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Der Pilatus PC-12 wird ein bisschen indisch

Pilatus PC-12: In ihm stecken künftig Teile aus Indien.   Pilatus Aircraft

Der indische Mischkonzern Tata stellt künftig Flugzeugteile für den PC-12 her. Pilatus verlagert damit einen Teil der Produktion weiter nach Osten - von Polen nach Indien.

Von Lukas Rohner
am 01.09.2014

Gross war die Freude als das polnische Unternehmen PZL Swidnik im Herbst 2011 den ersten Rumpf und Tragflächenteile des PC-12 an Pilatus auslieferte. «Wir sind stolz, diesen Meilenstein setzen zu können», sagte der Chef des polnischen Unternehmens damals. Mit einem Zehnjahresvertrag schien die Partnerschaft mit den Schweizern gesichert. Bis zu 120 Personen waren in der Fabrik bei Lublin mit der Produktion von nahezu 50 Pilatus-Flugzeugstrukturen pro Jahr beschäftigt. Nun kommt alles anders.

Der Schweizer Flugzeugbauer arbeitet neuerdings mit dem indischen Unternehmen Tata Advanced Systems zusammen. Es ersetzt den polnischen Partner schon 2016. Das neue Subunternehmen aus Hyderabad wird die Flugzeugteile in einer  Fabrik 20 Kilometer ausserhalb der Stadt produzieren. In der Fabrik werden der Rumpf mit Flügel, Cockpit und Ruder zusammengebaut. Dem Flieger fehlen somit zum Abheben nur noch Fahrwerk, Bordelektronik sowie Propeller.

Tata Advanced Systems ist gut vernetzt

Die einmotorige PC-12 wird aufgrund ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten weltweit geschätzt. Angst vor schlechter indischer Qualität hat Pilatus nicht. Tata Advanced Systems konnte sich in den vergangenen Jahren viele Kooperationen mit anderen namhaften Herstellern sichern. So arbeitet das Unternehmen etwa auch mit Ruag Aviation beim Bau vom Rumpf und Flügel der Dornier Do 228 NG zusammen.

Die Kooperation mit Pilatus entstand als Gegengeschäft basierend auf einem Kaufvertrag der indischen Luftwaffe. Sie orderte im Jahr 2011 75 Flugzeuge vom Typ PC-7 in Stans. Solche Gegengeschäfte sind in der Luftfahrtbranche üblich. Auch beim geplatzten Gripen-Deal waren Arrangements mit Schweizer Firmen vorgesehen. Neben den Kooperationen konnte Tata auch Joint Ventures mit dem Helikopterhersteller Sikorsky sowie Lockheed Martin eingehen. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Lockheed Martin stellt Flugzeugteile für die «Lockheed C-130 Hercules» her.

Weitere Pläne

Subramaniam Ramadorai, Chef von Tata Advanced Systems und Regierungsberater, sieht die zahlreichen Zusammenarbeiten als klares Resultat der Anstrengungen und Leistungen der vergangenen fünf Jahre. Das Unternehmen möchte sich als gefragten Zulieferer für Flugzeugkomponenten positionieren. «Wir wünschen die Partnerschaft mit Pilatus zu vertiefen um Flugzeuge in Indien herstellen zu können, die den Anforderungen der indischen Luftwaffe genügen», fügt Ramadorai an.

Für die Sicherstellung der hohen Qualitätsstandards in der Lieferkette werden Mitarbeiter von Tata Advanced Systems in den Pilatus-Werken instruiert. Die ersten Komponenten des indischen Zulieferers werden in der zweiten Jahreshälfte 2016 erwartet.

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