Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz steigt. Im Dezember ist in den RAV die Zahl der Stellensuchenden gegenüber dem Vormonat um 5740 auf 231'624 Personen geklettert. Mit einer Erholung sei vorerst nicht zur rechnen, sagen Konjunkturforscher mit Blick auf das laufende Jahr. Schwarzmalen sei aber nicht angesagt, so Pascal Scheiwiller (51). «Der Arbeitsmarkt bleibt aufnahmefähig», sagt der CEO von Rundstedt Schweiz weiter. Der Arbeitsvermittler hat am Mittwoch das «Arbeitsmarkt-Barometer 2026» veröffentlicht. Blick hat die wichtigsten Erkenntnisse.

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Pharma-Jobmarkt gerät unter Druck

In der Pharma- und Life-Sciences-Branche häufen sich die Kündigungen. Mit 30 Prozent ist sie am stärksten betroffen im Vergleich zu anderen Branchen gemäss Rundstedt-Studie. So baut Novartis im Kanton Aargau mehrere Hundert Stellen ab bis 2027. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse in die bessere Automatisierung investiert werden, heisst es. Unter Druck sind auch Banken und Versicherer. Zum Beispiel: Helvetia Baloise baut schweizweit 1800 Jobs ab in den nächsten drei Jahren. Auch bei der UBS läuft ein Stellenabbau.

Auch bei der Informatik werden weniger Arbeitnehmer benötigt. Das bestätigt eine Analyse von Swissstaffing, dem Verband der Personaldienstleister. «Der Arbeitskräftemangel in der IT ist vorbei», heisst es. Grund: IT-Firmen investieren vermehrt in künstliche Intelligenz.

Mehr Kündigungen durch Stellenabbau

Umstrukturierungen, Stellenabbau, Massenentlassungen. Begriffe, die immer öfter in den Medien fallen. Kündigungen wegen Personalabbaus nahmen gegenüber dem Vorjahr zu und bleiben mit 41 Prozent der häufigste Kündigungsgrund. Auffällig: Viele Entlassungen bleiben unter dem Radar der Öffentlichkeit. Erstens werden nicht alle Massenentlassungen öffentlich gemacht. Zweitens liegen viele Kündigungen unter den gesetzlichen Schwellenwerten. Sie gelten offiziell nicht als Massenentlassung, auch wenn sie für die Betroffenen genauso einschneidend sind. Rückläufig ist der Kündigungsgrund wegen mangelnder Leistung. Hier gilt wohl das Motto: Wer um seinen Job bangt, arbeitet vorsichtiger.

Weniger Platz für Jung, weniger Jobs für Alt

Lange studiert, Bestnoten im Sack und trotzdem hagelt es Absagen. Für junge gut ausgebildete Erwachsene wird der Berufseinstieg zäher. Im Jahr 2025 dauerte die Jobsuche im Schnitt 3,2 Monate. Im Vorjahr waren es noch zwei Monate. Ein Grund: Künstliche Intelligenz übernimmt Aufgaben, die früher typische Einsteigerjobs waren. Gleichzeitig prüfen Unternehmen jede Neubesetzung genauer. Rekrutierungen dauern länger. Trotzdem machen die unter 30-jährigen nur zwei Prozent der Kündigungen aus.

Am anderen Ende des Markts zeigt sich ein bekanntes Bild. Wer über 50 ist, sucht am längsten. Im Schnitt dauert die Jobsuche 7,3 Monate – länger als in jeder anderen Altersgruppe. Zudem sind Ü50 seit Jahren überdurchschnittlich oft von Kündigungen betroffen. 2025 liegt ihr Anteil bei 41 Prozent, obwohl sie nur gut ein Drittel der Erwerbstätigen stellen. Erfahrung schützt nicht vor Jobverlust.

Persönliches Netzwerk plötzlich weniger wichtig

«Beziehungen öffnen Türen», heisst es oft. Doch auf dem heutigen Arbeitsmarkt stimmt das nur noch bedingt. Anstellungen über persönliche Kontakte gehen laut Rundstedt-Report zurück. Ihr Anteil sinkt von 43 Prozent im Vorjahr auf 35 Prozent im Jahr 2025. Fast jede zweite Anstellung kommt 2025 über ein klassisches Inserat zustande. Unternehmen setzen gezielt auf diesen Kanal. Sie erwarten dort die passendsten Bewerbungen und können den Auswahlprozess besser steuern.

Ganz vom Tisch ist das Networking aber nicht. Für Stellensuchende bleibt es entscheidend. Wer Kontakte nutzt, ist oft besser vorbereitet, kennt Abläufe und Erwartungen.

Arbeitsmarkt bleibt trotz allem aufnahmefähig

Geht es der eigenen Branche schlecht, muss das noch nicht das Ende der Karriere sein. 2025 konnten mehr als die Hälfte der Gekündigten eine neue Stelle in einer anderen Branche finden. Für die Schweiz, wo Laufbahnen oft stark an einen Sektor gebunden sind, ist das ein hoher Wert. Schwerer tun sich Führungspersonen, einen neuen Job zu finden.

Kaum Sorgen machen müssen sich Handwerksberufe, wie Schreiner, Elektrikerinnen und Arbeitnehmende auf dem Bau. «Diese Berufsgruppen lassen sich nicht durch KI ersetzen», heisst es bei Swissstaffing. Auch in der Betreuung von Seniorinnen und Senioren, besonders zu Hause, seien die Aussichten gut. Besonders auch für Temporärkräfte.

Rundstedt-Manager Scheiwiller macht Mut: «Der Arbeitsmarkt wird auch in diesem Jahr ausgeglichen und im Lot bleiben.» Selbst Personen mit herausfordernden Profilen suchen im Schnitt «nur» 10 Monate nach einem neuen Job – fast gleich lang wie im Vorjahr. Herausfordernd sind ein höheres Alter, lange Betriebszugehörigkeit oder fehlende Kompetenzen. Würde insgesamt massiv weniger eingestellt, träfe es erfahrungsgemäss zuerst jene. Doch genau das ist nicht passiert. Es wird weiter eingestellt. Stellen werden besetzt, so Scheiwiller.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.