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Er braucht den Maserati nicht zum Rasen

Nach der als frauenfeindlich kritisierten Werbung für IWC-Uhren sorgt Michael Sarp mit den «Männerguetsli» von Wernli für rote Köpfe. Der Biskuitbäcker gehört wie der Unterwäschehersteller Zimmerli zu

Von mélanie knüsel-rietmann
am 21.11.2007

MICHAEL SARP. War das eine Aufregung bei den Russen und bei den Feministinnen! Michael Sarp hat überall, wo er wirkte, unverwechselbare Spuren hinterlassen. Bei den Russen, weil es ihm gelungen war, diesen trinkfesten Söhnen Iwans amerikanischen Wodka en masse zu verkaufen. «Ganze Wagenladungen auf Anhieb», erzählt er und lacht. Diese Story erinnert beinahe an den berühmten Witz vom Verkäufer, dem es gelungen ist, den Eskimos Kühlschränke anzudrehen.

Der nächste Streich von Michael Sarp war noch riskanter: In seiner Funktion als CEO von IWC in Schaffhausen schockierte er die Frauen mit einer gewagten Kampagne. «Du kannst alles von mir haben – mein Haus, meinen Wagen, nur nicht meine IWC.» Oder: «Scheiben putzen ist Männersache. Bis 42 mm Durchmesser» oder «Männer sind treuer, als man glaubt. Von einer IWC trennen sie sich nie».Es hagelte Proteste und Lob. Eine Frau verklagte ihn gar und blitzte vor Gericht ab. Das Verrückte daran ist nur, dass dieses Gericht mehrheitlich aus Frauen zusammengesetzt war. Endeffekt der ganzen Werbeübung: Plötzlich gönnten sich auch viele Frauen eine Uhr von IWC.Sarp lässt unverblümt durchblicken, dass er nicht auf «so doofe Lifestyle-Werbung» abfährt. Einmal hat er dann aber doch kalte Füsse bekommen und eine Headline rausgekippt. Welche denn? Sarp schmunzelt: «IWC, Balzschmuck einer bedrohten Art.»

Furore mit «Männerguetsli»

Sarp kann das Provozieren einfach nicht lassen. Als CEO der v.Nordeck Holding mit Hauptquartier in Oberuzwil SG, hat er bereits wieder für Aufruhr gesorgt. Zu dieser Unternehmensgruppe, die durch den Kauf von Zimmerli, Hersteller von Luxus-Unterwäsche, kürzlich von sich reden gemacht hat, gehört auch der «Guetsli»-Produzent Wernli. Bislang waren die Werbespots aus diesem Haus bieder. Doch mit Sarp kam Leben in diese Backstube. Es wurde ein Gebäck unter der Bezeichnung «Guara» kreiert mit dem Hinweis «For Men only».Diese heute als «Männerguetsli» bekannte Süssigkeit wurde zu einem Renner. Aber nicht etwa, weil sie nur Männer kauften. Im Gegenteil. Sarp kann herzlich lachen, wenn er wieder einen seiner Coups schildert. «Es ist bekannt, dass Männer lieber dunkle als helle Schokolade mögen. Seit erwiesen ist, dass dunkle Schokolade erst noch weniger dick macht, wurde sie auch von Frauen entdeckt. Mit ‹For Men only› haben wir Furore gemacht», sagt er.

Akquisitorische Freiersfüsse

So offen Sarp auf Anhieb wirkt, so verschlossen kann er werden, wenn es darum geht, zu verraten, was er als Nächstes in Angriff nehmen wird. Man könne ihm «Löcher in den Bauch fragen», er werde darüber kein Wort verlieren. Dabei ist er in der Schweiz bereits wieder auf akquisitorischen Freiersfüssen. «Ich werde eine Perlenkette knüpfen», sagt er mit Blick auf Wernli und Zimmerli.Darauf angesprochen, was er sich von einer guten Fee wünschen würde, sagt er ohne Wimpernzucken: «Zehn kleine Zimmerli.» Verständlich, denn dieses Kleinod krönt seine bisherige Akquisitionsstrategie. Walter Borner suchte eine Nachfolgeregelung, nachdem er Zimmerli erfolgreich saniert hatte. Zimmerli wirbt mit dem Slogan «the world’s finest underwear». Immerhin tragen etwa Robert De Niro, Richard Gere, Tom Hanks, Nicole Kidman und Karl Lagerfeld diese Feinripp-Wäsche.Die Frage stellt sich, wie Guetsli und Nobelunterwäsche zusammenpassen. «Ich lasse mich vom Manufakturgedanken leiten.» Und das heisst konkret? «Ich halte nach Unternehmen Ausschau, die eine klare, traditionsreiche Geschichte haben, deren Produkte von der Einzigartigkeit geprägt sind und deren Mitarbeitende eine Liebe und Leidenschaft zu ihrer Arbeit haben», umschreibt Sarp seine Erwerbungs-Strategie und ahnt wahrscheinlich gar nicht, dass er sich selber skizziert hat.

Ein Genussfahrer

Natürlich wird in der Wirtschaftspresse jetzt viel darüber gerätselt, welches sein nächster Coup auf der Einkaufsliste sein könnte. Etwa Unternehmen wie die Sportschuh-Spezialistin Künzli? Firmen wie diese würden dem Anforderungsprofil für seine Manufaktur-Strategie entsprechen. Und seinem Flair für Brands, das er buchstäblich vom Scheitel bis zur Sohle auch äusserlich – nicht nur in seiner Karriereleiter – manifestiert. Dazu passt, dass er einen Maserati fährt, aber trotzdem nie eine Geschwindigkeitsbusse hatte. Er gehört eben zu den Genussfahrern.Aber was führt er jetzt im Schild? Bis zum nächsten Handshake wird er nichts verraten.Dafür erfährt man viel über die Gene, die ihn umtreiben und das Geheimnis seiner Fröhlichkeit, die er immer wieder verbreitet. «Ich bin mit Wein gross geworden und in der Nähe von Mainz aufgewachsen. Von dort kommen die lebenslustigsten Deutschen. Wer sich dort in einer Besenwirtschaft allein an einen Tisch setzt, während andere schon gemütlich in einer Runde trinken und diskutieren, hat schlechte Karten», sagt er.20 Jahre lang war er im Weingeschäft tätig. «Dann wollte ich mich mit etwas anderem befassen. Ich fürchtete, betriebsblind zu werden.» Ein Job-Hopper ist Sarp deswegen nicht geworden. Aber er blieb in allen beruflichen Veränderungsschritten dem Hang zu starken Marken treu. Etwa als CEO bei Goldpfeil, einer noblen Lederwaren-Firma, oder eben bei IWC sowie heute bei v. Nordeck. Diese Holding ist aus der Bahlsen-Gruppe als Folge einer Erbteilung hervorgegangen. Der Schweizer Ableger dieses grossen Feingebäck-Imperiums mit so bekannten Marken wie Leibniz-Kekse ist unter drei Familienstämme aufgeteilt worden, wobei die verstorbene Bettina von Nordeck, geborene Bahlsen, in der Ostschweiz gelebt hat. Ihre Söhne haben – wie es sich für viele junge Deutsche aus gutem Hause gehört – an der HSG studiert und sind im Besitz der v. Nordeck Holding, die von Michael Sarp geführt wird.Dass auch er in der Schweiz lebt, liegt nicht nur daran, dass er Land und Leute lieben lernte, sondern hat auch einen tieferen Grund: Seine Frau besitzt in Zürich ein erfolgreiches Geschäft für französische Dekorationsstoffe, Einrichtungen und Wohnaccessoires. Zusammen mit ihr hat er auch – als einziger Mann – an einer Kampagne für die weibliche Krebsvorsorge teilgenommen. «Das schien mir einfach so wichtig, dass ich mir dafür nicht zu schade war.»

Der geheime Wunsch

Einmal angenommen, er könnte sich noch einen geheimen Wunsch erfüllen. Gibt es den überhaupt, nachdem er einen spannenden Job und eine interessante Frau hat? Sarp muss sich nicht lange besinnen. «Ich machte vor ein paar Jahren eine Reise auf einem Containerschiff. Die Route führte von Genua nach Montevideo. Das war einfach die Höhe. Ich lebte mit den Matrosen, arbeitete mit ihnen und spielte Tischtennis mit dem Kapitän. Es gab zwar Zeiten, in denen ich beinahe erwog, das Schiff zu verlassen, nicht wegen der Atmosphäre, sondern wegen der Sturmböen, die einen nicht schlafen liessen. Man musste Bretter links und rechts des Bettes einstecken, damit man nicht auf den Boden fiel. Aber ich blieb und hatte eine der besten Zeiten meines Lebens. Das möchte ich noch einmal erleben.»Wenn Sarp demonstriert, wie er den philippinischen Matrosen Rolling-Stones-Lieder vorgesungen hat, kommen einem vor Lachen schier die Tränen. Die Zeit mit ihm vergeht wie im Flug. Sarp hat neue Termine, neue Verhandlungen und Ideen – aber darüber verliert er kein Wort.

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