Die Schweiz ist nach Einschätzung der Nationalbank (SNB) anfälliger geworden für einen Schock durch einen überhitzten Immobiliensektor. Der Markt für Wohnliegenschaften und Hypotheken sei seit Beginn der Corona-Pandemie verwundbarer geworden, sagte Fritz Zurbrügg, Direktoriumsmitglied der SNB, am Dienstag bei einer Veranstaltung in Genf laut Redetext.

Es gebe zahlreiche Signale für eine zunehmende Überbewertung. «Anhand dieser Annahmen und Modelle misst die SNB derzeit eine Überbewertung der Wohnungspreise von zehn bis 35 Prozent», erklärte Zurbrügg.

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Zinsniveau dürfte weltweit tief bleiben

Die von den USA und Grossbritannien ausgehende Normalisierung der Leitzinsen könnte helfen, die Zunahme der Verwundbarkeit des Immobilienmarktes zu bremsen, sagte der SNB-Direktor. Allerdings dürfte das globale Zinsniveau mittelfristig wegen struktureller Faktoren wie Demografie, Ungleichheit und einer starken Nachfrage nach sicheren Vermögenswerten tief bleiben. Und die Geldpolitik könne diese Faktoren nicht beeinflussen.

«Überdies – und das ist noch wichtiger – liegt der Fokus der Geldpolitik auf der Preisstabilität und der konjunkturellen Entwicklung, und somit nicht auf der Eindämmung von Verwundbarkeiten des Finanzsystems», erklärte Zurbrügg. Andere Instrumente wie etwa die Verpflichtung der Banken, mehr Kapital für Immobilienkredite zu halten, eigneten sich besser, um die Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors zu verbessern.

Die Schweizer Regierung hatte im Januar auf Antrag der SNB die Kapitalregeln für die Hypotheken-Vergabe verschärft.

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(reuters/gku)