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Die Spass-Macher für Unternehmen

Happy im Job: Die Kollegen glücklich machen. Pexels

In der Schweiz startet der erste Lehrgang zur Ausbildung zum Feelgood-Manager. Eine Spinnerei aus der Startup-Szene oder ein nötiges Berufsbild?

Von Barbara Sommer
am 20.08.2016

Unterstützen Sie den Aufbau des New Work und Feelgood-Managements in Ihrem Unternehmen. Mit diesem Werbespruch will der Weiterbildungsanbieter Prime Pool Schweizer Führungskräfte zu seinem neuen Kursangebot locken, wo sie sich zum Feelgood-Manager ausbilden lassen können.

In zehn Modulen zum Preis von 8900 Franken inklusive stattlicher 950 Franken Prüfungsgebühr sollen sie Anfang nächsten Jahres in Zug lernen, wie sie hauptberuflich ihre Kollegen glücklich machen können.

Betriebswirtschaftliche Notwendigkeit

Zu den Werkzeugen, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll, gehören Teambuilding, Stress-Management, Zeit-Management sowie die Vermittlung von Strategien für mehr Wohlbefinden. Klingt erst mal wie das klassische Instrumentarium externer Coaches. Wozu muss man sich also den Feelgood-Manager ins Haus holen?

Monika Kraus-Wildegger vom Online-Portal Goodplace nennt den Feelgood-Manager sogar eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit – durch den Wandel von der Industrie hin zur Wissensgesellschaft, den Fachkräftemangel, die Digitalisierung und den Wertewandel: Wenn man diesen Vierklang nimmt, wird der Mensch immer mehr zum unverzichtbaren Produktionsfaktor.

Unternehmen soll profitieren

Der Feelgood-Manager sei da, um die Bedürfnisse der Beschäftigten aufzufangen und ein gutes Miteinander zu schaffen, sagt Kraus-Wildegger, die selbst Seminare zum Thema anbietet. Die Spezialisten für Unternehmenskultur sollen für beste Rahmenbedingungen sorgen. Davon profitiere wiederum die Firma, durch bessere Leistung.

Ein Feelgood-Manager könnte auch bei der Entwicklung des Teamgeistes und Zusammenhalts des Teams helfen, indem er oder sie Bewertungsmethoden nutzt wie zum Beispiel den Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI), bei dem psychologische Typen erfasst werden, oder das Firo-B-System, bei dem es um die Analyse von Teamdynamiken geht. Dadurch sollen Teams enger zusammenwachsen, effizienter arbeiten und dadurch auch bessere Ergebnisse liefern.

100 Feelgood-Manager in Deutschland

In der Schweiz gibt es bisher kaum Feelgood-Manager in Unternehmen. In Deutschland hingegen sollen es schon mehr als hundert sein, zwei Drittel davon Frauen. Der Internet-Dienstleister Jimdo begründet seinen Einsatz von Feelgood-Managern damit, dass man keine ausgelaugten Mitarbeiter wolle, sondern solche, die Lust auf ihre Aufgaben haben.

Zudem sei es in Zeiten des Fachkräftemangels zwingend, eine möglichst attraktive und ansprechende Arbeitsumgebung für gut ausgebildete Job-Bewerber zu bieten.

Freiwilligkeit und Spass sind zentral

Allerdings funktioniert das Konzept nur unter gewissen Bedingungen, betont Gesundheits- und Wirtschaftspsychologin Julia Scharnhorst: Es muss sehr darauf geachtet werden, dass Veranstaltungen freiwillig sind und dass der Spass im Vordergrund steht, dass die Treffen nicht zur Dienstbesprechung werden.

Und um vor Burnout und Co. gewappnet zu sein, reiche eine gute Arbeitsatmosphäre allein allerdings nicht aus. Wenn Arbeitsprozesse ungünstig organisiert sind und deswegen Stress aufkommt, hilft es mir wenig, wenn ich anschliessend mit der Belegschaft grillieren gehe, sagt Scharnhorst.

Feelgood-Manager müssten sich zudem ernsthaft mit internen Strukturen befassen und sich zutrauen, auch Tabus anzusprechen. Mit reiner Spassmacherei ist der Job nicht getan.

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