Das Burkhalter-Haus an der Hohlstrasse in Zürich, unweit der hypen Kulturtempel Schiffbau und Maag-Areal, ist repräsentativ, aber nicht protzig. Marco Syfrig verzieht keine Miene, wenn er auf die prunklose Ausstrahlung des Firmenhauptsitzes in Zürich-Altstetten angesprochen wird. Entscheidend sei der Inhalt, die Verpackung könne lediglich zu dessen verstärkter Wahrnehmung beitragen, ihn aber nicht ersetzen, kontert Syfrig gewitzt.

Er interessiert sich primär für die Performance. «Hier liegt mein Fokus», sagt er sec. Und kann zufrieden sein. Der grösste Elektroinstallateur der Schweiz ist weiter auf Erfolgskurs. Im ersten Semester lief das Geschäft trotz ersten Frostwarnungen im Bauhaupt- und Baunebengewerbe wie geschmiert, und für das zweite spürt er noch keine Marktschwäche.

Einzig bei der Erwähnung des Börsenkurses könnte sich seine Miene allenfalls verdüstern: Burkhalter gehörte zu den wenigen Risikobereiten, die letzten Sommer den Schritt an die Börse wagten. Doch auch bei diesem Thema fliegt kein Schatten über Syfrigs Gesicht. Kunststück: Immerhin wurden trotz schwierigster Bedingungen 60 Mio Fr. in die Kriegskasse gespült und damit der Weg für weitere Akquisitionen frei gemacht, eines der Lieblingsthemen des neuen CEO.

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Nie trübe Stimmung

Sein Büro wirkt auch an diesem trüben Tag, als ob die Sonne scheine. «Das macht der Teppich aus. Überall, wo ich tätig war, wollte ich einen gleissend gelben Bodenbelag.» Der Farbton ist richtig knallig und fröhlich. Das gilt auch für die von ihm ausgewählten beiden Bilder. Er gehört nicht zu denen, welche die Wände mit Helgen voll pflastern und die Gestelle mit irgendwelchen peinlichen Kundengeschenken verunstalten. Sein Arbeitsraum ist spärlich, aber geschmackvoll eingerichtet und unterstreicht seine Vorliebe für Farben, die aufmuntern.

Eines der Bilder stellt - was denn sonst? - eine Sonne dar, die sich wie ein Spiralnebel in das Auge des Betrachters bohrt. Syfrig - ein Kind der Fröhlichkeit und des Lichts? «Ja, ich mag die schönen Seiten des Lebens. Ich esse gerne, kann kochen und liebe einen feinen Tropfen», räumt er ein. Und das andere Bild? Darüber hat er sich offensichtlich noch nie Gedanken gemacht. Er liebt es einfach. Punkt. Ihn amüsiert aber ungemein, wenn er am Schluss des Gesprächs eine etwas unorthodoxe Erklärung für die bunten geometrischen Elemente bekommt. Sie sind in einer Art und Weise angeordnet, wie er die Firmenphilosophie von Burkhalter zuvor beschrieben hat. «So habe ich das noch nie betrachtet», sagt er und wirft einen nachdenklichen Blick auf das Bild.

«Im Unterschied zu zentral geführten Unternehmen berücksichtigen wir die Bedürfnisse der vielen regionalen Anbieter. Im Markt treten wir mit lokalen Firmenmarken auf. Das waren bis vor kurzem 36 Fachgeschäfte, die unter ihrem eigenen Namen in ihrer Region verankert sind. Soeben ist auch die Electra Buin SA dazugekommen, welche die Burkhalter-Präsenz im Kanton Graubünden verstärkt», erläutert Syfrig. Auf besagtem Bild sind im übertragenen Sinn lauter Einheiten mit eigenen Formen und Farben zu sehen, welche sich lose um ein stärker hervorgehobenes Element gruppieren.

Bunt wie der Bilderschmuck

Der Vergleich gefällt dem neuen CEO von Burkhalter, genauso wie die Philosophie des Hauses, mit der er sich sofort identifiziert hat. Seine Antwort auf die Frage «Wieso?» sagt viel über ihn selbst aus. Er liebt es, den Mitarbeitern viel Freiraum zu gewähren. «Kontrolliert werden im Wesentlichen nur der finanzielle Erfolg und die Sozialkompetenz der Führungskräfte. Wir wollen die richtigen Leute auswählen und sie dann sich selber organisieren lassen. Interne Weisungen gibt es nicht», ist weiter von ihm zu erfahren. Dieses Modell sei ganz auf seine Auffassung der Leaderfunktion abgestimmt. Dann verwendet er einen Ausdruck aus dem Flugbusiness: «Wichtig sind der Start und die Landung, dazwischen muss man nur den Autopiloten überwachen.»

Wobei wir - ganz zufällig - bei seinem Jugendtraum gelandet sind. Syfrig wollte ursprünglich Militärpilot werden, hatte schon alle nötigen Prüfungen mit Bravour absolviert, als ihn eine schwere Knieverletzung buchstäblich in die Knie zwang. Anstatt herumzujammern, beschloss er umgehend, das Studium der Rechtswissenschaften aufzunehmen und anschliessend das Luzerner Anwaltspatent zu erwerben, was ihm bei seiner späteren Karriere zugute kommen sollte. Sie ist etwa so bunt wie der Bilderschmuck in seinem Office.

Nicht ganz alltäglich sind auch die Jobs, die er als Werkstudent ausübte. Als jüngstes von acht Kindern aus einer Lehrerfamilie war er finanziell auf sich selber gestellt. So half er etwa in der Küche eines Alterheims, war lange Zeit Briefträger in seiner Heimatgemeinde Horw und schuftete auf der Schanzenpost in Bern. In dieser Zeit lernte er auch kochen. «Ich habe bereits mit 21 geheiratet und meine Frau arbeitete, also habe ich viel im Haushalt mitgeholfen.» Und weil unter anderem seine Lasagne so lecker war, bekamen die Syfrigs viel Besuch von Kommilitonen, welche sich bei ihnen so richtig auffuttern liessen.

Zu seinen amüsanteren Erinnerungen gehört auch die Zeit als Pöstler. Er musste unter anderem die AHV überbringen. «Sie wurde damals noch bar ausbezahlt. Diese Touren zogen sich immer sehr in die Länge, weil die Senioren mich als eine Art Sozialinstitution betrachteten und froh um einen Schwatz waren.» Aus dieser Zeit hat er wahrscheinlich seine grosse Affinität zur Sozialkompetenz bei der Auswahl der Mitarbeiter und Partner mitbekommen.

Als wir im Lift zu seinem Büro hinauffuhren, stiegen zwei Lehrlinge dazu. Sie hatten keine Ahnung, wem sie gegenüberstanden. «Wie gefällt es Euch in dieser Bude?», wollten wir wissen. «Wir werden hochanständig behandelt, wie Erwachsene eben, sogar der Chef gibt einem das Gefühl, dass wir ihm etwas wert sind», sagten sie. Syfrig strahlt über das ganze Gesicht, als er das erfährt. «Sehen Sie in meinen Kalender, er wird immer leerer, ich verbringe viel Zeit einfach draussen bei den Leuten.»

Als Schnösel «parkiert»

Mit dem Anwaltspatent in der Tasche bewarb er sich bei Ernst & Young. Lachend schildert er den ersten Arbeitstag. Sein Chef wusste zunächst nicht so recht, wo er den jungen «Schnösel» einordnen sollte und «parkierte» ihn kurzerhand in der Abteilung für Steuerberatung und Projektmanagement. Dort fühlte sich dieser ausgesprochen wohl, vor allem, weil er ihm bald anspruchsvolle Aufgaben übertrug wie etwa die Zusammenführung der landwirtschaftlichen Verbände, Umstrukturierungen von bekannten Firmen, darunter auch die Kreation der Holdingstruktur für Sulzer.

Zusammen mit ein paar Arbeitskollegen gründete Syfrig ein Steuerberatungsunternehmen, erwarb kurze Zeit später eine Beteiligung an Highlight Communications, die im Filmrechtehandel und im weltweiten Vermarkten der Champions League eine wichtige Rolle spielt. Jetzt begann für ihn eine äusserst spannende, aber offenbar auch lukrative Zeit in einer ganz anderen Welt. Zu diesem Imperium gehörte auch die Constantin Film, deren Aushängeschild Bernd Eichinger war, besser bekannt als Regisseur von Blockbustern wie «Name der Rose», «Das Parfüm» oder der «Untergang». Wer nun erwartet, dass Syfrig spannende Storys von den Sets zum Besten gibt, wird enttäuscht. «Ich gehörte nicht zu denen, die dauernd dort herumlungerten und darauf aus waren, in die Yellow Press zu kommen. Sie habe ich immer gemieden. Das tue ich noch heute.»