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Business Travel
Billigflieger visieren Geschäftsleute an

An easyJet plane carrying a Berlin design arrives at Tegel airport in Berlin, Germany on March 27, 2018. The airline presented today the summer flight plan. Starting from this summer season the airline will become the biggest actor in Berlin with over 16 millions seats offer per year. (Photo by Emmanuele Contini/NurPhoto via Getty Images)

Eine viel genutzte Strecke von Easyjet – auch für Businessreisende: Zürich-Berlin.

Quelle: Emmanuele Contini/NurPhoto

Die sogenannten Low Cost Carrier zielen auch auf Business-Traveller und machen damit gute Geschäfte – vorbei an den Reisebüros.

Von Daniel Tschudy
am 01.04.2019

Unter den grössten Fluggesellschaften der Welt erscheinen heute Air Asia, Norwegian oder Ryanair. Und alle haben entsprechende Angebote für die Geschäftswelt. In der Schweiz hat sich vor allem Easyjet einen Namen gemacht – und bereits 17 Prozent aller Easyjet -Passagiere sind beruflich unterwegs.

Für Geschäftsreisende in der Schweiz bietet Easyjet ab Genf 21 und ab Basel 15 Destinationen an, die teilweise mehrmals täglich angeflogen werden. Viele davon sind eben nicht nur klassische Feriendestinationen, sondern spielen eine zentrale Rolle im internationalen Business.

In Deutschland beispielsweise, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, werden Köln/Bonn, Düsseldorf und Hamburg bedient. Zudem hat die Airline ihre Flugverbindungen ab Basel und ab Zürich nach Berlin-Tegel deutlich erhöht.

Verträge mit Schweizer Grossfirmen

Weitere wichtige europäische Business-Destinationen sind London – gleich mit mehreren Easyjet-Flughäfen –, aber auch Paris, Brüssel oder Moskau-Domodedowo. Diese Städte sind alle regelmässig im Visier von Schweizer Unternehmen und Easyjet arbeitet mit diesen Firmen entsprechend eng zusammen. Laut Auskunft der Kommunikationsabteilung hat der Carrier mit 45 Prozent der im Swiss Market Index kotierten Unternehmen spezielle Verträge ausgearbeitet.

Ähnlich arbeiten andere Billigflieger, so wie beispielsweise die Fluggesellschaft Laudamotion, die mehrheitlich der irischen Ryanair gehört. Ihre Argumente sind Direktverbindungen, frühzeitige Sitzplatzreservationen und garantierte Ankunftszeiten. Wobei das letztere Versprechen in Europa derzeit gar nicht so leicht umzusetzen ist.

Easyjet: «Flight Club»

Des Weiteren gehören bei allen Anbietern Loyalitätsprogramme dazu; bei Easyjet unter dem Namen «Flight Club». Das scheint ein erfolgreiches Konzept zu sein, denn 2018 stieg die Mitgliederzahl des Clubs um fast die Hälfte und mittlerweile werden bereits über 9 Prozent aller Buchungen durch Flight-Club-Kunden vorgenommen. Für die Mitglieder steht täglich, also auch an den Wochenenden, ein Team extra zur Verfügung; allerdings fallen da noch Telefonkosten an.

Im Laufe dieses Jahres soll ein «Corporate Flight Club» auf den Markt kommen. Auch weil Easyjet den Geschäftskundenanteil in den vergangenen Jahren massiv hat steigern können. Entsprechend genauer kümmert man sich um dieses Segment und offeriert neue Dienstleistungen. So gibt es auch ein Plus-Paket mit Vorteilen.

Viele der offerierten Flughäfen bieten zum Beispiel Fast-Track-Sicherheitskontrollen an und mit dem Speedy Boarding gehören diese Passagiere zu den Ersten, die an Bord gehen. Es gibt auch freie und kostenlose Sitzplatzauswahl; inklusive der Plätze ganz vorne, die eine grössere Beinfreiheit anbieten. Und wirklich wertvoll für Geschäftsreisende ist, dass man nach einem Meeting, das früher als geplant endet, den Rückflug kostenlos umbuchen darf; Verfügbarkeit natürlich vorausgesetzt.

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Easyjet konzentriert sich im Business-Segment auf drei weitere Kernelemente: erstens ein verbessertes Backoffice, das sich spezifisch um die Beziehungen zu den einzelnen Geschäftskunden kümmert. Das schliesst beispielsweise ein sogenanntes KMU-Portal ein, das auch den mittleren und kleineren Unternehmen den Buchungsprozess vereinfacht und die Automatisierung der Rechnungsstellung anbietet. Dann offeriert die Airline auch individuell auf die einzelnen Firmenkunden ausgerichtete Business-Tarife, ohne dabei aber das eigene Low-Cost-Geschäftsmodell zu untergraben. Und drittens will man den Business-Kunden durch kontinuierliche Verbesserungen des Flugplans auf den relevanten Strecken eine bessere Anbindung bieten.

Die Zahlen des im britischen Luton domizilierten Unternehmens sind eindrücklich. 2018 wurde ein Gesamtumsatz von 5,8 Milliarden Pfund erwirtschaftet, mit einem Wachstum von 16,8 Prozent zum Vorjahr. 88,5 Millionen Passagiere buchten die Flüge von Easyjet; dies bedeutet eine Steigerung von 10,2 Prozent. Der sogenannte Load Factor, also die Auslastung übers Jahr über alle angebotenen Sitzplätze, betrug im vergangenen Jahr 92,9 Prozent.

Mit Auszeichnung

Und so kommt, was hierzulande vielleicht noch weniger bekannt ist. Die Billigflug-Airline spielt durchaus auch im Segment der Geschäftsreisen eine Rolle.

Das wird immerhin zunehmend beachtet und so erhielt die Fluggesellschaft letztes Jahr bei den renommierten britischen «Business Travel Awards» unter anderem eine Prämierung als «Business Airline of the Year».

Es wird spannend sein zu verfolgen, ob und in welchem Format Easyjet die Präsenz nicht nur in Genf und Basel halten, sondern vor allem seine Business-Aktivitäten ab Zürich-Kloten ausbauen kann. Denn der Grossteil der Schweizer Geschäftsreisen wird letztlich im Gross-Hub Zürich generiert.

Tipps für die Wartezeit auf dem Airport

Das neuerdings auch in der Schweiz tätige deutsche Unternehmen HRS zählt zu den wichtigsten Hotelportalen in Europa – und präsentierte kürzlich eine Liste von Ratschlägen, die für Geschäftsreisende vor allem bei Flugverspätungen äusserst wertvoll sein kann:

Notebook vor Reisebeginn voll aufladen und immer im Handgepäck dabeihaben.

• Ladestationen sind an den meisten Flughäfen noch limitiert, deshalb eigene USB-Ladegeräte mitbringen.

• Bei Verspätungen oder längeren Transitaufenthalten kann man sich in den Business Lounges mit WLAN und Ladegeräten komfortabel installieren und entsprechend konzentriert arbeiten. Die Lounge-Eintrittskosten können schnell amortisiert werden.

• Hotelbestätigungen und Mietauto-Dokumente vor Reisebeginn auf das Smartphone laden, sodass man entsprechende Änderungen von unterwegs und mobil vornehmen kann.

• Für längere Reisen oder für Besuche von weniger bekannten Städten kann man sich vorher entsprechende Reise-Apps herunterladen. Sie helfen, unerwartete Reiseunterbrechungen bestmöglich zu nutzen.

• Die meisten Flughäfen haben eigene Service-Apps, die sämtliche Dienstleistungen wie Fitnesszentrum oder Restaurants vorstellen und die Wege dorthin aufzeigen.

• Falls man Anspruch auf eine Entschädigung für Flugverspätungen hat, findet man die entsprechenden Antragsformulare im Internet. Diese kann man noch während der Wartezeit herunterladen und, auch zum Abbau des Ärgers, mit dem Ausfüllen beginnen.

• Im Übrigen sind die Fluggesellschaften schon bei einer Verspätung von zwei Stunden verpflichtet, Essen und Getränke anzubieten. Das soll man vor Ort einfordern und es hilft, die Wartezeit zu überbrücken.