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Fluktuation
Schweizer Chefs sitzen oft fest im Sessel

Nick Hayek
Langzeitchef Nick Hayek: Seit 2003 an der Swatch-Spitze.Quelle: Keystone

Im Schnitt sitzen CEOs in der Schweiz länger im Chefsessel als in anderen Ländern. Zudem werden die Spitzenpositionen meist intern besetzt.

Veröffentlicht am 15.05.2019

Schweizer Chefs sitzen sicherer im Sessel als ihre globalen Kollegen. Das zeigt die «CEO Success»-Studie der Strategieberatung von PwC. In der Schweiz standen 2018 mit 10,4 Prozent neu besetzten Chefposten so wenige Wechsel in den untersuchten 116 Unternehmen an wie zuletzt 2014. Die durchschnittliche Amtszeit eines Schweizer CEOs betrug dabei 6,9 Jahre (global: 6,4 Jahre). 

Im Rahmen der Studie werden Veränderungen an den Spitzen der 2500 grössten börsenkotierten Unternehmen der Welt analysiert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) lag die Wechselquote 2018 bei 16 Prozent, in Deutschland sogar bei über 20 Prozent. Im globalen Schnitt räumten 17,5 Prozent der Chefs ihren Posten, was dem höchsten Wert seit dem Start der Studienserie im Jahr 2000 entspricht.

Wenige Outsider an Schweizer Unternehmensspitzen

Immer wichtiger wird dabei die Corporate Governance. Mit Blick auf die erzwungenen CEO-Wechsel mussten weltweit erstmals mehr Unternehmenschefs aufgrund ethischer Verfehlungen gehen (39 Prozent) als wegen schlechter finanzieller Ergebnisse (35 Prozent). Im internationalen Vergleich sind die 2018 in der DACH-Region nachgefolgten Chefs mit durchschnittlich 50 Jahren die jüngsten Unternehmenslenker (global: 53 Jahre). Mit 35 Prozent besitzen die DACH-Unternehmen den weltweit grössten Anteil an unternehmensfremden CEOs (global: 17 Prozent), wohingegen in der Schweiz lediglich einer von zwölf Nachfolgern ein Unternehmens-Outsider ist.

Eine interne Nachfolge habe den Vorteil, dass der neue Chef die Firma und dessen Kultur bereits kenne und ohne längere Einarbeitungszeit die Führung übernehmen könne, sagt Peter Gassmann, Europachef von Strategy&, der Strategieberatung von PwC. Dennoch stünden neue Chefs grossen Herausforderungen gegenüber. «Vor dem Hintergrund der sich eintrübenden Konjunkturaussichten muss insbesondere die fortlaufende Weiterentwicklung des Geschäftsmodells in Richtung digitaler Zukunftsthemen Priorität haben.»

Langzeit-CEOs sind besser

Trotz der vielen Wechsel im globalen Schnitt zeigt eine Analyse der Jahre 2004 bis 2018, dass 19 Prozent der weltweit ausscheidenden Unternehmenschefs sogenannte Langzeit-CEOs waren: Sie hatten ihr Amt zehn Jahre oder länger inne. Neben der langen Zeit an der Unternehmensspitze unterschieden sich diese Chefs auch mit Blick auf die Performance deutlich von ihren Amtskollegen.

Im Median erzielten sie mit einer Aktienrendite von 5,7 Prozent wesentlich bessere finanzielle Ergebnisse als der Durchschnitt (3,3 Prozent). Die Nachfolger dieser High-Performer hatten es an der Unternehmensspitze dagegen eher schwer. Sie konnten meist nur schlechtere finanzielle Ergebnisse erreichen und mussten ihren Posten im Schnitt bereits nach 5,3 Jahren räumen, was zudem deutlich häufiger ungeplant geschah: 35 Prozent der Nachfolger-CEOs traten gezwungenermassen ab, während nur 19 Prozent der Langzeit-CEOs vorzeitig gehen mussten. 

«Mitunter reicht die aktuelle durchschnittliche Verweildauer von global 6,4 Jahren nicht aus, um langfristige strategische Entscheidungen erfolgreich zu implementieren», sagt  Peter Gassmann.

(gku)

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