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«Breitling besitzt enormes Entwicklungspotenzial»

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Georges Kern: Der Uhrenmanager wechselte von IWC zu Breitling.Quelle: Gareth Cattermole/Getty

Bei Breitling hat neu Georges Kern das Sagen. Der CEO spricht über die Pläne für China und die Kooperation mit Rolex.

Von Gisbert L. Brunner
am 22.12.2017

Seit vergangenen Sommer ist Georges Kern Chef von Breitling. Im Interview verrät der bekannte Manager, was er für den Grenchner Uhrenkonzern plant.

Worin besteht der Reiz Ihrer neuen Aufgabe bei der Uhrenmarke Breitling?
Georges Kern*: Breitling besitzt eine grossartige Tradition, ist eine Ikone auf dem Gebiet der Fliegeruhren, hat unendlich viele Pionierleistungen vollbracht. Breitling ist daher eine wichtige Hausnummer in der Schweizer Uhrenindustrie und – das möchte ich ganz besonders betonen – besitzt ein enormes Entwicklungspotenzial.

Vor allen Dingen im asiatischen Raum und dort vor allem in China …
Richtig. Im asiatischen Markt hat Breitling definitiv Aufholpotenzial. Eine Ausnahme macht Japan, wo Breitling bereits bemerkenswert gut positioniert ist. Stark sind wir auch in den USA und traditionsgemäss in Europa. Der begrenzte Zugang zum chinesischen Markt und den dort lebenden Menschen resultiert nicht zuletzt aus der Grösse unserer Uhren sowie dem Produktdesign.

Wie ticken chinesische Kunden?
Chinesen sind klassischer orientiert. Sie mögen Dreizeigeruhren, höchstens noch einen Chronographen. Dazu müssen die Ticker schlicht, kleiner sowie leichter sein. Nach der Krise werden auch diskretere Uhren gewünscht. Diesbezüglich mache ich mir jedoch keine Sorgen, denn der Breitling-Katalog mit historischen Produkten ist so reich und bietet einen unfassbaren Fundus für die Zukunft. Aus dem können wir sehr viel und ausgesprochen lange schöpfen, um dem chinesischen Markt und seinen Ansprüchen zu entsprechen.

Wird Breitling unter Chef Georges Kern eine Retromarke?
Nein, es existiert in der Tat ein unfassbar dicker Katalog an Erfindungen und Designs, von dem wir – wie auch immer – zehren können. Vieles von dem, was sich dort findet, ist deutlich klassischer als das derzeit Angebotene. Das bildet, gekonnt transformiert in die Gegenwart, eine gute Grundlage für einen besseren Zugang zu einer neuen Kundschaft, ohne Bestehendes grundsätzlich infrage zu stellen.

Haben professionell ausgerichtete Produkte wie die Emergency oder die Exospace B55 Connected aus der Sicht des neuen CEO eine Zukunft?
In meinen Augen ist es ganz wichtig, dass das Thema «Instruments for Professionals» beibehalten wird. Natürlich sprechen wir nicht von Volumen-, sondern eher von Nischenmodellen, aber mit diesen Uhren verknüpfen sich ein beachtlicher Imagetransfer und wichtiges technologisches Know-how. Deshalb werden wir diesen Bereich auf jeden Fall weiterführen. Es könnte sogar sein, dass wir ihn ausbauen.

Wie steht es mit Breitling und Bentley?
Es haben erste Gespräche stattgefunden. Selbstverständlich möchten wir diese Kooperation erfolgreich weiterführen. Bentley ist eine grossartige Automarke und hat – wie Breitling – eine lange Geschichte. Daraus ergeben sich spannende Produktideen und Gestaltungsmöglichkeiten der Partnerschaft.

Ein Asset von Breitling ist die 100-Prozent-Chronometer-Philosophie. Breitling war die erste Marke, die alle Ticker – auch Quarzuhren – ausnahmslos beim COSC zertifizieren liess.
Für mich ist das Thema Chronometer ganz wichtig, denn es gibt den Kunden Sicherheit durch ein externes, von einer amtlichen Institution ausgestelltes Zertifikat. Darüber bin ich auf jeden Fall sehr froh. Ich denke deshalb nicht daran, an diesem wichtigen Qualitätsaspekt zu rütteln.

Bleibt die Kooperation mit Rolex und deren Tochter Tudor bestehen?
Auf jeden Fall, das ist so vorgesehen. Es erlaubt beiden Marken die Mengen, die Effizienz und die Qualität zu erhöhen. Das Beispiel zeigt, dass zwischen Marken eine sinnvolle und für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit bestehen kann. Die Uhrenindustrie sollte vermehrt kooperieren. Es ist letztlich auch im Interesse des Kunden.

Es ist davon auszugehen, dass sich der neue CEO bereits in kürzester Zeit eingehend mit der Breitling-Kollektion auseinandergesetzt hat. Während dieses Studiums sind sicherlich Zukunftspläne gewachsen. Zum Beispiel offeriert Breitling ja unglaublich viele unterschiedliche Referenzen.
Wichtig ist, dass die Marke immer ihrer DNA folgt. Rückblickend hat Breitling nicht nur gross dimensionierte Produkte gemacht, sondern auch klassische Dreizeigeruhren und relativ schlichte Chronographen. Sie sind feste Bestandteile der Markenwurzeln. Deshalb können und werden wir so etwas einführen. Das schliesst aber nicht aus, dass wir Bestehendes beibehalten. Auf jeden Fall werde ich die Zahl der Referenzen reduzieren.

Wird Breitling künftig zweigleisig fahren und für die Märkte verschiedene Kollektionen anbieten? Eine asiatische sowie eine europäisch-amerikanische?
Auf keinen Fall. Breitling muss und wird eine Kollektion haben. Die muss so gestaltet sein, dass man innerhalb einer Produktgruppe verschiedene Grössen, Preisklassen und Funktionen anbietet. Der asiatische Markt zeigt eine zunehmende Reife. Man interessiert sich inzwischen schon deutlich mehr für Komplikationen und uhrmacherische Manufaktur als früher. Anderseits hat man genauso wie in Europa und in den USA einen Teil der Bevölkerung, der sich so etwas schlichtweg nicht leisten kann, aber trotzdem eine Breitling am Handgelenk tragen möchte. Ergo müssen wir mit Blick auf die angestrebten Erfolge alle Gruppen gleichermassen bedienen.

Georges Kern* ist seit Sommer 2017 Chef von Breitling. Vor seinem Wechsel an die Spitze des Grenchner Konzerns war der deutsche Manager jahrelang CEO des Schaffhauser Uhrenherstellers IWC.

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