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Gespräch
Die Rückkehr des Konrad Hummler

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Konrad Hummler: Blockchain-Fan und neuer Verwaltungsratspräsident von Clientis Bank. Quelle: Maurice Haas/13 Photo

Konrad Hummler wird neuer Präsident bei der Private Client Bank in Zürich. Sein Comeback hatte er bereits in einem Interview angekündigt.

Von Stefan Barmettler
am 22.06.2018

Konrad Hummler, früherer Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co, vollzieht ein Comeback in die Finanzbranche: Er wird zum Verwaltungsratspräsident der Private Client Bank, einer kleinen Zürcher Bank, die auf die Verwaltung von grossen Vermögen spezialisiert ist.

Dass er nach seinem Konkurrenzverbot aus dem Wegelin-Verkauf wieder in die Finanzbranche zurückkehren könnte, hatte Blockchain-Fan Hummler bereits Anfang Mai in einem Interview mit Handelszeitung-Chefredaktor Stefan Barmettler angetönt.

Im Januar 2013 verkauften Sie die Wegelin-Bank an die Raiffeisen Gruppe. Seitdem ist es ruhiger geworden – aber langweilig ist Ihnen nicht?
Konrad Hummer: Überhaupt nicht. Ich bin in vielen Projekten engagiert, viele Themen interessieren mich, fast zu viele.

Sie sind VR beim Industriekonzern Bühler, engagieren sich für das musikalische Erbe von Johann Sebastian Bach, sind Investor bei einer IT-Firma, betreiben einen Landgasthof im Appenzellischen, verfassen einen Börsenbrief, treten als Redner an Blockchain-Events auf und sind Aktionär bei der NZZ. Haben wir etwas vergessen?
Ich spiele Geige in einer Appenzeller Streichmusik – «Echo vom Notästää».

Wie passen diese Engagements zusammen?
Ganz einfach: Das sind alles Themen, die mich interessieren. Und was das Schöne ist: Ich kann dank diesen Projekten auch noch viel durch die Welt reisen.

Sie traten kürzlich am Blockchain Summit 2018 in Zug auf. Was haben Sie unter den Nerds verloren?
Vor drei Jahren weckte ein «Economist»-Artikel meine Neugier. Damals setzte ich mir in den Kopf, das Thema Blockchain in seiner Tiefe zu verstehen, weil ich das Gefühl hatte, hier würde sich eine Revolution anbahnen. Darauf habe ich mich hinters Thema geklemmt. Ich bin nicht der Einzige über 55, der sich für das Thema interessiert. Wir sind zu dritt: Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Ueli Maurer und ich (lacht). Ich rechne den Bundesräten hoch an, dass sie sich aus erster Hand im Crypto Valley ins Bild setzen.

Und welche Fragen treiben Sie im Crypto Valley um?
Zuerst waren es ganz banale: Was ist Blockchain? Was leistet es? Nicht nur im Finanzsektor, sondern auch in anderen Anwendungen, etwa beim Internet of Things. Später schrieb ich in meinem Newsletter über Blockchain. Seither werde ich ständig für Vorträge eingeladen.

Sind Sie auf Augenhöhe mit den Technologie-Begeisterten?
Es geht nicht darum, den Tüftlern und Ingenieuren zu erklären, wie Blockchain funktioniert. Ich sehe meinen Mehrwert darin, gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftliche Themen einzubringen. Dabei stelle ich fest, dass die Akteure viel über die Technologie wissen, aber darüber hinaus kaum nachdenken.

Was verpassen die Techies?
Es gibt traditionell zwei Formen von Eigentum: das gewährte Eigentum. Da definiert ein Dritter, was einem gehört. Eine Bank führt das Konto einer Person oder das Grundbuchamt stellt das Eigentum an Boden für jemanden sicher. Die zweite Form ist die intrinsische, der eigentliche Besitz – ich sitze auf meinem Stuhl. Nun kann man Eigentumsverhältnisse via Blockchain neu definieren. Blockchain-Eigentum ist intrinsisch – wie Besitz.

Durch Blockchain werden Intermediäre ausgeschaltet?
Richtig, Blockchain greift ins Eigentum ein. Dadurch kann der Kapitalismus neu gedacht und grundsätzlich verändert werden. Der Aktienbesitz muss nicht mehr durch eine Bank gewährleistet sein, das könnte künftig ein kryptografiertes Aktienbuch. Dann braucht es keine Depotbanken mehr. Und für den Staat stellt sich die Frage, wo er ansetzen will, um seine Steuern zu erheben. Denn wenn die Bank ausgeschaltet ist, kann man dort auch nicht mehr Steuern abgreifen. Was ich sage: Man muss all die strategischen Folgen überdenken. Dazu leiste ich einen Beitrag, indem ich auch auf das Konfliktpotenzial hinweise.

Die wichtigste Blockchain-Währung, Bitcoin, ist um über die Hälfte eingebrochen.
Bitcoin ist eine von vielen Kryptowährungen. Dass sie alle im Wert stark schwanken, überrascht nicht.

Ist wegen des Kurssturzes die Stimmung in der Community nicht getrübt?
Nein, in der Bitcoin-Szene hat es viele junge Leute, die mit Begeisterung die Welt neu erfinden wollen. Da ist eine grosse Aufbruchstimmung spürbar und es wird viel Testosteron ausgeschüttet. Allerdings ist man zum Teil übereuphorisch. Ich persönlich zweifle auch, ob der Konflikt zwischen den bestehenden und den neuen Technologien so einfach zu lösen ist.

Woran denken Sie?
Viele Leute träumen von der Ausbreitung von Miteigentumsverhältnissen aufgrund neuer Technologien. Aber nur schon bei der Entscheidungsfindung stellen sich Fragen. Das sieht man bei einer Immobilien-Miteigentümerschaft, wo über banale Fragen gestritten wird. Dann stellen sich Governance-Fragen bei Initial Coin Offerings (ICO), etwa bei der Prüfung der Herkunft der Gelder. Ich staune ab und zu auch, wie Forks – also Abspaltungen von Bitcoins – nach Mehrheitsentscheiden zustande kommen. Viele Fragen sind nicht einmal im Ansatz durchgedacht.

Und die Nationalbanker haben kein Interesse, dass Kryptowährungen eine bedeutende Rolle einnehmen, weil sie sonst die Hoheit über die Geldpolitik verlören.
Davon sind wir weit entfernt. Aber im Ansatz geht es schon um ein Konkurrenzieren. Fragen Sie einmal jene Zyprioten, die Bitcoin statt Euro gehalten hatten.

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Konrad Hummler: «An den Rauch und die Musik an Krypto-Events musste ich mich erst gewöhnen.»
Quelle: Maurice Haas/13 Photo

Zug hat sich als Kryptozentrum Europas etabliert. Überrascht?
Ja, aber noch mehr überrascht mich, dass die etablierte Firmenwelt sich nicht ernsthafter mit diesen schwierigen Themen auseinandersetzt. Ich treffe an diesen Anlässen zwar Bankenvertreter, aber es ist nicht die oberste Führungsriege, die sich vor Ort informiert – ganz im Gegensatz zum Bundesrat. Es kann in meinen Augen nicht sein, dass man die Entwicklung ein paar Juristen in Zug oder der Finma in Bern überlässt. Da müssten Hochschulen oder Firmen Denkarbeit leisten.

Sie selber werfen in der Blockchain-Community unangenehme Fragen auf?
Ja, und trotzdem werde ich geschätzt. Ich werde jedenfalls überflutet mit E-Mails und Anfragen. Sie finden es – um im Duktus zu bleiben – wahnsinnig geil, dass ich in dieser Bewegung mitmache. In der Wiederverwendung von mir ist dieses Wohlwollen ein schönes Gefühl.

Apropos Wiederverwendung: Wie reagiert Ihr früheres Banking-Umfeld auf Ihre neue Leidenschaft?
Relativ zurückhaltend (lacht). Eigentlich hätte ich nach dem Verkauf der Bank Wegelin an Raiffeisen eine gewisse Nachfrage für Beratungs- oder VR-Mandate erwartet. Aber der Hummler ist wegen der Wegelin-Geschichte offenbar immer noch schwer vermittelbar. Mit Leuten, die in ihrer Berufskarriere einen Knick hatten, will man in der Schweiz möglichst nicht mehr zu tun haben. Es gibt eine unsichtbare Wand.

Enttäuscht?
Nein, ich habe mich daran gewöhnt. Und ich beklage mich überhaupt nicht. Ich mache mit meinem Blockchain-Engagement neue Erfahrungen und lerne unheimlich viel. Jetzt weiss ich auch, dass Vorträge in dieser Szene viel kürzer und prägnanter sein müssen, weil niemand Zeit hat und jeder Anlass auf die Minute durchgetaktet ist. Und auch an die Rauchschwaden, die ab und zu über die Bühne wabern, wenn ich auftrete, habe ich mich gewöhnt. Auch an die Musik, die durch die Anlagen dröhnt, wenn ich aufs Podium steige, musste ich mich zuerst gewöhnen.

Konrad Hummler, der Multi-VR, der das Thema Blockchain in die Gremien trägt. Wie tönt das?
Damit könnte ich mich anfreunden. Wie gesagt, ich glaube, es muss in den Strategiegremien noch viel Denkarbeit betrieben werden, um die rasante technologische Entwicklung fürs eigene Unternehmen nachzuvollziehen. Diese Arbeit hat man beim Aufkommen des Internets in der Schweiz verpasst.

Nennen Sie mir eine praktische Anwendung für Blockchain, die Sie fasziniert.
Ich finde die Anwendung von Blockchain spannend bei der Verknüpfung von Personen mit Dingen, etwa zwischen einem Auto und dem Fahrer. Funktionen eines Autos kann man über einen kryptografischen Schlüssel definieren und steuern. Unterzeichnet jemand einen Automietvertrag, kann man festlegen, wie lange und wie weit er mit dem Auto fahren darf. Der Preis der Miete wird direkt von der Kreditkarte abgebucht; alles ist voll automatisiert. Das sind Ansätze, die gerade in Schwellenländern interessant sind, weil dort Leasing-Systeme nicht verbreitet sind – weil Verträge kaum durchsetzbar sind. Entweder sind die Gerichte oder die Polizei korrupt, die Banken funktionieren nicht oder die Distanz zum nächsten Vermieter ist zu gross. Hier könnte man sogenannte Smart Contracts einsetzen.

Und wie soll das gehen?
Wenn der potenzielle Mieter die Voraussetzungen erfüllt, tritt der Vertrag in Kraft. Statt Anwälten oder Gerichten sorgt bei Smart Contracts die Technologie für die Einhaltung eines Vertrags.

Und wenn der Automieter die erste Leasing-Rate nicht zahlt?
Dann kann man über die Blockchain-Technologie die Klimaanlage im Auto abstellen, beim Ausbleiben der zweiten Rate Scheibenwischer und Radio. Wenn er immer noch nicht zahlt, stellt der Motor ab. Das Auto ist via GPS, Google Earth und Blockchain ständig überwacht. Das ist ein konkretes Beispiel, das umsetzbar ist.

In Ihrem Landgasthof «Krone» in Speicher AR gehts rustikaler zu und her. Da gibts keine Smart Contracts, dafür Wurstsalat.
Es ist eine Art von Küche, die keine Gault-Millau-Punkte anstrebt, aber ganz gutes Essen serviert. Gute Läberli mit Rösti oder ein Kotelett. Die «Krone» ist eine erfreuliche Sache, das Boutique-Hotel hat zwölf Zimmer, dazu einen begehbaren Weinkeller. Die Nähe zur HSG bringt Seminargäste. Seit drei Jahren ist es offen und floriert.

Banker a. D.

Name: Konrad Hummler

Funktion: Partner des Think-Tank M1 in St. Gallen

Alter: 65

Familie: verheiratet, vier Töchter

Ausbildung: Studium Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Zürich und Rochester, Promotion

Karriere: 1981 bis 1989: Schweizerische Bankgesellschaft, persönlicher Assistent CEO Robert Holzach 1989 bis 2012: Bank Wegelin, ab 1991 als Teilhaber, Januar 2012 Verkauf eines grossen Teils des Wegelin-Geschäfts an Raiffeisen Gruppe 2004 bis 2012: Bankrat Schweizerische Nationalbank 2008 bis 2011: Präsident Vereinigung Schweizerische Privatbanken 2011 bis 2012: Präsident NZZ

Nicht rentabel ist Ihr Projekt, das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach aufzuführen. Da stecken Sie viel Geld rein.
Das ist ein Herzensanliegen von mir. Wir möchten die Ton- und Bildaufnahmen des Gesamtwerkes – 220 Werke – den kommenden Generationen weitergeben. Das ist ein Projekt, das zwanzig Jahre dauert und bis 2027 anhält. Und was das Schöne ist: Auch hier bringen wir neue Technologie ein.

Inwiefern?
Wir verbreiten Bachs Vokalwerke stark über Social Media. Bei Youtube erreichen unsere Videos Millionen von Klicks, bei Facebook Hunderttausende Fans. Dann haben wir eine Streaming-Plattform, die sich vielversprechend entwickelt.

Man zahlt pro Stück – wie bei iTunes?
Nein, unser Modell lautet: One dollar a day. Am meisten Traffic erhalten wir aus Brasilien und Mexiko. Nun möchten wir unsere nationale Tour ausdehnen. Das Problem ist aber die Grösse. Wir sind – fast wie bei der 9. Sinfonie von Beethoven – mit Orchester, Chor, Solisten unterwegs. Eine internationale Tournee würde meine finanziellen Möglichkeiten überschreiten, da brauchte es Sponsoren.

Und was macht Bühler Uzwil so reizvoll?
Hier geht es um ganz zentrale Fragen: Wir brauchen neue Proteinquellen, weil die Weltbevölkerung noch um drei Milliarden zunimmt, bis sie wieder sinkt. Daraus ergibt sich bei der Ernährung eine Proteinlücke. Die fehlenden Proteine lassen sich nicht mit Kühen und Schweinen herstellen, weil der CO2-Ausstoss viel zu gross wäre. Also braucht es Alternativen. Das sind Fragen, die Bühler antreibt. Da stellt sich denn auch die Frage, ob insektenbasiertes Protein eine Lösung wäre.

Neben Bitcoin treibt Sie in Ihren Aktionärsbriefen unser Verhältnis zur EU um. Sie haben die EU für ein Monster gehalten.
Nein, ich bin kein EU-Fresser. Auch habe ich nie aufs Totenglöcklein gehofft.

In Ihrem Buch zum Kleinstaat Schweiz steht: «Der Versuch zum impliziten Aufbau eines europäischen Bundesstaats ist gescheitert.»
Das Aufeinandertürmen von Rettungsschirmen in Europa halte ich für hoch problematisch. Der eigentliche Garant der EU ist mittlerweile die Europäische Zentralbank EZB. Ihr Vorgehen ist sehr problematisch. Man muss sich ausmalen, was geschehen würde, wenn jetzt eine exogene Krise ausgelöst würde. Ich frage mich schon, woher die EZB in einem Krisenfall ihre Feuerkraft nähme.

Nach der einschneidenden Finanzkrise ist die EU ohne grössere Blessuren über die Runden gekommen. Die Arbeitslosigkeit sinkt, die EZB denkt über eine Aufgabe des Quantitative Easing im September nach.
Aber der Preis ihrer Politik seit bald zehn Jahren ist hoch. Wir haben viel zu tiefe Zinsen, mit allen möglichen volkswirtschaftlichen Verzerrungen: Die Sparer und Geldgeber kriegen nichts für ihr Geld, die Pensionskassen müssen wegen fehlender Rendite immer höhere Risiken eingehen. Wenn die Risikoprämien für die USA höher sind als jene für Italien, ist etwas falsch. Ich bin da nicht so positiv, aber es stimmt: Wir sind über die Runden gekommen.

Die Schweiz braucht auf zentrale Europa-Fragen endlich Antworten, etwa zu einem institutionellen Rahmenabkommen.
Wir müssen mit dieser real existenten Umgebung zurande kommen, das ist klar. Mein pragmatischer Ansatz ist, wir dürfen nicht zu nahe an die EU heran. Wir dürfen uns auch nicht noch mehr verschenken. Und dann sollten wir versuchen, die grössten Unschönheiten in unserem Verhältnis zur EU wegzubringen. Dazu zähle ich die Guillotine-Klausel und die Forderung nach dem EU-Gerichtshof als letzte Instanz. Logisch, müssen wir uns arrangieren, nur muss man es intelligent machen.

Schiedsgericht statt EU-Gerichtshof?
Ja. Bei diesen Fragen – Guillotine, Gerichtshof – müssen wir endlich klar und hart sein. Für mich sind diese beiden Punkte unwürdig und bedeuten eine Einschränkung der nationalen Souveränität. Ich will mich mit der EU arrangieren, aber nicht noch mehr Souveränität abgeben. Das ist ein sehr pragmatischer Ansatz. Vielleicht wird ja schon bald bei den Linken die EU-Euphorie verfliegen. Denn nach den Europawahlen 2019 wird nur noch eine verschwindend kleine Zahl von Sozialisten im Rat sitzen – weil sie in Ländern wie Frankreich, Deutschland oder Italien stark an Sitzen und Macht verloren haben. Das heisst, es wird in einem Jahr in der EU eine Machtverschiebung nach rechts geben. Ich vermute, dass die EUBegeisterung dann schnell abnimmt.

Sie sind für ein Ende der EU-Fixierung und eine Hinwendung nach Ost und West.
Man muss als exportorientierte Nation stets die ganze Welt vor Augen haben. Mein Eindruck ist leider, dass die Pseudoelite und die Verwaltung immer noch wie früher ticken – und letztlich den EU-Beitritt anstreben.

Also Europa ignorieren?
Nein, nicht ignorieren. Aber man muss sehen: Europa ist ein Territorium, das an Bedeutung verliert. Andere werden wichtiger, etwa Asien. Da denke ich, dass wir gerade unsere Migrationspolitik nicht nur aus dem europäischen Winkel anschauen sollten, sondern aus globaler Perspektive.

Über zwanzig Jahre arbeitete Konrad Hummler für Wegelin, die älteste Privatbank der Schweiz. Die Bank war auf Expansionskurs: 2011 zählte sie schweizweit 14 Niederlassungen; 700 Mitarbeitende verwalteten Kundenvermögen von 24 Milliarden Franken. Das Ende kam mit einem Vermögensverwalter, den die USA festsetzten. Er kooperierte mit der Justiz; in der Folge wurden drei Wegelin-Anlageberater angeklagt. In einem Notverkauf ging Wegelin 2012 an die Raiffeisen Gruppe.

Die Firma M1 AG ist in St. Gallen domiziliert. Sie hat neben Konrad Hummler drei weitere gleichberechtigte Partner. Sie publiziert Kolumnen («Bergsicht») und berät Firmen und Stiftungen.

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Konrad Hummler im Gespräch mit Handelszeitung-Chefredaktor Stefan Barmettler: «Es überrascht mich, dass die etablierte Firmenwelt sich nicht ernsthafter mit Kryptothemen auseinandersetzt.»
Quelle: Maurice Haas/13 Photo

Donald Trumps sprunghafte Handelspolitik macht es nicht einfach, eine stabile Basis im Westen aufzubauen.
Ich bin kein Anhänger von Strafzöllen, aber wir können unsere Handelsbeziehungen vertiefen. Wir müssen uns vor Augen halten: Die Schweiz ist wirtschaftlich eine Mittelmacht und politisch ein Nobody. Entsprechend muss man sich arrangieren, mit den Europäern, den Amerikanern, den Chinesen. Und bis heute sind die USA die führende Wirtschaftsmacht.

Das galt auch in Ihrem Fall. Die USA haben faktisch den Verkauf der Wegelin-Bank ausgelöst.
Wir müssen leider auch die politische Übermacht der Amerikaner zur Kenntnis nehmen. Dieser Hegemon wird zwar durch China herausgefordert, aber er hat immer noch eine ungeheure Macht. Und wenn Sie mich auf die Wegelin ansprechen: Mit einem Hegemon kommt man lieber nicht in Konflikt. Ich persönlich habe zu spät gemerkt, mit welchen Möglichkeiten die USA ihre Interessen durchsetzen können.

Und sie tun es auch heute wieder, indem sie Strafzölle oder Importquoten einführen.
Für Schweizer Exportunternehmen sind diese protektionistischen Entwicklungen eine Herausforderung. Vielleicht muss man die Produktion auf drei, vier Standorte verteilen – und so quasi eine politische Hedge aufbauen.

Haben Sie nach dem Wegelin-Verkauf mit dem Swiss Banking abgeschlossen?
Ich bin seit dem 27. Januar 2018 aus dem Konkurrenzverbot, das ich beim Verkauf der Bank Wegelin an die Raiffeisen Gruppe unterschrieben habe.

Das heisst, Konrad Hummler kehrt in die Finanzbranche zurück?
Ab jetzt möchte ich gar nichts mehr ausschliessen.