Der Markt der Flugtickets gilt als grösster Basar der Welt. Per Yield- oder Revenue-Management steuern die Airlines Kapazitäten und Preise so, dass für sie die höchstmögliche Rendite herausschaut. Mit dem Effekt, dass eine längere Strecke plötzlich einmal billiger ist als eine kurze. Oder ein Umsteigeflug, der von den Kosten her teurer sein müsste, unter dem Preis eines Direktflugs liegt.

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In den vergangenen Jahren wurde Fliegen in der Tendenz günstiger, es gibt mehr Konkurrenz – auch wenn es für Schweizer Passagiere zuletzt wieder etwas teurer wurde. Was gleich geblieben ist: Preislich ist die Fliegerei ein fast undurchdringlicher Dschungel; ums Buchen ranken sich viele Mythen. Einige der hartnäckigsten haben wir geprüft.

Mythos 1

Wer früh bucht, wird immer den besten Preis haben

Grösstenteils richtig. Die Preise hängen immer von der Nachfrage und der Konkurrenz auf der jeweiligen Strecke ab. Trotzdem werden Frühbucher in der Tendenz günstiger fliegen als solche, die ihr Ticket erst auf den letzten Drücker reservieren. Easyjet sagt: «Unsere Starttarife sind niedrig und steigen in der Regel, je näher das Abflugdatum rückt.» Der Reisesuchmaschinen-Anbieter Momondo argumentiert, dass beim Buchen von Europaflügen 50 Tage im Voraus ein 31-prozentiges Sparpotenzial bestehe. Weltweit gelte: 74 Tage im Voraus buchen, dann gebe es ein 16-Prozent-Sparpotenzial – wobei es 1 Tag vorher am teuersten sei.

Mythos 2

Langstrecke: Umsteige- und Ausland-Abflüge sind immer billiger

Tendenziell richtig. «Ausland-Abflüge sind aufgrund der unterschiedlichen Kaufkraftklassen in der Tat günstiger im Vergleich zu Abflügen ab der Schweiz», bestätigt Andreas Stehrenberger, Geschäftsführer des Business-Travel-Management-Unternehmens Air Plus. Airlines verlangen typischerweise für Direktrouten ab ihrem Heimatland mehr Geld, als wenn sie Passagiere auf einer Route noch umsteigen lassen. Zubringerflüge helfen, die Grossflugzeuge auszulasten, das wird mit günstigen Preisen – Greta hin oder her – gefördert.

Mythos 3

Wer anonym im Netz surft, erhält bessere Preise

Höchst umstritten. Fest steht: Durch die Digitalisierung lassen sich Kunden und ihre Konsumwünsche extrem gut verfolgen. Easyjet sagt allerdings, man verfolge keine IP-Adressen und verwende keine Cookies, um seine Preise anzupassen. Andere Anbieter wie die Swiss verneinen zudem, dass zum Beispiel Apple-Nutzer andere Preise angezeigt bekommen als Android-Geräte-Nutzer. Trotzdem: Wer einen bestimmten Flug mehrmals abfragt, signalisiert der Airline einen dringenden Wunsch. Und tut gut daran, im Inkognito-Modus zu surfen oder – besser noch – den Browser zu wechseln.

Mythos 4

Auf der Webseite der Airline ist ein Flug immer günstiger

Es ist kompliziert. Die Aussage mag für einzelne Airlines zutreffen, in einer globalen Sicht über alle Anbieter hinweg ist sie nicht haltbar. Und ebenso falsch wie die Annahme, dass der Preis auf einer unabhängigen Plattform immer am tiefsten ist. Am besten ist es, Tarife auf mehreren Flugportalen zu vergleichen und dabei auch auf Online-Preise und -Aktionen (Newsletters oder Social-Media-Angebote) der Airlines selber zu achten.

Mythos 5

Der nackte Preis ist nie der beste Preis

Tendenziell richtig. Vielen Portalen (und Airlines) geht es in der Darstellung ihrer Preise darum, mit den Angeboten der Konkurrenz gleichzuziehen (Matching) oder einen Tick besser dazustehen. Dieser Netto-Preis (nackter Preis) eines Flugs wird dann aber meist ohne Kosten für Gepäck oder Sitzplatzreservation angezeigt. Konklusion: Für unkomplizierte Passagiere, die immer nur mit Handgepäck reisen, kann der nackte Preis Aussagekraft haben.

Für alle anderen aber, die mehr Ansprüche oder allfällige Umbuchungen im Hinterkopf haben, ist der nackte Preis nicht viel mehr als eine Richtgrösse.

Mythos 6

Zwei One-Way-Tarife sind günstiger als ein Retourflug

Nicht grundsätzlich falsch, es kommt aber auf den Typus der Airline an. Low-Coster wie Easyjet verkaufen in der Regel jede Flugstrecke einzeln. Bei Netzwerk-Airlines wie etwa der Swiss oder Lufthansa sieht das anders aus. Die Swiss bestätigt bezüglich des One-Way-Mythos denn auch: «Dies kann, muss aber nicht so sein. Oft ist auch ein Roundt rip günstiger als die Kombination von zwei One-Way-Tickets.»

Für Preisfüchse kann das nur eines bedeuten: Bei jeder Buchung am besten ausprobieren, ob die Variante mit zwei One-Way-Tarifen günstiger ist als jene mit Roundtrip-Anfrage. Dabei kann es – siehe Mythos Nummer drei – bestimmt nicht schaden, auch mal den Browser zu wechseln.

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