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Umbruch
SNB-Schock: Nun hat die Woche 43 Stunden und mehr

Lähmung nach dem Frankenschock? Mitnichten. Von St. Gallen bis Genf arbeiten Firmen unter Hochdruck daran, ihre Produktivität zu steigern. In der Industrie scheint vor allem eine Massnahme beliebt.

Von Mathias Ohanian
am 26.02.2015

Die Schweizer Wirtschaft erlebt in diesen Wochen enorme Umwälzungen. Von St. Gallen bis Genf arbeiten Firmenlenker intensiv daran, den Frankenschock zu verarbeiten und den dadurch erlittenen Wettbewerbsverlust aufzuholen. Jüngste Beispiele sind die Industriekonzerne Huber+Suhner, Eternit und Tornos. Alle drei Firmen gaben am Mittwoch bekannt, als Reaktion auf den starken Franken die Arbeitszeit der Mitarbeitenden verlängern zu wollen.

Beim Drehmaschinenhersteller Tornos soll die Wochenarbeitszeit auf 43 Stunden steigen. Gleiches gilt für Huber+Suhner, Produzent von Teilen, die in der Kommunikationstechnik verwendet werden. Der Gebäudehüllenbauer Eternit erhöht die wöchentliche Arbeitszeit für die 500 Schweizer Angestellten gar von 42 auf 45 Stunden.

Schweizer Firmen arbeiten intensiv an Produktivität

Nach der Aufgabe des Mindestkurses am 15. Januar schien die Schweizer Wirtschaft wie gelähmt. Doch der Schockzustand dauerte nur kurz: Personalkürzungen, Lohnsenkungen oder eine Verlängerung der Arbeitszeit – im ganzen Land sind Firmen dabei, ihre Produktivität nach oben zu schrauben.

Wie eine Umfrage von handelszeitung.ch unter ihren Lesern nun ergab, hat mehr als jeder fünfte Schweizer Arbeitgeber (22 Prozent) bereits erste Sparmassnahmen umgesetzt. 15 Prozent teilten mit, dass Massnahmen immerhin schon angekündigt wurden. Und fast jeder vierte Umfrageteilnehmer gab ab, entsprechende Einschnitte für die Zukunft noch zu erwarten. Lediglich 40 Prozent sehen sich überhaupt nicht betroffen.

«Das schlägt auf die Stimmung im Betrieb»

Immer deutlicher kristallisiert sich dabei heraus, dass die Schweizer Industrie stark auf die Verlängerung von Arbeitszeiten setzt – womöglich eher noch als auf Lohneinschnitte. Beim Uzwiler Technologieunternehmen Bühler sind es seit Mitte Monat 45 Stunden in der Woche. Georg Fischer lässt seine Angestellten an allen Schweizer Standorten ebenfalls länger arbeiten. Nun gilt – wie bei den oben genannten Beispielen temporär – eine 44-Stunden-Woche. Oft wollen die Firmen nach einem halben Jahr oder Ende 2015 prüfen, ob die Massnahme den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Auch der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail prüft derzeit, die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden anzuheben. Von einer Lohnkürzung hält Geschäftsleiter Peter Spuhler dagegen nichts. «Die Löhne soll man jetzt nicht antasten. Das schlägt auf die Stimmung im Betrieb», sagte er in einem Interview. Andere Industriefirmen setzen indes freilich auch auf Lohnsenkungen.

In der Schweiz wird üblicherweise 42 Stunden gearbeitet

Nach offiziellen Zahlen liegt die übliche wöchentliche Arbeitszeit in Schweizer Betrieben seit über einer Dekade bei rund 41,7 Stunden (siehe Grafik unten) – in der Landwirtschaft ist sie etwas höher, in der Industrie leicht niedriger. Faktisch arbeiten die Schweizerinnen und Schweizer also ohnehin schon mehr als die oft vereinbarten 40 Stunden. Gut möglich, dass die Statistiken dereinst für 2015 erstmals wieder einen klaren Anstieg zeigen werden.

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