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Chefs mit Titel: Einheimische in der Unterzahl

Parttime MBA: Teilzeit kann ein MBA in zwei bis vier Jahren absolviert werden.

Alle Chief Executive Officers (CEO) der 100 grössten Schweizer Konzerne haben eine Top-Ausbildung – aber nur 16 einen MBA.

Von Benno Marbach
am 29.02.2012

Die «SAMBAplus CEO-Studie 2012», die erste gemeinsame Erhebung der Schweizer Organisationen SAMBAplus und C-Talks (siehe Kasten), überrascht nicht: Von den Konzernchefs der 100 umsatzstärksten Unternehmen des Landes haben 95 Prozent einen aka­demischen Abschluss. Die meisten von ­ihnen in den Wirtschafts- und Sozial­wissenschaften (35 Prozent), wobei knapp die Hälfte von letzteren zusätzlich einen Master of Business Administration (MBA)erworben hat. Die zweitgrösste Gruppe unter den Chief Executive Officers (CEO) in der Schweiz bilden die Abgänger von ingenieurwissenschaftlichen und technischen Hochschulen (22 Prozent).

Ein weiteres Indiz für das hohe Bildungsniveau ist die grosse Anzahl an promovierten Führungskräften. Jeder zehnte Konzernchef hat einen Doktortitel. Besonders das jüngere Kader zeichnet sich durch eine exzellente Schule aus. Musterbeispiel ist der 44-jährige Österreicher ­Severin Schwan von Roche, der die Fächer Wirtschafts- sowie Rechtswissenschaften mit einem Master abschloss und später zum Dr. jur. promovierte.

Ein MBA als Garant für den Aufstieg?

Unter den CEO mit MBA (siehe Tabelle) sind so illustre Namen wie Joseph «Joe» ­Jimenez von Novartis, Joseph «Joe» Hogan von ABB, Michael Mack von Syngenta oder Andreas Meyer von den SBB. Sie und zahlreiche andere Konzernchefs haben ihren MBA an einer renommierten Business School im Ausland erworben. Unter den wenigen weiblichen CEO der 100 umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz befindet sich eine Frau mit MBA: Christi L. Strauss, Chefin der Nestlé-Tochter Cereal Partners Worldwide (CPW), mit einem Abschluss am Dartmouth College in New Hampshire, der Geburtsstätte des MBA.

In den Top Ten der grössten Schweizer Konzerne haben fünf CEO einen Masterin Wirtschaftswissenschaften, unter ihnen Ivan Glasenberg von Glencore. Weiter zeigt die «SAMBAplus CEO-Studie 2012», dass die 100 umsatzstärksten Unternehmen von mehr Ausländern als Schweizern mit MBA-Titel geführt werden. Die untersuchten Personen absolvierten ihre Ausbildung hauptsächlich an Business Schools im angelsächsischen Sprachraum, aber auch das Insead bei Paris und das IMD in Lausanne zählen nachweislich zu den grossen Talentschmieden.

Die Erhebung zeigt klar, dass vorwiegend grosse, global tätige Konzerne Wert auf den Chief Executive Officer (CEO) mit Master of Business Administration (MBA) legen. Die Anforderung an die Studierenden ist an den Top-Institutionen sehr hoch. So werden nur Personen mit analytischem Geschick, hoher Belastbarkeit, exzellenten Sprachkenntnissen und praktischer Erfahrung aufgenommen. Dementsprechend ist das Ansehen der Abgänger international hoch.

Trotzdem kann auf die Frage nach dem Nutzen des MBA als Sprungbrett zum CEO keine eindeutige Antwort gegeben werden. Weil vor allem in grossen Konzerndie strategische Personalplanung von ­vielen Faktoren beeinflusst wird – unter anderem Branchenkenntnisse, Persönlichkeit oder Einsatzwille –, ist das Anforderungsprofil für eine Führungskraft unterschiedlich. Trotzdem ist gerade in der Schweiz der statistische Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten, einen akademischen Abschluss zu erlangen, und den Fähigkeiten, ein erfolgreicher «Boss» zu ­werden, nicht von der Hand zu weisen.

Die Geschichte des Master of Business Administration (MBA) begann 1902 am Dartmouth College in New Hampshire. Er entwickelte sich aus dem wachsenden Unmut über das realitätsferne US-amerikanische Bildungssystem. Mit dem MBA sollte eine praxisbezogene wirtschaftliche Ausbildung gewährleistet werden, um so Europa in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht wieder einzuholen. Bis in die 1950er-Jahre wurde diesem Programm keine grosse Bedeutung zugeschrieben. Durch stetige Anpassungen und Erweiterungen in der Ausbildung zum MBA stiegen das Interesse und die Nachfrage nach dem Erwerb dieses Titels in wenigen Jahren um ein Vielfaches. Mit der konstanten Weiterentwicklung des Studienganges und dem Erfolg seiner Abgänger wuchs auch das ­Interesse der Medien.

Früher konnte man den Titel kaufen

Seither setzte sich der Boom, mit kleinen Dämpfern in den 1970er- und 1980er-Jahren, in Amerika fort. In den frühen 1990er-Jahren etablierte sich das Erfolgsmodell auch immer stärker im deutschen Sprachraum. Die Skepsis war zu Beginn gross, weil der ungeschützte Titel MBA von unseriösen Institutionen kurzerhand verkauft wurde. Diese Situation wurde ­unterdessen dadurch entschärft, dass mehr Transparenz geschaffen wurde. Die Bedeutung eines MBA-Titels ist heute von der Ausbildungsstätte, wo der Abschluss erworben wurde, abhängig.

International hohes Ansehen genies­sen die Anbieter, die sich oben in den Ranglisten von «Financial Times», «Economist» oder «BusinessWeek» befinden. In der Schweiz haben sich die Abgänger der renommiertesten Business Schoolsinnerhalb der Swiss Association of MBA (SAMBA) zusammengeschlossen. So gehören beispielsweise Patrick Firmenich (Insead), CEO von Firmenich International, oder Patrick Odier (Chicago Booth), Senior Partner von Lombard Odier Darier Hentsch & Cie und Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, zum illus­tren Kreis der Ehrenmitglieder.

Benno Marbach, Gründer und Präsident, SwissAssociation of MBAs (SAMBA), Horw LU.

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«SAMBAplus CEO-Studie 2012»: Die Organisationen hinter der Erhebung

SAMBA
Die 2004 von Benno Marbach gegründete Swiss Association of MBAs (SAMBA) ist eine Vereinigung für Absolventen oder Studierende von MBA- und EMBA-Programmen. Um nun auch die Alumni anderer Weiterbildungen mit Wirtschaftsfokus anzusprechen, hat er Anfang Jahr SAMBAplus lanciert. Hier können zudem Absolventen oder Studierende Mitglied werden, die etwa ein Advanced Management Program (AMP) respektive einen Master in Finance machen oder gemacht haben. Die Alumni von SAMBA und SAMBA­plus sind Ehemalige der renommiertesten Business Schools der Welt, darunter auch das IMD und die HSG.

C-Talks
Aus den Initiativen SAMBA und SAMBAplus hat sich die Serie C-Talks entwickelt, welche jedes Jahr über 600 Chefs zu exklusiven Abendgesprächen zusammenführt. Die Serie umfasst ­C-Talks mit bekannten Chief Executive Officers (CEO), Chief Financial Officers (CFO), Chief Information Officers (CIO), Chief Marketing Officers (CMO), Chief Human Resources Officers (CHRO).

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