Die grosse Hongkong-Abteilung in Halle 4 der Baselworld ist anders. Hier finden sich keine Multimillionen-Stände und keine aufgemachten Hostessen. Stattdessen gibt es kleine Schaufenster mit nahezu unbekannten Uhrenmarken und eine Unzahl von Schmuck- und Juweliergeschäften. 172 Stände hatten die vom «Hong Kong Trade Development Council» (HKTDC) vertretenen Firmen an der diesjährigen Baselworld.

Die Baselworld ist für die Luxusindustrie in Hongkong wichtig. Für Ronald Wu vom Perlen-Schmuckhersteller J. Stella ist sie gar das «Eingangstor nach Europa». Und Allan Cheng, der Geschäftsführer von Prestige Jewelry, sieht die Messe in Basel als «Thermometer» für die ganze Industrie. «Anhand der Baselworld kann ich sagen, ob das Jahr für uns gut wird oder nicht», erklärt der Händler.

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Gähnende Leere

In der Luft liegt der Geruch von asiatischem Essen und die vorherrschende Sprache ist Chinesisch. Und trotzdem wähnt man sich nicht in Hongkong oder Shenzhen. Es fehlt das ameisenartige Gewusel, welches so kennzeichnend ist für Einkaufsmeilen und Märkte in asiatischen Grossstädten. Die Zahl der Aussteller steht in keinem Verhältnis zu den paar wenigen Käufern, die sich in den Gängen des Hongkong-Pavilion verloren haben.

«Man kann sich kaum vorstellen, wie ruhig es dieses Jahr ist», sagt Alain Wong, Chef von Denis Hazell, einem Schmuckhersteller der oberen Preisklasse. Wie schlecht die Verkäufe in diesem Jahr gelaufen sind, will aber weder er, noch irgend ein anderer Händler in Zahlen beziffern. Eines ist indes klar: Für die Juweliere aus Hongkong war die Baselworld 2014 eine riesige Enttäuschung.

Nicht viel besser sieht es in der Uhrenabteilung des Hongkong-Pavilions aus. Anders als beim Schmuck und bei den Edelsteinen sind die Uhren aus Hongkong eher der niedrigen und mittleren Preisklasse zuzuordnen. Mehr Betrieb herrscht aber auch hier nicht. Dies bestätigt auch Tennie Tang, Marketingchefin des Uhrenherstellers Youngs: «Ich komme seit über zehn Jahren an die Baselworld und dies war eines der schlechtesten Jahre.»

Schwächelnde Weltwirtschaft und zu viele Messen

Nimmt man die Baselworld als Massstab, sind die Aussichten für das Jahr 2014 düster. Umso bedenklicher, dass die Gründe nicht so offensichtlich sind, wie in anderen Krisenjahren. Sars 2005 oder der Zweite Golfkrieg von 1991 waren ebenso wie die globale Banken- und Finanzkrise ab 2007 vorübergehende äussere Faktoren, welche die Luxusindustrie in Hongkong belasteten. Heute machen die Händler veränderte Einkaufsmuster und die allgemein schwächelnde Weltwirtschaft für das Ausbleiben der Kundschaft verantwortlich.

In einem Punkt sind sich die Händler aber einig. Es gibt inzwischen schlicht zu viele Schmuckmessen im Kalender. «Die Zahl der Messen ist viel schneller gewachsen als die Zahl der Käufer», fasst Ronald Wu die Grundstimmung bei den Juwelieren zusammen. Hongkong im März, Basel im April und Las Vegas im Mai: Für Händler und Einkäufer wird es zunehmend schwieriger alle wichtigen Messen abzudecken. Dazu komme, dass Unterkunft und Verpflegung in Basel für die Einkäufer sehr teuer seien, fügt Alain Wong an.

Zentrale Rolle Hongkongs in der Luxusindustrie

Hongkong nimmt in der Uhren- und Schmuckindustrie eine Schlüsselrolle ein. Die meisten Hersteller haben zwar inzwischen die Fertigung nach Festland-China verlegt, insbesondere in die Boomstadt Shenzhen. Die Firmensitze blieben aber zumeist in Hongkong, welches als internationale Drehscheibe der Industrie gilt.

Im Jahr 2013 exportierte Hongkong Perlen, Edelsteine und Halbedelsteine im Wert von 16,6 Milliarden US-Dollar, 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Schmuck stiegen die Exporte gegenüber 2012 um 6,5 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar. Hongkong war 2013 zudem der grösste Exporteur von Armbanduhren und Uhren weltweit.

Die Hauptmärkte der Luxusindustrie von Hongkong sind China und Indien. Doch auch in Europa verfolgt der HKTDC eine Wachstumsstrategie. Im Jahr 2012 unterzeichnete der HKTDC einen langfristigen Vertrag mit der Baselworld. Dieser sichert die Teilnahme von Hongkong im eigenen Pavillon für die Jahre 2013 bis 2017 mit einer Option für weitere fünf Jahre bis 2022.