Der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist mit 85 Jahren gestorben. Das teilte Chanel am Dienstag in Lagerfelds Geburtsstadt Hamburg mit.

In der Welt der Mode galt der am 10. September in Hamburg geborene Karl Lagerfeld seit dem Tod von Yves Saint Laurent als Alleinherrscher. Als Geburtsjahr nannte er selbst einmal 1935, andere Quellen sprachen von 1938 oder auch 1933.

Seit dem Jahr 1983 war «Karl, der Grosse», wie ihn die Modewelt nannte, für den Luxuskonzern Chanel tätig. Noch länger entwarf er Damenmode für das italienische Haus Fendi. Zudem brachte er regelmässig Mode unter seinem eigenen Namen heraus.

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Traumkreationen

Karl Lagerfeld hat königliche Körper in Traumkreationen gehüllt und Outfits für Pop-Stars wie Madonna und Kylie Minogue entworfen. Er hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt. Mitte der 50er Jahre begann er in Paris grosse Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi zum Erfolg zu führen.

Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews.

Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm. Kollektionen unter seinem eigenen Namen entwarf er ab Mitte der 70er Jahre. Heute hinterlässt der Wahlpariser ein Modeimperium, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird.

Das Modeimperium von Karl Lagerfeld

PARIS, FRANCE - JULY 05: Fashion designer Karl Lagerfeld walks the runway during the Fendi Haute Couture Fall/Winter 2017-2018 show as part of Haute Couture Paris Fashion Week on July 5, 2017 in Paris, France. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)
BERLIN - NOVEMBER 3:  A cyclist passes a giant 1,500 square meter advertisement for Swedish fashion retailer H&M that shows German-born fashion designer Karl Lagerfeld and U.S. model Erin Wasson November 3, 2004 in central Berlin, Germany. The Karl Lagerfeld collection goes on sale starting November 12, 2004 at selected H&M stores.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)
(GERMANY OUT) Germany Berlin Kreuzberg (Friedrichshain-Kreuzberg) - Karl Lagerfeld advertising on a big poster for the pay TV station sky  (Photo by Meißner/ullstein bild via Getty Images)
Karl Lagerfeld, styliste de mode chez Jean Patou, faisant des essayages sur un mannequin à Paris, France, le 21 juillet 1958. (Photo by KEYSTONE-FRANCE/Gamma-Rapho via Getty Images)
PARIS, FRANCE - NOVEMBER 22:  Karl Lagerfeld attends the Christmas Lights Launch On The Champs Elysees on November 22, 2018 in Paris, France.  (Photo by Stephane Cardinale - Corbis/Corbis via Getty Images)
MILAN, ITALY - SEPTEMBER 20:  Italian designer Silvia Venturini Fendi and German fashion designer Karl Lagerfeld acknowledge the applause of the audience at the Fendi show during Milan Fashion Week Spring/Summer 2019 on September 20, 2018 in Milan, Italy.  (Photo by Andreas Rentz/Getty Images)
PARIS, FRANCE - OCTOBER 02:  Karl Lagerfeld walks the runway after the Chanel show as part of the Paris Fashion Week Womenswear Spring/Summer 2019 on October 2, 2018 in Paris, France.  (Photo by Dominique Charriau/WireImage)
LONDON, ENGLAND - MARCH 13:  A general view of the atmosphere at the Karl Lagerfeld European flagship store launch on March 13, 2014 in London, England.  (Photo by David M. Benett/Getty Images for Karl Lagerfeld)
PARIS, FRANCE - JULY 05: Fashion designer Karl Lagerfeld walks the runway during the Fendi Haute Couture Fall/Winter 2017-2018 show as part of Haute Couture Paris Fashion Week on July 5, 2017 in Paris, France. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)
BERLIN - NOVEMBER 3:  A cyclist passes a giant 1,500 square meter advertisement for Swedish fashion retailer H&M that shows German-born fashion designer Karl Lagerfeld and U.S. model Erin Wasson November 3, 2004 in central Berlin, Germany. The Karl Lagerfeld collection goes on sale starting November 12, 2004 at selected H&M stores.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)
(GERMANY OUT) Germany Berlin Kreuzberg (Friedrichshain-Kreuzberg) - Karl Lagerfeld advertising on a big poster for the pay TV station sky  (Photo by Meißner/ullstein bild via Getty Images)
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Silvia Venturini Fendi und Karl Lagerfeld bei der Milan Fashion Week Spring/Summer 2019 im September. Bei Fendi war Lagerfeld Art Director.

Quelle: 2018 Getty Images

Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. Unvergesslich sind das kleine Chanel-Jäckchen, die tiefe Rücken-Dekolletés, seine Wollmäntel mit Gürtelschliesse am Kragen. Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und «Looks» geschaffen. Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer und Inès de la Fressange.

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Zuletzt müde gefühlt

Zuletzt fehlte er genau da, wo er jedes Mal frenetisch gefeiert wurde - auf dem Laufsteg zum Finale einer Chanel-Show. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich müde gefühlt. In Paris, wo er nach dem Tod von Modeschöpfer Yves Saint-Laurent der letzte noch verbliebene Modezar war, war die Sorge gross. Erst im November hatte er noch die berühmte Festtagsbeleuchtung auf der Pariser Prachtmeile Champs-Élysées eingeweiht.

Legendär waren Lagerfelds Aussprüche. Über seine Haut sagte er: «Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte.» Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300'000 Büchern: «Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix.» Vernichtend war das Urteil des Modezaren über Freizeitkleidung: «Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Auch für H&M entworfen

Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille beschränkte sich nicht nur auf die Haute-Couture. Für Aufsehen sorgte 2004 seine Ankündigung, kostengünstige Mode für den schwedischen Discount-Modefilialisten H&M zu entwerfen. Lagerfeld war der erste Design-Kooperationspartner. Ihm folgten unter anderen Lanvin und Versace.

Frankreichs Presse nannte den Sohn des Hamburger «Glücksklee»-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld wegen seiner rastlosen Kreativität auch «König der Masslosigkeit» oder «Karl den Grossen». Eine Anspielung an den gleichnamigen Herrscher, der bis 814 König des Frankenreichs war, das unter ihm zu seiner grössten Ausdehnung und Machtentfaltung fand.

Schwarze Sonnenbrille, weisser Mozartzopf, steifer Vatermörderkragen und Ringe an jedem Finger: So kannte Lagerfeld die ganze Welt. Seinen fast schon maskenhaften Stil hat er zu seinem Markenzeichen gemacht.

(awp/me/tdr)