Handelszeitung
Gabriel Hasler und Reto Engler von Docteur Gabs

Docteur Gab's und das Alter der Vernunft

Von Martin Auger
am 02.07.2018
Quelle: Valeriano Di Domenico

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Die Kleinbrauerei aus Épalinges ist zu einem florierenden Schweizer KMU herangewachsen. Knapp 18 Jahre nach seiner Gründung bereitet sich Docteur Gab’s auf einen weiteren Wachstumsschub vor. Dieses Erwachsenwerden ist unumgänglich, wenn die Brauerei ihre Zukunft und die Weiterentwicklung eines boomenden Marktes sichern will.

Die Brauerei ist 2012 vom Standort in Épalinges nach Savigny umgezogen. Aber nun ist es auch auf den 1500 Quadratmetern zu eng geworden. Ein Umzug in ein grösseres Gebäude in Puidoux steht kurz bevor.

Das stetige Brummen der Lastwagen und Gabelstapler kontrastiert mit der besinnlichen Ruhe des Brückenfreitags nach Auffahrt. Die Bierbrauer von Docteur Gab’s nutzen die kurze Verschnaufpause, um voranzukommen. Hunderte von Bierharassen müssen verladen, Tanks auseinandergenommen und gereinigt werden. Die Kleinbrauerei zügelt. Das geräumige Geschäftslokal in Savigny gleich unterhalb von Lausanne bietet nicht mehr genug Platz, um die Ambitionen der Brauer und die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. Es ist der dritte Umzug seit der Gründung der Brauerei 2001. Auch diesmal muss mehr Raum geschaffen werden, um das stark wachsende KMU nicht einzuengen. In zwei Wochen wird Docteur Gab’s das erste Bier am brandneuen Standort in Puidoux brauen. Der Umzug wird eine Verdreifachung des aktuellen Produktionsvolumens von 10 000 Hektolitern ermöglichen.

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Wenige Monate vor ihrem 18. Geburtstag beschenkt sich die Kleinbrauerei mit einem Umzug, der den Beginn ihres Erwachsenenalters markiert. Seit den ersten Versuchen mit Braukesseln ist Docteur Gab’s stark gewachsen.

Die Gründerväter von Docteur Gab’s sind drei Jugendfreunde. Im Jahre 2000 beschliessen die knapp 16 Jahre alten David Paraskevopoulos, Gabriel Hasler und Reto Engler – so, wie andere ambitionierte Jugendliche eine Rockband gründen oder eine Bar eröffnen –, ihr eigenes Bier zu brauen. Die drei Kameraden führen erste Versuche durch mit einem Geschenk, das sich als Glückstreffer erweist – Gabriel hat von seiner Schwester ein Bierbrauset erhalten. Sie vertreiben sich die Zeit mit Experimenten und nennen das Bier – weil die Flasche Gabriel Hasler gehört – Docteur Gab’s.

«Wir sind mit einem kleinen Kapital, aber grosser Entschlossenheit gestartet.»

Gabriel Hasler

Docteur Gabs

Biere von Dr. Gabs
Brauerei Dr. Gabs
Dr. Gabs an der Bar
Bierkisten von Dr. Gabs
Biere von Dr. Gabs
Brauerei Dr. Gabs
Dr. Gabs an der Bar
Bierkisten von Dr. Gabs
Biere von Dr. Gabs
Brauerei Dr. Gabs
Dr. Gabs an der Bar
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Die Brauerei ist 2012 vom Standort in Épalinges nach Savigny umgezogen. Aber nun ist es auch auf den 1500 Quadratmetern zu eng geworden. Ein Umzug in ein grösseres Gebäude in Puidoux steht kurz bevor.
Quelle: Valeriano Di Domenico

Der Boom der handwerklich gebrauten Biere

Bereits 2001 fermentiert das erste Bier in Braukesseln in der Küche der Familie Engler im westlichen Lausanne. Drei Jahre später verfeinern David, Gabriel und Reto ihre Technik und investieren in eine kleine Villa in Épalinges oberhalb von Lausanne, wo sie im ersten Stock drei Edelstahltanks installieren. Zunächst brauen sie Bier in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen, später kommt ein Weihnachtsbier dazu. Die Kundschaft ist begeistert, das Bier von Docteur Gab’s wird zum Hit. Ab 2009 widmen sich David, Gabriel und Reto ihrem neuen Beruf vollzeitlich. Zu diesem Zeitpunkt ist David Abgänger der Hotelfachschule in Lausanne, Gabriel hat an der HEC in Lausanne sowie in St. Gallen studiert und Reto ist dabei, sein Studium der Umweltwissenschaft und -technik an der EPFL abzuschliessen. Gemeinsam decken sie alle Kompetenzen ab, die erforderlich sind, um als Unternehmer bestehen zu können. Es kann losgehen!

Vorbei sind die Zeiten der experimentellen Bierbrauerei in der Familienküche. Um den finanziellen Fortbestand zu sichern, setzt Docteur Gab’s seine Produktion in diversen Cafés und Bars in der Region Lausanne ab. «Wir sind mit einem kleinen Kapital, aber grosser Entschlossenheit gestartet», erinnert sich Gabriel Hasler. «Bier ist ein komplexes Produkt. Unser Bier ist zu 100 Prozent natürlich und enthält keine Stabilisatoren. Die Herausforderung besteht darin, mit den beschränkten Möglichkeiten unserer kleinen Struktur eine konstant hohe Qualität zu gewährleisten.» Zu den Produktionsschwierigkeiten gesellten sich die kommerziellen Herausforderungen. «Bier zu brauen, ist ja schön und gut, aber man muss es auch verkaufen», erläutert der 33-jährige teilhabende Geschäftsführer. «Konkret bedeutet das Lagerverwaltung, Unterstützung der Geschäfte bei der Werbung für unser Bier und die Erzeugung eines Mehrwerts für die Gastwirte.»

«Wir müssen an unsere Zukunft denken, wenn wir uns gegen die Riesen der Branche behaupten und unsere Interessen abwägen wollen.»

Gabriel Hasler

Eine feine Nase und viel Risikobereitschaft

Es ist nicht einfach, sich mit Flaschenbieren einen Platz auf dem Markt für Fassbier, der von Riesen wie Feldschlösschen und Cardinal dominiert wird, zu erkämpfen. Aber Docteur Gab’s’ feine Nase für neue Trends und eine Portion Glück haben es der Brauerei ermöglicht, vom weltweiten Phänomen der sogenannten Craft-Biere zu profitieren. «Wir haben den richtigen Zeitpunkt gewählt und gehören zusammen mit der Brauerei BFM aus den Freibergen zu den ersten Schweizer Kleinbrauereien», erläutert Gabriel Hasler. «Der Markt hat uns recht gegeben.» In der Schweiz wurden La Bière des Murailles in Genf, die Brasserie du Chauve in Freiburg oder La Nébuleuse in Renens ins Leben gerufen und sind seither stark gewachsen – ein phänomenaler Boom, den auch die Zahlen widerspiegeln. Gemäss der Statistik des Schweizer Brauerei-Verbands für das Jahr 2017 ist die Schweiz gegenwärtig mit ihren 833 Kleinbrauereien gemessen an der Bevölkerung das Land mit der weltweit grössten Brauereidichte.

Gabriel Hasler findet das toll und freut sich vor allem über das steigende Bedürfnis nach Qualitätsbier. «Heute wird Bier wie Wein degustiert. Es gibt Bier-Sommeliers, Bierkarten sowie spezielle Biermenus. Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Getränk in allen seinen Nuancen bekannt zu machen und es in einen neuen Kontext zu setzen.» Die Hunderten von Schweizer Kleinbrauereien haben sich noch nicht genossenschaftlich organisiert. «Wir müssen an unsere Zukunft denken, wenn wir uns gegen die Riesen der Branche behaupten und unsere Interessen abwägen wollen», erläutert Gabriel Hasler. «Wir müssen die Vorteile dieses Ökosystems und des Wetteifers rund um Craft-Biere nutzen.» Docteur Gab’s ist das beste Beispiel für dieses starke Marktwachstum. Die Brauerei musste 2012 von ihrem Standort in Épalinges nach Savigny umziehen. Auf den dortigen 1500 Quadratmetern ist es jedoch mittlerweile auch zu eng geworden.

Foto: Valeriano Di Domenico

Der grosse Sprung in die Zukunft

Der Umzug nach Puidoux ist für das KMU, das gegenwärtig 25 Mitarbeitende beschäftigt, ein wichtiger Schritt. «Es gibt noch viel zu tun und zu entwickeln, um mehr Vielfalt und interessante Biere auf den Markt zu bringen», erklärt Gabriel Hasler. «Der Markt für Fassbier ist noch verschlossen für Grossaufträge. Unsere Herausforderung besteht darin, Craft-Biere auf dem Markt für Fassbier zu etablieren.» Um seine Zukunft zu sichern und auszubauen, ist Docteur Gab’s an einen geräumigeren Standort umgezogen. Mit einem Wechsel hat die Brauerei eine Reifung vollzogen. Dieses Wachstum musste natürlich entsprechend finanziert werden und wird von einer Umstrukturierung des Aktionariats begleitet. In jeder Wachstumsphase wurde die Brauerei dabei von UBS – der Bank ihrer ersten Schritte – begleitet.
 

«Wir Welschschweizer waren die Ersten, die geschmacklich ungewöhnliche Spezialitätenbiere gebraut haben. Die Deutschschweizer haben einen etwas konservativeren Geschmack.»

Gabriel Hasler


«UBS hat uns bei der Finanzierung der Etappen begleitet», erklärt Gabriel Hasler. «Den Umzug nach Savigny mussten wir mit einer Kapitalspritze finanzieren. Die Bank hatte für uns ein Programm zur Aktienübertragung vorbereitet, um das Aktionariat zu vergrössern und mehr Kapital zu beschaffen.» Der Gründer von Docteur Gab’s fügt hinzu: «Eine wachstumsbedingte Vergrösserung des Aktionariats ist jedoch heute viel schwieriger zu bewerkstelligen als noch vor ein paar Jahren, also haben wir das Gegenteil gemacht.» Den dreissig Minderheitsaktionären wurde eine grosszügige Abfindung ausbezahlt, um die Finanzierung der nächsten Wachstumsphase zu sichern und die Unternehmensführung durch die Gründer zu stärken, um auf diese Weise wiederum mehr Flexibilität zu gewinnen.

Im Alter von nur 33 Jahren haben die drei Gründer an Reife gewonnen. Genaue Zahlen gibt Gabriel Hasler nicht preis, aber Docteur Gab’s verzeichnet gegenwärtig einen Jahresumsatz von unter 10 Millionen Franken. Die Brauerei vertreibt ihr Bier in der gesamten Schweiz – 40 Prozent davon über Grossverteiler –, aber immer noch mehrheitlich in der Westschweiz.

«Die Westschweizer waren die ersten, die geschmacklich ungewöhnliche Spezialitätenbiere gebraut haben», bemerkt Gabriel mit einem Lächeln. «Die Deutschschweizer haben zwar viele Brauereien, aber sie sind konservativer, was den Geschmack angeht.» Deshalb erweitert Docteur Gab’s sein Sortiment entsprechend. Dank der neuen Brauerei, die am 30. Juni offiziell eingeweiht wurde, nimmt die Vielfalt des Angebots weiter zu. In Puidoux bietet sich auch die Gelegenheit, eine Kostprobe der jüngsten Kreationen zu geniessen.

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