Der Club zum Rennweg hat eine Vorgeschichte. Sie begann mit der Gründung des Entrepreneurs? Roundtable vor acht Jahren. Bereits damals hatte der Wirtschaftsanwalt Thomas Ladner eine glückliche Hand. Der Entrepreneurs? Roundtable war während des Internetbooms entstanden. Als die IT-Blase platzte, traten die Start-up-Unternehmer ab und machten den Top-Leadern der Wirtschaft Platz.

Diese handverlesene Elite besteht aus CEO börsenkotierter Unternehmen oder Unternehmern mit einem Privatvermögen ab 100 Mio Fr. bis zu 1 Mrd Fr. oder mehr. Frauen sind bis heute nicht zugelassen. Ganz unter sich wollen die Members des Entrepreneurs? Roundtable auch am Jahresausflug sein, wo mal Segeln und Tauchen in der Bucht von St-Tropez angesagt ist, ein Stelldichein mit der Königin Rania von Jordanien im Palast oder eine luxuriöse Auto-Premiere von BMW in Berlin, Anreise im Privatflugzeug, what else!

Vielleicht war das Fehlen der Frauen einer der Gründe, dass Mitglieder Interesse signalisierten, zum Entrepreneurs? Roundtable ? der seit 2001 von Ladner und Headhunter Pascal Forster gemeinsam geführt wird ? einen «richtigen» Klub zu gründen. 60 der 80 Members des Entrepreneur?s Roundtable fanden sich im 2005 eröffneten Club zum Rennweg wieder. Darunter Rolf Dörig, CEO SwissLife, Marcel Rohner, CEO UBS, Philippe Gaydoul, CEO Denner, Milliardär Rainer-Marc Frey, Sonova (Ex-Phonak)-Chef Valentin Chapero. Gaydoul war die treibende Kraft, die es möglich machte, die seiner Immobiliengruppe gehörende Liegenschaft an der Fortunagasse mitten in der Altstadt von Zürich als Klublokal zu nutzen. Eine Glanzidee.

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Events in entspanntem Rahmen

«Netzwerke sind erfolgreich, wenn man die richtigen Leute zusammenbringt», so das Credo von Thomas Ladner, der schon bei der Gründung des Entrepreneurs? Roundtable zeigte, wie man so etwas macht. Um Leute miteinander ins Gespräch zu bringen, bietet der Club zum Rennweg verschiedene Formate. Eines der beliebtesten ist der Member among Members Event. Hier bietet der Klub den Rahmen zu einem 30-minütigen Interview mit jeweils einem der prominentesten Mitglieder. 20 bis 25 Klubmitglieder sitzen hier um einen runden Tisch, und man beschliesst den Abend mit einem gemeinsamen Nachtessen.

Sehr beliebt sind fun-events mit Spezialisten, die ihr Wissen über Zigarren oder Whisky auf spannende Art übermitteln.

Frontalvorträge sind ebenfalls erfolgreich, besonders wenn es sich um zugkräftige Namen wie den von Jean-Pierre Roth, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, oder den des Schweizer Nationaltrainers Ottmar Hitzfeld handelt, der kürzlich ebenfalls als Member im Club zum Rennweg aufgenommen wurde, nachdem er vor den Klub-Mitgliedern live ein EM-Fussballspiel kommentierte.

Geschätzt wird sehr, dass der Klub auch ganz persönlich genutzt werden kann. Man reserviert beispielsweise einen Konferenzraum für wenige Personen oder den Mehrzweckraum als Separée für ein Lunch-Dinner bis zu 25 Personen. Die Klubräume sind von der Bar bis zur Dachterrasse modular nutzbar und stehen auch Gästen der Mitglieder, Familienmitgliedern wie auch vom Mitglied eingeladenen Freunden und Kunden zur Verfügung. Mittels Verzehr im Restaurant oder anderen Räumen können die Members ihren Mitgliederbeitrag von 12000 Fr. pro Jahr quasi «abessen» bzw. «absitzen». Die Mitgliedschaft oder einzelne Rechnungen kann man steuerlich absetzen.

Top Shots unter sich

Verständlich, dass bei so viel Prominenz die Liste mit über 200 Mitgliedern nicht veröffentlicht wird. Doch haben im Laufe der Zeit ein paar Namen die Runde gemacht, die Präsident Thomas Ladner daher auch nennen darf. Einerseits weil es sich um Gründungsmitglieder handelt, die man inzwischen kennt, oder um Promis wie Boris Becker und «Kaiser» Franz Beckenbauer, auf deren Zugkraft und Glamour man nicht verzichten möchte, obwohl Beckenbauer mit seinen 63 Jahren das Eintrittsalter von maximal 45 längst überschritten hat. Auch Verleger Jürg Marquard liegt mit 60 weit über der Limite. Das entspricht aber der Klubphilosophie, dass etwa 10% der Mitglieder von der 45-er-Hürde ausgenommen sind, weil sich der Klub über ein Gedankengut definiert. Das kann auch ein Samuel Keller sein, der neue Chef der Galerie Beyeler in Basel.

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Warum derzeit nur etwa 10 Frauen dabei sind? «Der Frauenanteil spiegelt die Situation der Schweizer Wirtschaft, besonders in den börsenkotierten Unternehmen, wo in den obersten Führungsetagen Frauen noch wenig vertreten sind», sagt Wirtschaftsanwalt Ladner und betont: «Wir sind keine Chauvinisten, im Gegenteil!» Er begrüsst die Entwicklung, dass der Kreis der Nadelstreifen-Träger von herausragenden Frauen belebt wird, darunter Carolina Müller-Möhl, mit ihren 40 Jahren Präsidentin der Müller-Möhl-Group und Verwaltungsrätin bei Nestlé und Kühne Holding. Genauso erfolgreich und attraktiv ist Franziska Tschudi, CEO und Delegierte des VR der Wicor Holding AG und Mitglied des VR von SwissLife.

Alle Mitglieder haben den Wunsch, unter sich zu sein in einem entspannten privaten Setting, wo niemand Angst haben muss, dass ihm jemand etwas verkaufen will, wo man wirklich auch den persönlichen Erfahrungsaustausch pflegen kann ? und vor allem, sich auf Augenhöhe begegnet. Boris Becker nennt den Klub scherzhaft «mein privates Wohnzimmer in der Altstadt», erzählt Ladner. Beim Umgangston geht es ähnlich zu wie beim Entrepreneurs? Roundtable: Krawatten werden abgelegt, man duzt sich, spricht oft Hochdeutsch. Denn es stehen inzwischen viele Deutsche an der Spitze von Schweizer Unternehmen. Und das hört man dann auch, wenn man durch den Klub läuft.

Wer Lust auf eine Mitgliedschaft hat, braucht gar nicht anzurufen. Er oder sie wird kontaktiert ? oder eben nicht.

Nachgefragt

«Enorme Dichte an echten Entscheidern»

Thomas Ladner ist Mit-Gründer des Clubs zum Rennweg und Gründer des Entrepreneurs Roundtable, Wirtschaftsanwalt und Mehrfach-Verwaltungsrat.

Was sind die Prinzipien und Ziele des Clubs zum Rennweg?

Thomas Ladner: Wir sprechen liberal denkende, unternehmerisch handelnde Persönlichkeiten an. Mit Ausnahme des Entrepreneurs? Roundtable gibt es keinen Klub in der Schweiz, der eine solche Dichte an Top-Managern und echten Entscheidungsträgern vereint.

Das heisst in Zahlen?

Ladner: Zu unseren Membern zählen 40 CEO, Konzernleitungsmitglieder oder VR-Präsidenten von börsenkotierten Unternehmen. Hinzu kommen 15 CEO von Banken, auch Grossbanken.

Sprechen Sie ausschliesslich Unternehmerpersönlichkeiten an?

Ladner: Unternehmerpersönlichkeiten sind Menschen, die etwas unternehmen und erreicht haben. In diesem Sinne sind auch erfolgreiche Sportler oder Kulturschaffende «Unternehmer». Deshalb findet man im Klub auch Formel- 1-Rennfahrer oder Wimbledon-Gewinner.

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Wie wichtig ist den Mitgliedern das Networking?

Ladner: Im Club zum Rennweg sucht niemand einen Job. Die Members sind alle schon ganz oben angekommen. Generell gilt: Netzwerke funktionieren, wenn man in guten Zeiten in sie investiert und anderen Mitgliedern Türen öffnet. Nur dann kann man vom Gegenüber erwarten, dass es einen mit Bezug auf ein konkretes Anliegen unterstützt.