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Netzwerke
LinkedIn hat 11 Millionen Mitglieder im DACH-Raum

LinkedIn steigert die Zahl der Nutzer
 Quelle: Brigitta Lopez

Das Karrierenetzwerk steigert seine Mitgliederzahl in der Schweiz, Deutschland und Österreich auf 11 Millionen. In Zürich ist LinkedIn besonders beliebt.

Von Stefan Mair
am 31.01.2018

Wachstum über alles. Das ist das Motto der wichtigsten sozialen Netzwerke weltweit. Auch in Netzwerken wie Linked­in und Xing, die sich auf Karriere ­fokussieren, ist ein knallhartes Wettrennen im Gang. Nun verkündete ­Linkedin die nächste Marke in diesem Wettbewerb. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das Netzwerk 11 Millionen Mitglieder und ­nähert sich damit Xing mit knapp 14 Millionen an.

Besonders wichtig für die Linkedin-Expansion: die Schweiz. Zürich ist die Stadt mit den zweitmeisten Mitgliedern im ganzen deutschsprachigen Raum, verraten die Linked­in-Mitgliederzahlen. In den sieben ­Firmen mit den meisten Angestellten, die auch auf Linkedin vertreten sind, finden sich gleich vier Schweizer ­Unternehmen mit UBS, CS, Novartis und Roche. Die vielen Schweizer Mitglieder und die gut gefüllten HR-Kassen der globalen Player hierzulande sollen die Monetarisierung der Plattform unterstützen. «Die Schweiz spielt eine Schlüsselrolle», so Linkedin-Geschäftsleitungsmitglied Barbara Wittmann.

Zürich auf Platz zwei bei Nutzerzahl

Nötig im Unterscheidungs- und Profilierungswettbewerb gegenüber Unternehmen und Nutzern sind Tools, die die Karriere der Mitglieder unterstützen, und Techniken, die die HR-Arbeit erleichtern. Linkedin präsentiert dafür in dieser Woche einige Pläne und Instrumente, welche die «Handelszeitung» vorab analysieren konnte: Etwa ein Instrument namens «Karrieretipps und Mentoring». Damit können sich Mitglieder von anderen Nutzern zu ihrer Karriere beraten lassen. Um einen Mentor zu finden, kann das Mitglied eine Vorauswahl an Präferenzen wie Branche, Region und Industrie treffen.

Anschliessend gibt es Vorschläge für mögliche Mentoren. Mitglieder können sich zudem verschiedene berufliche Laufbahnen ­ansehen, erklärt Linkedin-Sprecherin Gudrun Herrmann, und auf Nutzer zugehen, die einen ähnlichen beruf­lichen Weg absolviert haben, aber beispielsweise zehn Jahre weiter in ihrer Karriere sind oder eine andere Richtung eingeschlagen haben. Linkedin verfolgt mit dem Tool wohl das Ziel, die Dynamik unter den Mitgliedern in Richtung Karrierehilfe und weg von reinem Selbstmarketing zu bringen. Da diese Eigen-PR viele Mitglieder nervt, hat das Tool gute Chancen.

Neuer Gehaltsvergleich

Ein neues Instrument, das seit kurzem live geschaltet ist, ist der Gehaltsvergleich, anhand dessen Mitglieder ihr Salär mit dem von anderen vergleichen können. Der Gehaltscheck lässt sich an den Faktoren Branche, Region, Ausbildung und Position im Unternehmen verfeinern. Am meisten Gehaltsdaten hinterlegt wurden bisher von Mitgliedern, die in den Bereichen Automobilindustrie, Bank- und Finanzwesen und IT arbeiten.

Neue Produkte will Linkedin auch im Bereich Rekrutierung liefern. Hier besteht das Ziel, Firmen und Mit­arbeiter noch schneller zusammenzubringen. «Dabei nutzen wir Talent ­Intelligence auf Linkedin. Sprich die Daten und darauf basierende Erkenntnisse, die sich bei uns auf der Plattform finden. Diese helfen Recruitern und Unternehmen bei der Personalbeschaffung, indem sie einsehen können, wen sie wann und wie am besten ansprechen», erklärt Barbara Wittmann, die in der Geschäftsleitung von Linkedin DACH sitzt und für den Bereich Rekrutierungslösungen verantwortlich ist.

Künstliche Intelligenz nutzen

So würden beispielsweise gerade viele Jobs im Bereich künstliche Intelligenz entstehen. Häufig fehlt es jedoch an Kandidatinnen und Kandi­daten, welche dafür die notwendigen ­Fähigkeiten besitzen. Über Linkedin können HR-Fachkräfte gezielt nach Kandidaten suchen, die beispielsweise 75 Prozent der für den Job notwendigen Fähigkeiten besitzen. Die HR-Fachkraft weiss dann, welche Kenntnisse der Kandidat noch erwerben soll, und kann spezifisch auf die Person zugehen oder ihr ein Weiterbildungsangebot anbieten. Linkedin will ein sogenanntes datengestütztes Rekrutierungsverhalten etablieren und die Suche nach Fachkräften dadurch erleichtern.

Das dahinterliegende Ziel ist klar: Linkedin muss so so tief wie möglich in den Rekrutierungsprozess in Firmen einsteigen, bei dem – im Gegensatz zu den Mitgliederprofilen – am meisten Geld zu holen ist. Ob das Projekt Top oder Flop sein wird, ist ­abhängig von der tatsächlichen Intelligenz des Datenbergs von Linkedin. Sind die Prognosen und Analysen der KI zu schwach, wird sie wohl schnell wieder durch Menschen ersetzt.

Keine Office-Integration

Die Expansionsstrategie des Kar­ri­erenetzwerks ist vor allem aber auch eine Attacke auf viele Anbieter und Dienstleister im Personalbereich. Vor allem der Gehaltsvergleich lohnt ­einen genaueren Blick. Bisher ist die Sammlung und der Vergleich von ­Gehaltsdaten auf neue Online-Portale wie Glassdoor oder etablierte Anbieter wie Kienbaum aufgeteilt. Firmen wie Kienbaum können einige tausend Franken für ihre Gehaltsreports verlangen, in denen Hunderte Positionen und Hierarchiestufen nach dem Verdienst aufgeschlüsselt sind. Die Datensammlung dieser Firmen erfolgt aber aufwendig durch Nachfragen bei Firmen.

Linkedin lässt die Nutzer selbst ihr Gehalt offenlegen und spart sich damit den Umweg über die ­Firmen. Diese klassische Plattformstrategie, bei der Nutzer selbst Daten preisgeben, die das Netzwerk in ­Zukunft dann monetarisieren kann, könnte zu einer Gefahr für Kienbaum und Co. werden. Vor allem muss ­Linkedin für die Gehaltsdaten ja eine schlüssige Monetarisierungsstrategie entwickeln. Und die vielversprechendste wäre, Firmen Einblicke in die Gehaltsdatenbank im Paket zu verkaufen oder für Branchen zugeschnittene Gehaltsreports zu erstellen – also genau das Geschäft von Kienbaum und Co. Ob die Linkedin-User, die ihr Gehalt offengelegt haben, dem zustimmen müssen oder wie die Auswertung der Daten diesen verkauft wird, bleibt noch abzuwarten.

Im neuen Linkedin-Schlachtplan finden sich hingegen noch keine Details zu einer möglichen Integration von Office-Anwendungen in das Linked­in-Universum. Seit der Übernahme durch Microsoft war eine solche Zusammenarbeit immer wieder vermutet worden. Ein klares Ziel ­hingegen ist der lukrative Weiterbildungsmarkt. Hier will das grösste Karrierenetzwerk der Welt über die Plattform Linkedin Learning seinen Anteil am Kuchen sichern. Dort sind bereits 5 000 deutschsprachige Kurse aufgeschaltet, durch die Mitarbeiter ihr Wissen ausbauen sollen. Auch hier ist klar, dass sich Linkedin als Aggregator und Vermittler im unternehmens­internen Prozess der Weiterbildung etablieren will. 

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