1. Sie treten am Swiss Leadership Forum auf. Das Motto lautet «Sparen und Wachsen». Ein Widerspruch in sich, den Unternehmen unmöglich umsetzen können – oder die Kür für Chefs?
Ein ausgeglichener Haushalt und tragbare Schulden sind die Voraussetzungen für einen handlungsfähigen Staat und dadurch langfristig stabiles Wachstum. Sparen und Wachsen stehen somit – im Normalfall – nicht in Widerspruch zueinander. Im Übrigen können wirtschaftliche Prioritäten nicht gesetzt werden, ohne ­gewisse Tätigkeiten zu reduzieren. Das fällt der öffentlichen Hand in konjunkturell guten Zeiten allerdings schwer, weil der Abbau bestehender ­Tätigkeiten ohne Not kaum durchzusetzen ist.

2. Kann man unter der strategischen Prämisse «Sparen und Wachsen» eine Organisation und ihre Mitarbeiter in eine rosige Zukunft führen?
Klar erreichbare Ziele motivieren auch dann, wenn zu ihrer Erreichung andere Tätigkeiten an Bedeutung verlieren oder gar abgebaut werden müssen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass möglichst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Beitrag zu Errei-chung der Ziele leisten können. Sie wollen eine Perspektive sehen.

3. In den letzten fünf Jahren jagt eine Krise die nächste ... Haben Sie Ihren Führungsstil den ungünstigen Umständen anpassen müssen?
Eine klar aufgebaute Organisation mit definierter Arbeitsteilung sowie ein respektvoller Umgang untereinander erhöhen die Effizienz einer Unternehmung beziehungsweise einer Organisa­tion. Die gleichen Faktoren erhöhen auch die Belastbarkeit einer Unternehmung beziehungsweise einer Organisation in schwierigen Zeiten.

4. Wie bilden Sie sich ­weiter, um aktuellen ­Herausforderungen ­gewachsen zu sein?
Wenn Probleme genau definiert sind, wird rasch klar, ob ich als Chef in der Lage bin, diese alleine zu lösen. Braucht es zu deren Lösung die Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mit-arbeitern oder von externen Kräften, kann ich beispielsweise von deren Erfahrung profitieren. Das ist für mich die effizienteste Weiterbildung.

5. Es gibt Leader, die regelmässig betonen, dass man vor der Konkurrenz aufstehen und nach ihr ins Bett gehen muss, um erfolgreich zu sein. Sinn oder Unsinn?
Schneller zu reagieren als die Konkurrenz ist nützlich – deswegen nicht genügend zu schlafen ist hingegen schädlich.

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6. Gesundheitsförderung ist für Angestellte heute selbstverständlich, aber für Kaderleute ist dies kaum ein Thema. Wer sorgt sich um Ihr Wohlergehen?
Die Verantwortung für eine nachhaltige Lebensführung kann grundsätzlich nicht an andere Menschen delegiert werden – erst recht nicht auf der obersten Führungsstufe. Es ist Gold wert, wenn schwierige berufliche Fragen in der Familie oder mit engsten Freunden besprochen werden können.

 

Teil 1: Jean-Claude Biver, Verwaltungsratspräsident, Hublot, Nyon (seit 2012, in der Firma seit 2004)
Teil 2: Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr, SBB, Bern(seit April 2011)
Teil 4: Barbara Kux, Vorstandsmitglied, Siemens, München (von November 2008 bis November 2013)