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  2. Framing und Wolf-Methode: CIA-Tricks für den Alltag

Kreativität
Mit CIA-Methoden durch den Arbeitsalltag

CIA Tricks for work

So stellt man sich die CIA-Ausbildung vor: Trainingscenter «The Farm» in der ABC-Fernsehserie «Quantico».

Quelle: ABC via Getty Images

Ideen-Framing, Wolf-Methode, Museumstrick: Ausbildner der CIA erklären, wie sie Spionen beibringen, Probleme zu lösen. Dies hilft auch im Job.

Von Stefan Beutelsbacher («Die Welt»)
am 24.03.2019

Im Lehrbuch, das angehende CIA-Analysten erhalten, steht ein Spruch des schottischen Whisky-Brenners Thomas Dewar. Dem Mann gelang es im 19. Jahrhundert, den Betrieb der Familie mit kreativem Marketing in ein internationales Unternehmen zu verwandeln. Amerikas Auslandgeheimdienst zitiert Dewar nun mit den Worten: «Gehirne sind wie Fallschirme, sie funktionieren nur, wenn sie offen sind.»

Die  CIA tut viel, um ihren Agenten kreatives Denken beizubringen. Was sie lernen, lässt sich aber nicht nur in der Welt der Geheimdienste anwenden, sondern auch in Normalo-Jobs.

1. Sprache: Der Plural lädt zum Denken ein


Wie also wird man kreativ, wie hat man gute Ideen quasi auf Knopfdruck? Und das auch unter Stress? Die beiden CIA-Ausbildner Jacob Eastham und ­Nyssa Straatveit haben auf dem Technikfestival South by Southwest in Austin, ­Texas, eine Drei-Punkte-Anleitung vorgestellt: Alles beginnt mit der Wortwahl. So können Debatten in die gewünschte Richtung gelenkt werden.

Die CIA-Ausbildner raten, eine «einladende Sprache» zu benutzen, wenn es Probleme zu lösen gilt. Eastham entwirft ein Szenario: Der Chef ist unzufrieden mit den Arbeitsabläufen. Er beruft eine Konferenz ein und fragt die Angestellten: Wie ­arbeiten wir besser? «Das ist eine Frage, die in eine Sackgasse führen kann», sagt Eastham. Das «Wie» suggeriere, es gebe nur eine Antwort. «Und alle Mitarbeitenden jagen dann dieser Antwort nach, statt sich mit verschiedenen Lösungen zu beschäftigen.»

Es sei deshalb besser, die Frage umzuformulieren in: Welche Möglichkeiten gibt es, unsere Arbeit zu verbessern? «Der Plural lädt zum Denken ein», so Eastham. 

So macht man es auch bei der CIA. Eastham erzählt von einer Arbeitsgruppe, die über eine grosse Zukunftsfrage grübelte, nämlich: Was würde geschehen, wenn der Menschheit das Essen ausgeht?

2. Inspiration: Eintauchen in neue Welten

Die Antworten der Analysten seien durchwachsen gewesen, meint Eastham. Sie seien aber besser geworden, nachdem man die Frage umformuliert habe, und zwar in: Welche Szenarien sind denkbar, wenn der Menschheit das Essen ausgeht? «Kleine sprachliche Änderungen», sagt Eastham, «können enorme Folgen haben.»

«Inspiration kommt nicht einfach so», meint Eastham, «sie muss angelockt werden.» Aber wie geht das? Der CIA-Ausbildner empfiehlt etwa, Zeitschriften zu lesen, für die man sich eigentlich nicht interessiert. Oder ein Museum zu besuchen, das man sich sonst nie anschauen würde.

«Wenn unsere Gehirne in neue Welten eintauchen», erklärt Eastham, «dann kommen uns auch neue Gedanken.» Bei der CIA, erzählt er, schickte man die Analysten ­regelmässig in Kunstmuseen. Einer der Mitarbeitenden sei dort vor dem Bild ­eines Wasserfalls auf eine neue Idee ­gekommen, wie er die Entstehung von Terrorgruppen beschreiben könne. Der Anblick des Wassers habe den Mann inspiriert.

Seither erkläre er das Phänomen seinen Zuhörern so: An einem entle­genen Punkt – der Quelle – entspringt eine düstere Ideologie und gewinnt Anhänger. Das Rinnsal verwandelt sich also in einen Fluss. Wir können versuchen, diesen Fluss mit einem Damm zu stoppen und so weiter.

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3. Wolf-Methode: Von anderen Berufen lernen


Wolf-Methode, so nennen Eastham und Straatveit ihren dritten Ansatz. Wer vor einem Problem stehe, sagen sie, der solle auch jenseits seines Fachgebietes, jenseits seiner vertrauten Gedankenmuster nach Lösungen suchen. Der solle in unbekanntes Terrain vorstossen – mutig wie ein Wolf. Die beiden CIA-Mitarbeiter raten etwa, sich immer wieder zu fragen: Was kann ich von Berufen lernen, die eigentlich nichts mit mir zu tun haben?

Bei der CIA, erzählt Eastham, ­arbeiteten sie mit Hollywood-Drehbuchautoren zusammen, um zu lernen, wie man Politikern geheimdienstliche Erkenntnisse spannend präsentiere. 

«Es geht darum, die Komfortzone zu verlassen», sagt Eastham. Eine dieser Komfortzonen sei auch die Sprache. «Wir fordern unsere Analysten deshalb immer wieder auf, die Probleme, an ­denen sie arbeiten, anders auszudrücken.» So lasse man sie Entwicklungen im Nahen Osten manchmal nicht mit Worten beschreiben, wie sie es gewohnt seien – sondern malen.

Terror, festge­halten auf einem Gemälde statt in einem Dutzende Seiten umfassenden Bericht: Das soll den Geheimdienstlern einen ­frischen Blick auf die Dinge geben. «Klingt esoterisch», meint Eastham, «hilft aber wirklich.»
 

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