Adrian Hug wird neuer Chef der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV). Der Bundesrat ernannte ihn zum Nachfolger von Urs Ursprung. Dieser war wegen Unregelmässigkeiten beim gescheiterten IT-Projekt INSIEME Ende Juni 2012 freigestellt worden und dann zurückgetreten.

Der Bundesrat ernannte den 55-jährigen Hug zum neuen Amtschef. Adrian Hug ist seit 2007 Chef des Kantonalen Steueramtes in Zürich. Er ist Jurist und hat ein Zürcher Anwaltspatent. Von 2001 bis 2007 leitete er das Steueramt der Stadt Zürich.

Hug wird die Leitung der ESTV am 1. April 2013 übernehmen. Die Stelle war nach dem Rücktritt von Ursprung intern und extern ausgeschrieben worden, wie das Finanzdepartement (EFD) mitteilte. Für die Suche nach Bewerbern wurde eine Beratungsfirma beigezogen.

Politisches Umfeld gewohnt

Finanzministerin und Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf sagte in Bern vor den Medien, Hug kenne sich im komplexen Fachgebiet aus wie wenige andere und sei es zudem gewohnt, sich in einem politischen Umfeld zu bewegen und zu führen. «Er kennt die Schnittstellen von Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft.»

Der künftige Chef oder die künftige Chefin der ESTV sollte ausgewiesene Fachkompetenzen sowie mehrjährige Führungs- und Berufserfahrung ausweisen können. Die Bewerbungen seien nach einem «bestimmten Kriterienraster» geprüft worden, sagte Widmer-Schlumpf. Die ESTV wird derzeit interimistisch von Samuel Tanner geführt.

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Auf Hug warten Baustellen wie die Familienbesteuerung, die Revision des Steuerstrafrechts und die Abgeltungssteuer. Hug sagte vor den Medien, er wolle sich in diese Arbeiten einbringen und Verantwortung übernehmen. Wohin die Reise gehe, könne er noch nicht sagen. Noch kenne er die ESTV nur von aussen.

Verstösse gegen Beschaffungsrecht

In der ESTV waren im vergangenen Juni im Zusammenhang mit dem Informatik-Projekt INSIEME in einer Administrativuntersuchung Verstösse gegen das Beschaffungsrecht festgestellt worden. Ende Juni wurde der damalige Direktor Urs Ursprung von Widmer-Schlumpf freigestellt. Wenige Tage später nahm Ursprung den Hut.

Im September zog das Finanzdepartement dem Projekt INSIEME den Stecker, weil es die Weiterführung für mit zu vielen Risiken behaftet ansah.

Das Parlament lässt das Debakel um INSIEME von einer 17-köpfigen Arbeitsgruppe aufarbeiten. Eingesetzt haben diese die Finanz- und Geschäftsprüfungskommissionen beider Kammern. Die Untersuchung dürfte laut früheren Angaben Kosten in der Grössenordnung von 1 bis 1,5 Millionen Franken verursachen.

(chb/sda)