Basierend auf der erfolgreichen Markteinführung der Limmex-Notruf-Uhr in der Schweiz und in Deutschland, ist es Rebers Aufgabe, die Marktpräsenz in weiteren Ländern zu beschleunigen. Der Mitgründer und bis­­he­rige Limmex-CEO Pascal Koenig zieht sich nach sechsjähriger Tätigkeit aus dem operativen Geschäft zurück. Elektroingenieur Reber war eine zentrale Figur beim Aufbau des Hightech-Unternehmens Svox AG. Das Zürcher ETH-Spin-off wuchs seit Rebers Start von 5 auf 120 Mitarbeiter und ist innerhalb von zehn Jahren zum globalen Marktführer in verschiedenen Bereichen der Sprachtechnologie geworden.

Svox AG wurde 2011 an das Nasdaq-­Unternehmen Nuance Communications verkauft. Hat Sie das nicht geschmerzt?

Martin Reber:
Ja, sehr, ich war mit dem Unternehmen und seiner Kultur eng verbunden. Ich wusste, dass es schwierig sein würde, die Eigenständigkeit der Svox-Gruppe innerhalb einer grösseren Einheit zu erhalten und den Schutz der Arbeitsplätze sicherzustellen. Anderseits bin ich auch stolz auf das Team und was wir gemeinsam erreicht haben, wie wir uns gegen den grösseren Konkurrenten immer wieder durchsetzen konnten und darauf, dass es gelungen ist, einen der erfolgreichsten Exits der Schweiz umzusetzen.

Statt Sprachtechnologie neu Uhren. Was haben Sie für eine Beziehung zu ­Zeitmessern?
Die Limmex-Uhr ist seit Jahren die einzige Uhr, die ich trage. Die Kombina­tion aus Design und Funktion begeistert mich.

Weshalb ist nicht einer der ganz grossen Namen aus der Uhrenbranche auf die Idee einer Notruf-Uhr gekommen?
Es braucht wohl schon eine Reihe von unterschiedlichen Leuten und eine Portion Vermessenheit, bevor man ein Unternehmen wie Limmex gründet. Vor einigen Jahren war die Technologie schlicht noch nicht so weit. Bei Limmex sind nun nicht nur Techniker, sondern auch Designer erheblich am Erfolg der Unternehmung beteiligt. Wir möchten, dass die Limmex-Kunden eine schöne Uhr kaufen können, die zusätzlich auch eine nütz­liche Funktion – den Notruf – bereitstellt. Die Grossen aus der Branche konzentrieren sich vordergründig auf die pure Funktion. Das Ergebnis ist dann ein stigmati­sierendes Notrufsystem, das nicht gerne ­getragen oder benutzt wird.

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Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen mit Limmex das Gleiche passiert wie mit Svox: Kaum hat ein Startup-Unternehmen ­Erfolg, wird es für ganz grosse Namen der Branche zum Übernahmekandidaten?
Natürlich darf ein erfolgreiches ­Unternehmen auch mal den Eigentümer wechseln. Richtig gemacht eröffnet das Chancen für Investoren und Mitarbeiter gleichermassen. Wir haben bei Limmex mit unternehmerisch herausragenden Persönlichkeiten wie Andy Rihs nachhaltig denkende Investoren. Auch institutionelle Investoren wie die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wissen, wie man erfolgreich sein kann und gleichzeitig der damit einher­gehenden Verantwortung gerecht wird.

Limmex ist im Bereich der Notruf-Uhren Marktführer in der Schweiz. Sprechen wir hier von bisher 1000, 10000 oder gar 100000 verkauften Uhren?
Es ist ungewöhnlich, wenn es einem Startup gelingt, in einem Verkaufsgebiet so schnell zum Marktführer aufzusteigen. Wir haben damit eine gute Ausgangslage, diesen Erfolg auch ausserhalb der Schweiz weiterzuschreiben. Die 10000 Uhren sind bereits Vergangenheit.

Sind es primär ältere Menschen, die auf die Funktionen der Limmex-Uhr setzen?
Limmex verkauft primär Sicherheit, die man in Form einer schönen Uhr tragen kann. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist ein globales Thema. Wir befriedigen dieses Bedürfnis für unterschiedlichste Inter­essengruppen: Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, Sportler, die kein schweres Smartphone mitschleppen möchten, Trucker, die auf gefährlichen Routen unterwegs sind, Polizisten oder Personenschützer, die eine unauffällige Kommunikation einsetzen möchten. All diese Personen ­gehören genauso zu unserem Kundenkreis wie hilfsbedürftige oder ältere Personen, denen es wichtig ist, auf Knopfdruck schnelle Hilfe zu bekommen.

Ist Limmex zu 100 Prozent Swiss made?
Limmex ist zu 100 Prozent in der Schweiz erfunden, entwickelt und designt worden. Auch die Mehrzahl der Zulieferteile für die Produktion kommt aus der Schweiz. Unsere wichtigsten Partner für die Entwicklungszusammenarbeit und die Fertigung sind im Raum Zürich, Biel und im Tessin.

Was kostet die Uhr?
Eine Limmex ist ab 495 Franken zu haben. Auch besonders exklusive Varianten stehen zur Auswahl.

Wie stehen Sie persönlich zu Geld?
Mich begeistert Erfolg und zu ­sehen, wie sich die Dinge in die richtige Richtung entwickeln. Werte wie Anstand, Respekt, Fairness und damit einher­­­gehende Umgangsformen sind mir aber wichtiger.

Was langweilt Sie?
Stillstand.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
Hape Kerkelings «Ich bin dann mal weg». Es gibt vieles zu entdecken, wenn man neue Wege geht.

Was würden Sie gerne erfinden?
Vieles… Ich wüsste nur nicht, wo ich anfangen sollte.

Steckbrief

Name: Martin Reber

Geboren: 28. März 1966

Zivilstand: Verheiratet

Wohnort: Remetschwil AG

Ausbildung: Elektroingenieur, Promotion Mikroelektronik, NDS Betriebswissenschaften ETZ

Bisherige Funktion: Chief ­Executive Officer (CEO), Svox AG, Zürich

Neue Funktion: Chief Executive Officer (CEO), Limmex AG, ­Zürich