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Das Liebeswerben am Arbeitsplatz

Erotik beflügelt – auch im Job: Büropaare laufen bei der Arbeit zur Höchstform auf. Schweizer Firmen zeigen sich Paaren gegenüber tolerant. Und so knistert es gewaltig in Schweizer Unternehmen – mit d

Von Vera Sohmer, KarinAmmann
am 14.11.2007

BEZIEHUNG IM BÜRO. Der Arbeitsplatz ist eine der besten Kontaktbörsen. Und davon profitieren nicht nur Verliebte, sondern auch Arbeitgeber. Diverse Studien belegen, dass Jobpaare engagiert und energiegeladen bei der Sache sind. Das beweisen Beispiele wie die beiden «Tagesschau»-Moderatoren Katja Stauber und Florian Inhauser oder «10vor10»-Moderatorin Susanne Wille und Franz Fischlin von der «Tagesschau». Letztere haben bereits eine Familie gegründet. Der grosse Vorteil von solchen Paaren: Sie sind ausgeglichener, weil sie Arbeits- und Privatleben besser managen können. Dass Firmen Paare im Doppelpack anstellen, ist aber die Ausnahme (siehe «Nachgefragt»). «Wir schreiben keine Stellen explizit für Paare aus», sagt Axa-Winterthur-Sprecher Martin Läderach. Aber: Falls der Partner oder die Partnerin ebenfalls eine Stelle sucht und das Profil stimmt, schaut man sich im Konzern nach Einsatzmöglichkeiten um.

Axa-Winterthur freut sich mit

Was Turteltauben freuen dürfte: Schweizer Betriebe dürfen ihren Mitarbeitern eine Beziehung am Arbeitsplatz nicht verbieten. «Solche Klauseln verstossen gegen das Persönlichkeitsrecht», hält Ruth Derrer Balladore vom Arbeitgeberverband fest (siehe rechten Kasten). Solange es Arbeit und Leistung nicht beeinträchtigt, betrachten viele Firmen Liebesbeziehungen im Job als Privatsache. Dass sich Paare am Arbeitsplatz kennen lernen, sei nahe liegend, man verbringe dort schliesslich einen bedeutenden Teil seiner Zeit, sagt UBS-Sprecherin Rebeca Garcia. Auch die Axa-Winterthur-Versicherung freut sich fürs Personal. «Grundsätzlich finden wir es schön, wenn Mitarbeitende bei uns ihr Liebesglück finden», betont Läderach.Bei Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Unterstellten schauen Unternehmen allerdings genauer hin. Denn derartige Liebschaften sorgen schnell für Getuschel und Neid und bergen die Gefahr, das Herzblatt bei Entscheidungen zu bevorzugen. Oder zu benachteiligen, wenns kriselt. Bei der UBS dürfen Partner nicht in einem «Abhängigkeitsverhältnis» stehen, sprich: Ein Partner darf nicht direkter Vorgesetzter des anderen sein. Dann wird einer von beiden versetzt. Axa Winterthur erwartet bei einer derartigen Konstellation sogar, dass Paare die Personalabteilung informieren. Dann wird beraten, ob man einen der beiden versetzen oder die Aufgaben umverteilen muss.

Andere Länder, andere Sitten

Während bei der Credit Suisse in der Schweiz intime Beziehungen nicht in einer separaten Weisung geregelt oder generell verboten sind, heisst es in den USA: «Keine intimen oder sexuellen Beziehungen zwischen Vorgesetzten und direkt oder indirekt unterstellten Mitarbeitern.» In amerikanischen Firmen ist es zudem üblich, Paare schriftlich erklären zu lassen, dass sie ihre Liebschaft freiwillig eingegangen sind. Die Unternehmen schützen sich so vor Klagen wegen sexueller Belästigung. Für Schweizer Ableger von US-Firmen gilt aber hiesiges Arbeitsrecht. Microsoft massregelt nicht, sondern setzt auf den gesunden Menschenverstand seiner Beschäftigten. Man gehe davon aus, dass Mitarbeiter selbst merken, wann eine Beziehung die Arbeitsleistung und das Betriebsklima stört, und sich entsprechend korrekt verhalten, sagt Sprecher Holger Rungwerth.



NACHGEFRAGT
«Intimitäten und Zärtlichkeiten für zu Hause aufsparen»

Karin Ammann,

Welche Vorteile haben Firmen, wenn Paare bei ihnen beschäftigt sind?

Karin Ammann:

Büropaare steigern das Bruttosozialprodukt! Sie sind kreativer, motivierter und produktiver. Sie machen Überstunden und leisten Sondereinsätze. Viele identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitgeber und verhalten sich ihm gegenüber loyaler. Wenn beide die Firma kennen, wächst zudem das Verständnis für die Arbeit des anderen.

Gibt es Schweizer Unternehmen, die Partner gleich im Doppelpack anstellen?

Ammann: Das ist bislang nur üblich, wenn beide mitarbeiten müssen, in der Gastronomie beispielsweise oder in Pfarreien. Im Gegensatz zu früher winken Firmen aber nicht mehr gleich ab, wenn sich ein Paar bewirbt. Dass Firmen Paare anwerben, ist aber selten. Es besteht die Gefahr, dass beide gleichzeitig kündigen. In KMU, die im Schnitt weniger als zehn Angestellte haben, würde das schnell eine grosse Lücke reissen.

Müssen Paare in Firmen mit Missgunst oder gar Mobbing rechnen?

Ammann: Beziehungen am Arbeitsplatz werden am ehesten akzeptiert, wenn beide auf ähnlicher Hierarchiestufe arbeiten. Grundsätzlich kommt es aber darauf an, dass sich ein Paar korrekt verhält. Es sollte zeigen, dass es zwischen Job und Privatleben unterscheiden kann. Die Leistung darf nicht leiden, auch sollte sich ein Paar niemals gemeinsame Essen oder Reisen auf Geschäftskosten genehmigen. Entscheidend ist auch, sich nicht zu isolieren oder nur noch einseitige Kontakte zu seiner oder ihrer Abteilung zu pflegen. Und unklug wäre, in Teams Zweierallianzen zu schmieden.

Hemmungslos flirten oder streiten, gehört sich das am Arbeitsplatz?

Ammann: Nein, Paare sollten immer diskret bleiben. Intimitäten und Zärtlichkeiten also für zu Hause aufsparen. Ein flüchtiger Kuss ist sicher erlaubt, zweideutige Anspielungen während eines Meetings, knutschen im Lift oder stundenlange Telefonate gehen indes zu weit. Auch Streit gehört nicht ins Büro. Oberstes Gebot hier: Sich nicht bei Kollegen ausheulen und schon gar nicht über seinen Partner herziehen.

Ist es notwendig, Kollegen oder Vorgesetzte einzuweihen?

Ammann: Es empfiehlt sich, aber erst dann, wenn etwas Ernstes daraus geworden ist. Flirts oder One-Night-Stands sollte man besser für sich behalten. Vorgesetzte und Kollegen knapp und sachlich zu informieren, empfiehlt sich übrigens auch dann, wenn sich ein Paar getrennt hat.

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