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arbeiten!

Mehrwert
Hallo, wir wollen länger 
arbeiten!

«Das offizielle Rentenalter ist eine unnötige Schallgrenze». Pixabay

Fit im Alter? Dann sollte jedermann selbst entscheiden, wann er sich pensionieren lassen will. Das offizielle Rentenalter sollte nur als Richtwert angesehen werden.

Von Corin Ballhaus*
am 08.02.2017

Wir leben länger – und erst noch mit höherer ­Lebensqualität. Da ist es für mich nur selbstverständlich, dass wir länger arbeiten und damit erst noch ­länger vorsorgen. Aber wehe dem, der es wagt, eine Erhöhung des Rentenalters vorzuschlagen. Ist man gar eine Frau, ist man einem Shitstorm ausgesetzt. Wieso eigentlich?

Für mich als Unternehmerin ist das offizielle Rentenalter eine künstliche und unnötige Schallgrenze. Mit Verlaub: Die Begeisterung für meine Firma und meine Arbeit hat kein Verfallsdatum. Ich entscheide frei, wie lange ich aktiv sein will und wann ich mit dem Kürzertreten beginne. Staatliche Vorschriften brauche ich dazu nicht.

Freiwillig länger arbeiten

Da ich im Dienstleistungsbereich tätig bin, sind mir kaum physische Grenzen gesetzt, wie sie in der Diskussion gerne als Argument gegen längeres Arbeiten angeführt werden. Und das, obschon nur ein kleiner Teil der Erwerbstätigen überhaupt noch körperliche Arbeit leistet. Und warum soll ich im Alter nicht nochmals eine neue unternehmerische Herausforderung annehmen, wenn ich dazu Lust verspüre?

Umso mehr freut mich, dass in der Bevölkerung endlich ein Umdenken im Gang ist. In der Umfrage eines grossen Schweizer Versicherers haben jüngst ­immerhin rund 40 Prozent der Befragten angegeben, dass sie gerne freiwillig ­länger arbeiten würden respektive gerne länger gearbeitet hätten als bis zum ­offiziellen Rentenalter. Eine flexiblere Handhabung des Rentenalters statt ­starrer Grenzen muss hierzulande die Lösung sein.

Vorsorge

Was sich jedoch für mich nicht ändert: Mein Bedürfnis, für mein Alter finanziell vorzusorgen. Aber da endet die Zeitrechnung der Vorsorgeanbieter heute noch immer bei siebzig Jahren. Gefragt sind also die Anbieter mit Weitblick, die Antworten auf die Bedürfnisse einer wachsenden Bevölkerungsgruppe ­haben – immerhin ist bereits jeder fünfte Erwerbstätige selbstständig – und die sich nicht hinter der Gesetzgebung verstecken. Denn der Gesetzgeber hat sich noch nie als Innovator hervorgetan, ­sondern folgt dem Markt – manchmal früh, meistens spät.

*Corin Ballhaus, Inhaberin Ballhaus Profiling und Mitglied des Verbands Frauenunternehmen
 

In der Kolumne «Mehrwert» schreiben erfolgreiche Geschäftsfrauen über die Arbeitswelt.

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