. Dagegen scheinen weitere Zinserhöhungen in Europa durch die Europäische Zentralbank (EZB) und der Schweizerischen Nationalbank weiterhin realistisch. 

Anlageentscheide in der Schweiz als treibender Faktor 

Die Pleite der Silicon Valley Bank und weiterer US-Banken sowie die Übernahme der Credit Suisse sorgen eher weltweit für Unruhe im Bankensektor und schüren Konjunkturängste, meint Alexander Koch von Raiffeisen Schweiz und fügt ein überraschendes Argument für die Schweiz und den Franken an: «Durch diese Unruhe dürfte der Franken kaum in Bedrängnis kommen, zumal der Wechselkurs mehr von den Anlageentscheidungen der Schweizer selbst abhängt als vom Ausmass der Anlagen von Ausländern in Schweizer Franken. Die sind aufgrund des vergleichsweisen kleinen Schweizer Kapitalmarktes nämlich keineswegs so gross und so wichtig wie oft suggeriert wird.»

Ob der Status des Schweizer Frankens als sicherer Hafen gefährdet sein könnte, dürfte demnach auch von der Perspektive abhängen. Für die internationalen Private-Banking-Kunden dürfte entscheidend sein, wie die Schweiz diese Herausforderungen um die Credit Suisse meistern wird. Sollte es der UBS dabei gelingen, die Credit Suisse ohne grosse Nebengeräusche zu integrieren, dann dürfte relativ rasch zum Alltag übergegangen werden. 

Auch hier dürfte gemäss Koch dazu beitragen, dass der Franken vor allem ein sicherer Hafen für die hohen und wachsenden Schweizer Vermögen ist. «Solange sich die Schweiz als stabiler Hort in einer unsicheren Welt vergleichsweise gut behauptet, dürfte sich daran kaum etwas ändern», so der Raiffeisen-Ökonom.

Der Eurozone ist in Form

Im Gegensatz zum Höhenflug des Frankens gegenüber dem Dollar vermochte sich die Schweizer Währung zum Euro kaum zu verbessern. Seit Jahresbeginn sank der Wert des Euros von 99 auf 98 Rappen. Junius verweist denn auch darauf, dass Sicherheit relativ sei. «In der Vergangenheit war der Franken schwach, wenn die Währungsunion unsicher erschien. Das ist aktuell nicht der Fall.»

Die Resilienz der Eurozone und des Euro hat trotz Ukraine-Krieg viele Ökonomen überrascht. Der Sarasin-Ökonom begründet dies so: «Trotz Zinserhöhungen um 350 Basispunkte sind die Zinsaufschläge, die die stark verschuldete Peripherie zahlen muss, niedriger als vor der ersten Zinserhöhung im Juli.» Dazu trage bei, dass es im politischen Italien keine Misstöne gebe.

Ferner habe die EZB mit dem TPI (transmission protection instrument) signalisiert, dass sie im Zweifelsfall intervenieren werde. Ebenfalls erfreulich ist, dass das nominale Wachstum so stark ist, dass die europäischen Staatsschulden im Vergleich zu den BIP-Quoten stark gefallen sind. «Demnach wird der sichere Hafen Schweiz folglich derzeit nicht gebraucht,» so Junis. 

Ein schnelles Urteil, ob die Reputation des Frankens Schaden genommenhat, scheint aufgrund der aktuellen Argumente deshalb schwierig. Wechselkurse unterliegen kurzfristig hohen Schwankungen, das Vertrauen ist dagegen ein mittel- bis langfristiger Faktor. Dieser entscheidet, ob Anleger in einer Währung investiert bleiben.

Ob der Schweizer Franken wegen der CS-Turbulenzen längerfristig Schaden nimmt, dürfte auch davon abhängen, ob der kurzfristig angerichtete Schaden mit den AT1-Anleihen einen bleibenden, negativen Effekt hat. Entsprechend dürften Politik, Finma, SNB, UBS und der Finanzplatz gefordert sein, mit vertrauensbildenden Massnahmen Stabilität zu fördern. 

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