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Betrug in der Finanzwelt: Die Milliarden-Zocker

Ein Händler beschert einer Grossbank durch unautorisierte Geschäfte einen Milliardenschaden - der aktuelle Fall der UBS weckt Erinnerungen: Jérôme Kerviel verzockte das Geld der Société Générale, Yasu

Von Timo Nowack
am 15.09.2011

Ein Händler im Investment-Geschäft der UBS hat der Bank durch nicht authorisierte Geschäfte einen Verlust von geschätzten 2 Milliarden Dollar eingebracht. In der Finanzgeschichte hat er prominente Vorgänger:

Der Franzose Jérôme Kerviel wurde im Oktober 2010 wegen Veruntreuung, Fälschung und betrügerischer Manipulation zu fünf Jahren Haft und fast 5 Milliarden Euro Schadenersatz verurteilt.

Kerviel hatte als Mitarbeiter der Société Générale rund 4,9 Milliarden Euro eigenmächtig verzockt. Das Gericht setzte zwei der fünf Jahre Haft zu Bewährung aus, das Geld muss Kerviel an seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückzahlen.

Der Brite Nick Leeson versteckte als Händler der traditionsreichen britischen Barings Bank in Singapur Verluste aus Zins- und Indexspekulationen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Dollar auf einem geheimen Konto und trieb die Bank so in den Zusammenbruch. 1995 wurde er am Frankfurter Flughafen festgenommen, kurz danach nach Singapur ausgeliefert und dort wegen Betrugs in Milliardenhöhe zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach einer Krebsdiagnose wurde er 1999 vorzeitig entlassen und lebt seitdem in Irland.

2005 stieg Leeson ins Management des irischen Fussballclub Galway United ein und ist dort heute einer der Executive Directors. Der BBC sagte er 2007, dass er auch wieder Börsengeschäfte mache – diesmal allerdings mit seinem eigenen Geld.

Yasuo Hamanaka, Metallhändler bei Sumitomo Trading, der Handelstochter des japanischen Sumitomo-Konzerns, trug den Spitznamen «Mr. Five Percent», weil er angeblich fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrollierte. Durch das Horten von Kupfervorräten wollte er die Preise hochtreiben. Dies gelang jedoch nicht und Sumitomo erlitt einen Verlust von rund 1,8 Milliarden Dollar.

1998 zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, kam Hamanaka nach sechs wieder frei. Ein japanischer Journalist, der über den Fall berichtet hatte, schrieb später ein Buch. Darin kommt er – wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtete – zu dem Schluss, dass Hamanaka lediglich verzweifelt versucht habe, einen Verlust auszugleichen, den die Kupfer-Handelsabteilung von Sumitomo bereits Mitte der 1980er Jahre erlitten hatte.

Sumitomo klagte in dem Fall gegen mehrere internationaler Finanzinstitute, darunter auch die UBS. Die kaufte sich jedoch mit einem Vergleich frei. Yasuo Hamanaka handelt heute laut dem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» wohl wieder mit Kupfer, redet aber nicht mehr mit den Medien.

(vst/sda)

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