Ein gutes Dutzend Prinzessinnenschühchen, jede Art spitzenbesetzter Lingerie, seidene Nachtkleider und Kimonos, plüschene Homedresses und Pyjamas, all dies in warmen Farbtönen mit Zwischenräumen, um hindurchzuschauen; dazu passend Schmuckstücke, Schals und Kopfbedeckungen. All dies liegt auf Tischen und hängt gut geordnet an Kleiderständern. Die Modeschau «Zauber der Verwandlung» für diesen Herbst steht bevor. Mitten drin wuselt die Beldona-Chefin mit wachem Auge und viel Gefühl für Details herum. Denn was Beldona öffentlich zeigt, muss tadellos sein. Das wussten schon die Mütter unserer Mütter und sollen auch kommende Generationen erleben dürfen.

Als Kind auf Kataloge gestürzt

Wann ist Sabina Furler erstmals mit Beldona-Produkten in Berührung gekommen? Sie erinnert sich gern an die Zeit vor dem ersten BH-Kauf: «Als Kind stürzte ich mich auf die Beldona-Kataloge meiner Mutter. Was ich sah, wirkte auf mich geheimnisvoll und spannend.» Aus heutiger Sicht seien die Firma und ihr Auftritt allerdings verstaubt gewesen. Ihr Vorgänger habe schon einiges herausgeputzt. Ihr Job sei es, das Unternehmen weiter zu entstauben.

Der Weg zum schicken Auftritt, der den sexy Dessous-Teilen gerecht wird, führt im Fall von Beldona allerdings über viel Staub: Nach einem massiven Umbau wird der Hauptsitz in Baden in diesen Tagen neu gestaltet. Verfleckte bunte Teppiche sind kühlen Kunststeinplatten gewichen, und das neue Mobiliar hat diesen Lounge-Look, der an Freizeit-Apéros anstelle von Sitzungen denken lässt.

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Schickes Ambiente

«32 Jahre lang war dieses Gebäude nicht renoviert worden, nun wurde es höchste Zeit», findet Sabina Furler. «Wer in seinen Filialen fashionable sein will, muss dieses Image auch am Hauptsitz ausstrahlen.» Hier werden die Gestaltungslinien der kommenden Saisons entworfen und beworben, um in der ganzen Schweiz an die Frau respektive an den (schenkenden) Mann verkauft zu werden. Schönheitskönigin Linda Fäh zeigt dem Publikum, wie gut Unterwäsche aussieht, wenn sie richtig sitzt. Auf sogenannten Mood- und Styleboards lässt sich erahnen, was im Folgejahr Mode sein wird.

Wie lautet eigentlich Beldonas Mission? Etwas ratlos schaut Sabina Furler ihre Assistentin an, dann sagt sie: «Beldona macht schön.» Wie ist dieser Satz zu verstehen? Hier kann Furler, deren strahlendes Lachen und grosse schlanke Statur an ein Fotomodell erinnern, auf ihre eigene Erfahrung zurückgreifen: «Wer sexy Unterwäsche von guter Qualität trägt, fühlt sich automatisch schön.» Entscheidend sei die Passform der Wäsche. Daher seien Verkäuferinnen angehalten, ehrlich zu sein zu ihren Kundinnen und keine falschen Grössen zu empfehlen.

Chefin im Prinzessinnenkostüm

Ob verführerisch oder verträumt, wer sich edle Unterwäsche leisten kann, gehört zu den Prinzessinnen in diesem Land. Wenn es kurz vor Saisonstart Zeit ist, diese Verwandlungskünste intern zu zelebrieren, steigt die Beldona-Chefin für einen Abend selber in ein Prinzessinnenkostüm und lebt das Kernthema vor. Warum ist ihr das nicht peinlich? Sie lacht: «In unserem Unternehmen ist der Spassfaktor elementar. Daher dürfen unsere internen Shows durchaus lustig sein.»

Ihr Kindheitstraum sei es zudem gewesen, Schauspielerin zu werden, gesteht die 46-Jährige, «ein Wunsch, den ich als CEO auch ausleben kann». Statt auf der Bühne zu reüssieren, lernte sie fünf Fremdsprachen und studierte Wirtschaft sowie Management.

Ihre zweite Leidenschaft gilt dem Planen und Bauen, was ihr beim Umbau zugute kam. «Mein Vater war Bauingenieur. Daher verbrachte ich als Kind viele Stunden auf Baustellen. Zuhause lagen immer Baupläne herum. Am Mittagstisch wurden nicht nur lokale Bauvorhaben besprochen, sondern auch politische Themen.»

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Als Tochter eines in der Gemeinde Rüschlikon aktiven FDP-Ehepaares sei es erwünscht gewesen, «sich zu allem und jedem eine Meinung zu bilden». «Mir war schon als Kind klar, dass man abstimmt und wählt und sich öffentlich engagiert. Dass wir vier Kinder waren, machte die Sache umso spannender.»

Die dritte Leidenschaft galt und gilt dem Sport: Auf Segeln und Schwimmen, Skifahren und Tennis folgten nationale Einsätze im Basket- und Volleyball. «Der Sport führte mich schon früh quer durch die Schweiz. Dies machte mich ebenso selbstständig wie die Tatsache, dass wir als Gymnasiasten allein nach Zürich pendelten.»

Der Sport und das Vagabundieren lehrten Sabina Furler, «dass man sich nie hängen lassen darf und es für jedes Problem eine Lösung gibt. Zudem lernte ich Teamplay.» Weil sie auch während ihrer Einsätze für McKinsey, Swissair, Kuoni, IWC, Christ und Oro Vivo «viele Erfahrungen sammeln durfte», sieht sich die Beldona-Chefin heute als Coach. «Indem ich vorlebe, dass es immer Lösungen gibt, wirke ich auf junge Leute beruhigend. Dies und die Botschaft, dass man Fehler machen, sie aber nicht unter den Teppich kehren darf, ist Teil meines Jobs. Bei Beldona darf, nein muss auch über schlechte Ergebnisse berichtet werden. Niemand soll die Faust im Sack machen.» Ebenso wichtig sei, dass alle Mitarbeitenden den Mut fassten, sich zu äussern.

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Um die Kundschaft zu spüren, stellt sich Sabina Furler ausnahmsweise auch mal in eine der 70 Filialen und übernimmt die Beratung. Wie gross ist diese Herausforderung? Sie schmunzelt: «Das ist natürlich kein Problem für mich, denn ich kenne die Kollektion sehr gut.» Sie sei ja in jeden Entwicklungsschritt involviert, angefangen von der Entwurfszeichnung über die Anprobe und definitive Auslese von Spitzen und Pantonetönen bis zur Produktion.

Auch 75-jährige Kundinnen

Wie ist das Pricing, Frau Furler? Stolz streicht sie ihre Haare aus dem Gesicht und betont, mit einer Preisspanne von 39.90 bis 99.90 Fr. sei der Beldona-BH das optimale Produkt. 370 000 Damen wüssten dies zu schätzen, spielt sie auf die Datenbank an. Mütter und Töchter kaufen bei Beldona. Welche Kundin zielt das Unternehmen eigentlich an? Nun wird die Chefin fast philosophisch: «Theoretisch sind es die Damen von 25 bis 55. Aber da heutige Frauen wie beispielsweise meine Mutter mit 75 Jahren noch topfit und modern sein können, ist es keine Altersfrage, bei uns einzukaufen.» Auch sei es ein Ammenmärchen, dass Städterinnen aufgeschlossener seien gegenüber Spitzen und Strapsen: «Sie glauben gar nicht, wie gut die ländlichen Filialen erotische Ware verkaufen!»

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Mit Haut und Haar ist sie den Tugenden Fleiss und Disziplin verfallen. Ob sie eine Fremdsprache oder eine Sportart erlernt, immer ist sie in Kürze die Beste. Das falle ihr alles leicht, versichert die Powerfrau; Durchschnittliches langweile sie. Zudem habe sie viel Energie und erhole sich rasch. Bücher lese sie selten, und ihr Sofa brauche sie nicht zum Abhängen. «Ich bin auch in der Freizeit aktiv, reise an interessante Plätze, segle oder lasse mich sonst wie stimulieren. Es mag mein Dilemma sein, dass mich so viele Dinge interessieren.»

Steht also eine Frau vor uns ohne Krisenerfahrung? Furler protestiert: «Es gibt immer wieder mal jemanden, der einem am Stuhl sägt, und es gibt Arbeitgeber, die anders entscheiden, als man sich das vorgestellt hat.» Genau diese negativen Erfahrungen stimmten sie positiv, «denn was mich nicht umhaut, macht mich bekanntlich stärker». Gefragt, welche Wünsche sie offen habe, kontert die CEO: «Diese Frage ist intimer als Unterwäsche, daher beantworte ich sie nicht.»

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