Eine echte Überraschung ist es nicht mehr: Die Ratingagentur Moody’s hat zu einem neuen Rundumschlag gegen Europa ausgeholt.  Einmal mehr. Italien, Portugal, Spanien, Malta, die Slowakei und Slowenien stufte sie um jeweils ein bis zwei Stufen herab, für Frankreich und Österreich gibt es nun einen negativen Ausblick.

Angesichts des regelrechten Feldzuges der «Grossen Drei», Fitch, Moody’s und Standard&Poor’s (S&P), wurde schon öfter Kritik laut. Die Relevanz, die den Agenturen zugesprochen wird, sei zu gross – man solle mit etwas mehr Gelassenheit an das Thema gehen, sagte etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble nach der letzten Abstufungsrunde von S&P Mitte Januar. Auch hätten die Experten nicht sämtliche Faktoren berücksichtigt, die die Kreditwürdigkeit der Staaten beeinflussen.

Kritiker der Agenturen dürften sich nun bestätigt fühlen. In der Studie «Credit Ratings and Credit Risk» haben Jens Hilscher von der Brandeis University und Mungo Wilson von der University of Oxford Bewertungen der Ratinggentur S&P für Unternehmen zwischen 1986 und 2008 untersucht. Das Ergebnis: «Ratings sind kein optimaler Indikator, um den Kreditausfall vorauszusagen», schreiben die Autoren in der Schlussfolgerung.

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Eigener «Failure Score»

Die S&P-Ergebnisse haben sie einem eigenen Bewertungsschema gegenübergestellt, das sich aus Faktoren wie der verfügbaren Liquidität, der Profitabilität oder den Schulden eines Unternehmens zusammensetzt. Dieser «Failure Score» sei etwa doppelt so aussagekräftig wie die Noten der Agenturen. So kommt es etwa vor, dass sich das Ausfallrisiko zweier Unternehmen, die die gleiche Note erhalten haben, eigentlich völlig unterscheidet.

Wie Studienautor Hilscher dem «Handelsblatt» sagt, lassen sich die Ergebnisse der Studie auch auf die Bewertung von Staatsanleihen übertragen. In einer anderen Studie habe er mit seinem Co-Autor Yves Nosbusch herausgefunden, dass Makroökonomische Daten eines Landes wesentlich besser geeignet seien, um den Zahlungsausfall eines Landes vorherzusagen, als die Noten der «Grossen Drei».