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Lotus: Rätselraten um Suspendierung von Schweizer Chef

Dany Bahar: Vor die Tür gesetzt. (Bild: Keystone)

Dany Bahar ist von der Muttergesellschaft der britischen Lotus-Gruppe vorübergehend suspendiert worden. Über die genauen Hintergründe für den Schritt herrscht Rätselraten.

Von Laura Frommberg
am 30.05.2012

Man ermittle wegen einer «Beschwerde über das Verhalten» des Geschäftsführers, heisst es in der offiziellen Begründung laut der Nachrichtenagentur Reuters. Der Schweizer Dany Bahar ist aus diesem Grund «vorübergehend» von seiner Position als Geschäftsführer des Sportwagenherstellers suspendiert worden, teilte die Mutterfirma von Lotus, DRB Hicom mit.  Laut der Norfolk Eastern Daily Press übernehmen nun drei andere Manager der Firma gemeinsam die Leitungsfunktion. 

Doch was wirklich hinter der Suspendierung steckt, bleibt unklar. Doch wirklich willkommen schien Bahar schon länger nicht mehr in dem Unternehmen. 275 Personen stellte Bahar temporär frei nachdem er Anfang des Jahres die Produktion hatte drosseln müssen. Der Grund dafür: Es fehlte das Geld, die Lieferanten zu bezahlen. 

Nach dem die Bankkonten entsperrt worden waren, herrschte zwar schon im April wieder Vollbetrieb, aber in den Medien kamen Gerüchte um einen Verkauf und die Verlagerung der Produktion nach Asien auf. Bahar verneinte diese gegenüber der «Handelszeitung» aber noch vor wenigen Wochen  schlicht mit den Worten «Stimmt nicht». Im Gegenteil, man plane neue Modelle, wolle die Produktion weiter hochfahren und in neue Technik investieren.

Abfindung vermeiden

Die Zeitschrift Motor Sport Aktuell spekuliert nun, dass Lotus Bahar mit der Suspendierung loswerden will, ohne dabei eine hohe Abfindung zahlen zu müssen. Sein Vertrag lief jedoch offiziell noch bis 2015, eine Kündigung davor wäre für die Firma wohl teuer geworden. Bahar wollte sich gegenüber britischen Medien zu dem Thema gar nicht äussern. 

Erst Anfang des Jahres hatte der malaysische Automobil-Konzern DRB-HICOM  43 Prozent des Herstellers Proton übernommen - Grund waren finanzielle Probleme. Proton wiederum ist Besitzer der Lotus-Gruppe. Mit dem Zukauf erhöhte sich der Umsatz um mehr als das Doppelte, auch wenn es beim Gewinn anders aussieht.

Proton setzt jährlich umgerechnet 2,7 Milliarden Franken um, erwirtschaftet aber einen Betriebsgewinn von nur 61 Millionen. Nach dem Kauf wurden die Proton-Aktien dekotiert und die Firma in DRB-Hicom integriert. In der Folge kamen auch wieder Verkaufsgerüchte über die verlustbringende Lotus-Gruppe auf. Doch DBR Hicom beschwichtigt in den britischen Medien: Man stehe weiterhin voll hinter der Firma. Ob man auch hinter dem Geschäftsführer steht, ist aber wohl eine andere Frage.

 

Machtnetz von Dany Bahar

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