1. Home
  2. Management
  3. Das Geheimnis für eine bessere Work-Life-Balance

Work-Life-Balance
Das Geheimnis für eine bessere Work-Life-Balance

 

Selbständige machen sich oft viel zu viel Stress – und gönnen sich zu wenig Pausen. Dabei muss man als Selbständiger gar nicht «selbst» und «ständig» ran, findet Melanie Croyé. So geht es anders.

Von Melanie Croyé (bizzmiss)
am 02.07.2015

Wir haben hier in vielen westlichen Ländern ein grosses Problem: Produktivität wird gemessen an geleisteter Arbeitszeit und nicht an tatsächlich geleisteter Arbeit. Dazu kommt der irrsinnige Gedanke, dass früh aufstehen eine Tugend ist und diejenigen, die lange schlafen, automatisch faul sind. Wer hingegen von acht bis 16 Uhr am Schreibtisch sitzt, hat es verdient, ein Eis essen zu gehen.

Was er in den acht Stunden am Schreibtisch tut, spielt erst mal keine Rolle. Selbständige haben es noch schwerer: Sie bekommen nicht einfach monatlich ein Gehalt überwiesen, wenn sie sich an die Spielregeln halten, sie sind sich selbst verpflichtet. Und das verleitet dazu, extra streng zu sich zu sein. Sie arbeiten im Schnitt länger und gönnen sich weniger Freizeit. Es gibt zwei Arten von Selbständigen: jene, die alles fürchterlich stressig finden und nicht abschalten können – gerne fällt hier der Satz «Selbständig heisst halt selbst und ständig» – und jene, die sich ihrer Freiheit bewusst sind und Work-Life-Balance wirklich leben.

Arbeit nach Lust einteilen

Ich würde mich eher in die zweite Kategorie einordnen. Ich arbeite mal mehr, mal weniger, bin finanziell auf der sicheren Seite und wenn ich Freizeit habe, dann kann ich diese vollauf geniessen. Viele Menschen reagieren überrascht, nahezu empört, und oft auch ein bisschen neidisch, wenn ich ihnen erzähle, dass ich selten vor neun Uhr morgens aufstehe, auf solide acht Stunden Schlaf komme, ständig unterwegs bin und einmal die Woche mit meinen Freundinnen frühstücken gehe. Und warum? Weil ich es kann.

Ich teile mir meine Arbeit ein, wie ich Lust habe. Und wenn es mal ruhig ist, dann prokrastiniere ich nicht am Schreibtisch, sondern nehme mir frei. Ich komme selten auf acht Stunden Arbeitszeit, mache lange Mittagspausen mit meinen Bürokollegen und habe ausreichend Zeit, mich um meine Freunde und meine Beziehung zu kümmern.

Plötzlich war der Sommer vorbei

Das war aber nicht immer so: Ich erinnere mich an einen Sommer vor einigen Jahren, als es natürlich immer am Wochenende geregnet hat und unter der Woche schön war. Während halb Berlin am Badesee lag, sass ich am Schreibtisch und habe gearbeitet – oder zumindest so getan als ob. Ich hatte mich gerade selbständig gemacht und wahnsinnige Angst davor, nicht genug Geld zu verdienen, Aufträge abzulehnen oder Chancen zu verpassen.

Bei schönem Wetter frei machen? Undenkbar! Feiertage? Die Pest! Wochenende? Pfft. Und plötzlich war der September vorbei und damit auch der Sommer – und ich hatte ihn verpasst. Damals habe ich mir geschworen: Nie wieder. Was bringt es mir, wie eine Blöde Zeit am Schreibtisch abzusitzen anstatt das Leben zu geniessen? Denn seien wir mal ehrlich: Einen nicht unerheblichen Teil des Tages verbringen wir damit, Aufgaben vor uns her zu schieben. Deshalb machen wir uns dann ein schlechtes Gewissen und bestrafen uns mit noch mehr Zeit am Schreibtisch. Und am Ende des Tages erledigen wir dann in kurzer Zeit und hyper-produktiv doch noch das Nötigste. Warum nicht gleich so?

Erfolgreiche Menschen lassen sich nicht ablenken

Heute versuche ich, das zu leben. Ich arbeite mit To-Do-Listen, wenn ich viel auf der Platte habe, und priorisiere meine Aufgaben durch. Und wenn ich es mir leisten kann, dann gehe ich nach Hause und fröne meinen Hobbys. Ich weiss, dass ich sehr viel produktiver sein könnte, wenn ich mehr arbeiten würde. Solche Phasen habe ich zwischendurch auch. Dann schaffe ich sehr viel mehr als andere Menschen – und habe trotzdem genug Zeit für mich. Wichtig dabei ist vor allem, dass man ehrlich zu sich selbst ist und sich im richtigen Moment auf die richtigen Aufgaben fokussiert.

Und das ist das wahre Geheimnis erfolgreicher Menschen: Sie wissen, was Fokus ist, und lassen sich nicht ablenken. Die beschweren sich aber auch nie, dass sie keine Zeit haben. Und ganz bestimmt wissen sie nicht, wie viele Stunden sie am Schreibtisch verbracht haben. Es war genau so viel Zeit, wie sie gebraucht haben.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bizzmiss – das Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance.

 

 

Anzeige