Der US-Bettenvermittler Airbnb ist zu einer fester Grösse im Schweizer Tourismus geworden. Auf der Online-Plattform sind durchschnittlich fast 60'000 Schweizer Zimmer und Wohnungen ausgeschrieben. Das Angebot hat sich innert drei Jahren verdoppelt – dies zeigt eine neue Analyse der Raiffeisen.

Die Bank rechnet durch, wie viel sich mit einer 2-Zimmer-Wohnung in der Stadt Zürich vermieten lässt – und kommt zum Schluss: Airbnb rentiert mehr als die normale Vermietung. In dem Rechenbeispiel erzielen die Wohnungsbesitzer nach Steuern eine Eigenkapitrendite von 2,92 Prozent. Bei der konventionellen Vermietung beträgt sie nur 1,82 Prozent. Hier geht Raiffeisen von einer Monatsmiete von 1800 Franken aus.

Eine 2-Zimmer-Wohnung kann in Zürich über das ganze Jahr gerechnet im Mittel für 111 pro Nacht auf Airbnb vermietet werden. Anbieter können dabei von einer Auslastung von 73 Prozent ausgehen, drei Viertel des Jahres ist das Objekt also belegt.

Das führt zu einem Jahresumsatz von fast 30'000 Franken.

Eine typische, auf der Online-Plattform angebotene Wohnung, kostet in Zürich 810'000 Franken.

Professionelle Anbieter, die mehrere Apartments auf Airbnb ausschreiben, erzielen deutlich höhere Erträge als Inserenten mit nur einem Objekt – auch das geht aus der Analyse hervor.

Den kleinen Anbietern gelingt es hingegen besser, die Gäste zufriedenzustellen. Je weniger Wohnungen eine Inserentin kurzzeitig vermietet, desto höher ist im Schnitt das Wohlbefinden der Kunden. Die Erklärung für dieses Phänomen liegt auf der Hand. Vermutlich kümmern sich die wenig professionellen Gastgeber stärker um ihre Besucher.

Umsatz_Airbnb

Durchschnittlicher jährlicher Umsatz auf Airbnb für eine ganze Unterkunft mit einem Schlafzimmer in CHF.

Quelle: AirDNA, Raiffeisen Economic Research
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Der Wohnungspreis ist für die Rendite entscheidend

Zürich ist aber nicht die Region, in der sich über Airbnb am meisten Geld verdienen lässt. Noch lukrativer ist beispielsweise Davos, Locarno, Aigle am Genfersee und insbesondere das Berner Oberland. Dort winkt eine Eigenkapitalrende von rund 14 Prozent – über zehn Prozentpunkte mehr, als die konventionelle Vermietung einbringt.

Denn entscheidend für die Rendite ist nicht nur der Umsatz, der sich über die Online-Plattform machen lässt. Sondern auch der Kaufpreis der Wohnung spielt eine Rolle – und dieser Preis ist in Zürich im Schnitt viel höher als im Berner Oberland.

Garantiert ist der Erfolg auf Airbnb allerdings nicht. Das zeigt sich in der kurzen Dauer, die Wohnungen angeboten werden. Ein Jahr nach der Freischaltung ist die Hälfte wieder weg. Raiffeisen vermutet, dass sich viele Anbieter zurückziehen, sobald sie realisieren, dass sich das Geschäft doch nicht so stark rechnet wie erhofft.

(mbü)

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