Alle reden von Inflation und steigenden Energiekosten – doch Schweizer Lohnempfänger müssen am wenigsten arbeiten, um sich jeden Monat Strom, Wasser, Gas, Breitband- und mobiles Internet leisten zu können. Dieses verblüffende Ergebnis lässt sich aus einem weltweiten Ländervergleich des britischen Energieberaters Utility Bidder herauslesen. Das Unternehmen hat erhoben, wie viel vom Einkommen für Versorgungsdienstleistungen in den Ländern weltweit ausgegeben wird.

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Das Fazit: Nur 6,2 Prozent des monatlichen Durchschnittseinkommens von 6250 Franken (das sind 388 Franken) wenden Frau und Herr Schweizer für diese Versorgungsleistungen auf. Zwar weist die Schweiz das vergleichsweise höchste Monatseinkommen aus. Aber der anteilige Aufwand für die Haushaltsversorgung ist am niedrigsten.

Zum Vergleich: In Pakistan geben die Menschen 61 Prozent ihres Einkommens für Gas und Wasser aus. Spitzenreiter bei den anteiligen Stromausgaben ist Island mit 12,8 Prozent. Den höchsten Kostenaufwand für Breitbandinternet hat Nigeria – 53 Prozent des Lohns braucht es für einen schnellen, stabilen Netzzugang. Für 1 Gigabyte mobile Daten müssen Bolivianer 1,92 Prozent von ihrem Einkommen abdrücken (siehe Grafik).

Eine mögliche Erklärung für den Schweizer Spitzenplatz bei den geringen anteiligen Ausgaben ist, dass die Infrastrukturkosten für Energie- und Versorgungsträger in Pakistan wie in der Schweiz nicht allzu weit auseinander liegen. Und bei einem höheren Einkommen in der Schweiz im Vergleich zu Pakistan die anteiligen Kosten somit relativ tiefer liegen.

Etwas anders sieht es aus, wenn man die absoluten Zahlen heranzieht. In diesem Fall ist die Schweiz ein Hochpreisland. Nur ein Beispiel: Rund 100 Franken pro Monat entfallen auf Kosten für Gas und Wasser, 125 Franken für Strom, 63 Franken für Breitbandinternet und 7.50 Franken für 1 Gigabyte Daten.

Hochpreisländer Deutschland und Saudi-Arabien

Gemäss der Auswertung von Utility Bidder gibt es in absoluten Zahlen noch ein paar Überraschungen. So ist Deutschland mit 230 Euro (umgerechnet rund 235 Franken) das teuerste Land bei den Kosten pro Monat und Lohnempfänger für Wasser und Gas. Beim Strom ist es Island mit 586 Euro (umgerechnet rund 605 Franken). Beim Breitbandinternet rangiert Saudi-Arabien auf Platz eins mit 95 Euro (entspricht rund 98 Franken) pro Monat. Und für 1 Gigabyte mobile Daten blättert man mit 11 Euro (in etwa 11 Franken) am meisten in Kanada hin.

Die Daten von Utility Bidder stammen von World Data für das durchschnittliche Monatseinkommen. Die monatlichen Kosten für Gas und Wasser von Numbeo. Die monatlichen Energiekosten für 1 Kilowattstunde von Global Petrol Prices. Und die monatlichen Kosten für Breitbandinternet und mobiles Internet kommen vom Breitband-Preisanalysten Cable.

Bernhard Fischer
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