Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute bei der vierteljährlichen Lagebeurteilung zum sechsten Mal in Folge die Zinsen gesenkt. Neu liegt der Leitzins bei 0 Prozent, einen Viertelprozentpunkt tiefer als bisher. Der Schritt war allgemein erwartet worden.

Mit der Zinssenkung reagiert die SNB auf den nachlassenden Inflationsdruck. Sie rechnet für dieses Jahr mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 0,2 Prozent, unter der Annahme eines Leitzinses von 0 Prozent bis Ende Jahr. Ohne die Zinssenkung läge die Inflationsprognose tiefer. 

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Was heisst das nun für den Geldmarkt, die Hypotheken und die Mieten? Und was passiert mit den Sparzinsen, der Inflation und dem Franken?

Partielle Negativzinsen

Die SNB steuert das Zinsniveau am Geldmarkt nicht direkt, sie legt lediglich den Zins fest, zu dem die Sichteinlagen der Banken bei ihr vergütet oder – im Fall von Negativzinsen – belastet werden. Ein zweistufiges Zinssystem mit einer Limite soll sicherstellen, dass sich die Banken gegenseitig kurzfristig Geld leihen, und zwar zu einem Satz, dem sogenannten Saron (Swiss Average Rate Overnight), der möglichst nah am Leitzins liegt. 

Dieser Geldmarktzins wird mit der heutigen Zinssenkung also faktisch leicht in den negativen Bereich fallen, wie SNB-Präsident Martin Schlegel an der Pressekonferenz erklärt hat. Banken mit viel Überschussreserven bei der SNB werden ab einer bestimmten Limite auf diesen Reserven einen Strafzins von 0,25 Prozent bezahlen. Die Belastung ist aber noch nicht so gross, als dass eine Weitergabe der Negativzinsen an die Einlagekunden gerechtfertigt wäre. Allerdings werden die Sparzinsen weiter sinken.

Auf verschiedene Journalistenfragen dazu erklärte Schlegel und auch Direktoriumsmitglied Petra Tschudi fast schon gebetsmühlenartig, null sei «nicht negativ», weil der Leitzins der SNB vorderhand bei null bleibe. Zudem erklärte Schlegel, dass auch die SNB keine Negativzinsen wünsche, sie aber bei Bedarf einführen würde.

Saron-Hypotheken auf dem Tiefpunkt 

Saron-Hypotheken, deren Zins regelmässig an die Geldmarktzinsen angepasst werden, werden mit dem Zinsschritt noch günstiger. Gratis-Hypoheken wird es aber nicht geben, weil die Banken an den Krediten etwas verdienen wollen und eine Marge in der Höhe zwischen 0,8 und 1,3 Prozent draufschlagen. 

Selbst wenn der Saron negativ wird, wie zwischen 2015 und 2022, sinken die Saron-Hypothekensätze nicht unter dieses Niveau, weil die Banken dann wohl wieder den Basiszins bei null festlegen. Ihr Argument für diesen «Floor» war, dass sie sich zu einem grossen Teil über Einlagen finanzieren und dort kaum Negativzinsen verlangt würden. 

Kaum Effekt auf Festhypotheken

Bei den Festhypotheken spielt der SNB-Zinsentscheid nur indirekt eine Rolle. Denn diese hängen an den Marktzinsen für längerfristige Anleihen. Sie orientieren sich an den Renditen der Schweizer Staatsanleihen. Darauf hat die SNB aber nur beschränkt Einfluss. Die Höhe der Bondrenditen wird letztlich durch die internationalen Kapitalmärkte bestimmt, und für sie ist die SNB-Geldpolitik neben den globalen Wachstums- und Inflationsaussichten nur ein Faktor von vielen.

So liegen die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen heute mit 0,32 Prozent über dem Dezember-Niveau, obwohl damals der Leitzins noch deutlich höher war. Auch jetzt ist schwer abzusehen, in welche Richtung die Anleihenrenditen tendieren. Die allgemeine Unsicherheit drückt das Renditeniveau. Eine konjunkturelle Erholung in Deutschland aber könnte den Langfristzinsen Aufwind verleihen.

Referenzzins bleibt unverändert

Der Effekt der tieferen SNB-Zinsen auf die Nachfrage nach Wohneigentum dürfte daher bescheiden sein. Was den Immobilienmarkt stärker beschäftigen wird, ist das viele Kapital, das nun in den Sektor fliesst, weil die Anleihenmärkte fast keine Renditen mehr bieten. Bei den Bestandesmieten ändert sich durch den Zinsentscheid wenig. Solange die SNB die Leitzinsen nicht deutlich unter null drückt, dürfte der hypothekarische Referenzzinsatz bei den aktuellen 1,5 Prozent bleiben.

Frankenaufwertung gestoppt 

Da der Schritt von den Marktteilnehmerinnen und Markteilnehmern erwartet worden war, hat sich auch der Frankenkurs nicht nachhaltig bewegt. Er notiert zum Euro praktisch unverändert bei 0,94 Rappen. Seit Wochen ist der Euro-Franken-Kurs in einer Seitwärtsbewegung. Mehr Sorgen bereitet die Dollar-Schwäche. Auch am Donnerstag kostete der Dollar weniger als 82 Rappen. Je stärker der Franken, desto günstiger sind die Importe. Das hat auch einen Effekt auf die Inflationsdynamik. Für die Exportindustrie allerdings ist der Euro-Wechselkurs wichtiger.