Der aktuelle Konjunkturzyklus ist in die Jahre gekommen. Die letzte Rezession, welche die Weltwirtschaft erfasst hat, folgte auf die Finanzkrise im Jahr 2009. Seitdem leben wir in einem Aufschwung. Mehr als zehn Jahre sind für solche Phasen in der weltwirtschaftlichen Entwicklung ungewöhnlich.

Klaus W. Wellershoff ist Ökonom und Verwaltungsratspräsident des Beratungsunternehmens Wellershoff & Partners. Er war zuvor zwölf Jahre Chefökonom des Schweizerischen Bankvereins beziehungsweise der UBS. Er unterrichtet Nationalökonomie an der Universität St. Gallen.

Diese Überlegung kennen Sie. Seit mindestens drei Jahren rätseln die Konjunkturforscher über die Frage, wann denn nun die nächste Rezession kommt. Gut ­beraten ist, wer sich da an die alte Weisheit erinnert, dass Konjunkturzyklen nicht an Altersschwäche sterben.

Woher soll aber dann das Ende des Aufschwungs kommen? Die Wirtschaftsgeschichte kennt keine eindeutige Antwort. Jede Konjunkturphase der Vergan­genheit war irgendwie anders. Grob kann man aber vielleicht sagen, dass Rezessionen durch einen Ver­trauensverlust in die Zukunft oder durch unvorherge­sehene grosse politische Ereignisse, wie etwa die beiden Ölkrisen in den 1970er Jahren, hervorgerufen wurden.

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«Chinas Wirtschaft ist heute dreieinhalbmal so gross ist wie im Jahr 2003, als Sars uns Sorgen bereitet hat.»

Dabei muss man als Ökonom schnell hinzufügen, dass auch ein allgemeiner Vertrauensverlust schwer zu prognostizieren ist. Die Voraussetzungen für eine solche Situation können wir meist recht gut einschätzen: stark steigende Immobilienpreise, hoch bewertete Aktienmärkte, übergrosse Defizite in den Staatshaushalten oder ein ausserhalb jeder Proportion stehender Anstieg der Geldmenge. Den eigentlichen Auslöser der Krise kennen wir aber meist nicht im Vornhinein.

Deshalb hat sich in der Wirtschaftswissenschaft ­eingebürgert, die Auslöser einer Konjunkturkrise als Schocks zu bezeichnen. Schocks sind plötzlich auftretende Ereignisse, die sich nicht prognostizieren lassen. Ein eher statistisch orientierter Kollege hat diese Ereignisse einmal als Schwarze Schwäne bezeichnet. Mit anderen Worten: Seit drei Jahren wartet die Zunft der Konjunkturforscher auf den nächsten Schwarzen Schwan.

Genau so ein unerwartetes Ereignis, welches das ­Potenzial hat, das Vertrauen in die Fortsetzung des Aufschwungs zu erschüttern, ist das Coronavirus.

Natürlich steht im Vordergrund unserer Sorge das Schicksal der betroffenen Menschen. Eine wirtschaftliche Dimension bekommt das Thema aber durch unsere Reaktion auf die Krankheit. Die chinesische Regierung riegelt ganze Landesteile ab. Verkehrswege, die für das Funktionieren der Wirtschaft unabdingbar sind, werden unterbrochen. Fabriken stehen still und viele Menschen bleiben lieber zu Hause, als ins Kino zu gehen.

Anfangs haben die ewig Sorglosen Corona noch mit Sars verglichen. Heute ist klar, dass das Coronavirus deutlich ansteckender ist und entsprechend auch die Massnahmen der Regierung und die Reaktion der Konsumenten ernster ausfallen werden. Kommt hinzu, dass Chinas Wirtschaft heute dreieinhalbmal so gross ist wie im Jahr 2003, als Sars uns Sorgen bereitet hat.

Die kommenden Tage werden geprägt sein von Gewinnwarnungen von Unternehmen und negativen Einzelindikatoren zur Konjunktur. Trotz Korrektur an den Finanzmärkten scheinen diese bis jetzt die Lage als noch nicht so ernst einzuschätzen. Sonst würden sie nicht so dicht bei ihren Allzeithöchstständen notieren. Es scheint, als wäre es schwierig, einen Schwarzen Schwan zu erkennen, selbst wenn man ihn sieht.

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