Geld allein macht nicht glücklich - aber es gestattet immerhin, auf angenehme Weise unglücklich zu sein (Jean Marais). Wenn also der Lohn nicht der allein selig machende Grund ist, weshalb junge Menschen in einen Beruf einsteigen, was ist es denn?

Über dieses Thema ist schon enorm viel Tinte vergossen worden - die Quintessenz davon ist eigentlich meistens: Die Arbeit muss Sinn machen. Und Freude. Und wenn sie darüber hinaus auch gleich noch Karrierechancen eröffnet, den Horizont erweitert, das soziale Netzwerk verdichtet, wenn ein gutes Arbeitsklima herrscht, man ernst genommen wird, eigene Vorschläge einbringen kann, wenn Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten warten, die Technologie auf dem höchsten Stand ist und die Vorgesetzten etwas von ihrem Job verstehen, nicht zuletzt der Lohn trotz allem noch stimmt und die Sozialleistungen ebenfalls, wenn dazu der Ruf des Arbeitgebers unbeschädigt ist …, kurz: Wenn all diejenigen Leute, deren Meinung einem wichtig ist, es toll finden, dass man dort arbeiten darf, dann kann man sich freuen, und einer hohen Motivation sollte eigentlich - zumindest für die erste Zeit - nichts mehr im Weg stehen.

Unverwechselbar werden

Nur: Wie findet man solche Arbeitgeber, falls es sie überhaupt gibt? Oder andersrum: Wie machen solche Arbeitgeber, falls es sie überhaupt gibt, auf sich aufmerksam? Denn wer ein derart breites Angebot an Leistungen offeriert, möchte gerne dafür auch exzellente Kandidatinnen und Kandidaten bekommen. Und da die breite Konkurrenz der Mitbewerber auch ohne grossartige Leistungen ebenfalls die Besten auf dem Markt der Arbeitswilligen zu rekrutieren trachtet, muss man sich als Unternehmen etwas einfallen lassen.

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Im aktuellen Buch «Top Arbeitgeber der Schweiz 2010» stellen die Firma CRF und die «Handelszeitung» die Resultate ihrer zum dritten Mal durchgeführten Auswertung vor. Die porträtierten 18 Firmen erfüllen die Kriterien, die heute von Absolventen und Young Professionals an ein modernes HR-Management gestellt werden.

Dies ist ein Weg des Employer Branding, mit dessen Hilfe sich Arbeitgeber als Marke aufbauen können, als jemand, der Werte nicht nur vermittelt, sondern auch glaubwürdig lebt. Um diejenigen Interessenten anzuziehen - und als Mitarbeitende auch langfristig zu behalten -, die zur Unternehmenskultur passen, also die «right potentials» und nicht unbedingt die «high potentials». Employer Branding ist aber mehr als nur Kommunikation und Marketing, mehr also als reine Verkaufe. Es muss glaubwürdige Inhalte transportieren, damit die Mitarbeitenden stolz sind auf ihren Arbeitgeber und sich mit ihm identifizieren.

Geringschätzung rächt sich

Das tönt in Zeiten des «Hire and fire» fast ein wenig wie aus dem Poesiealbum des glücklichen Büezers, vor allem wenn man weiss, dass 80 bis 90% der Arbeitnehmenden keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Gut möglich, dass dies so manchem Unternehmensführer so ziemlich egal ist - aber das werden bald auch die Kunden zu spüren bekommen, mit denen die betreffenden Mitarbeitenden zu tun haben, und dann fängt es an zu schmerzen.

Attraktiv sein als Arbeitgeber heisst also nicht nur, auf Berufseinsteiger und fähige Neulinge Anziehungskraft auszuüben, sondern mindestens ebenso stark, die bestehenden Mitarbeitenden zu halten, sind sie es doch, die einerseits die Frischlinge sozialisieren und anderseits auch eine gewisse Garantie für Nachhaltigkeit bieten. Wenn sie als Markenbotschafter für den eigenen Arbeitgeber fungieren sollen, müssen sie entsprechend geführt und bei der Stange gehalten werden.

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In der Tabelle links wird ersichtlich, wie es den verschiedenen Firmen gelingt, die unterschiedlichen Kriterien zu erfüllen und so die eigene Attraktivität als Arbeitgeber gegen innen wie gegen aussen zu steigern und zu halten.