Christian König (63) regelt so seine Nachfolge bei der nach eigenen Angaben marktführenden Schweizer Kommunikationsagentur. König übernimmt an der kommenden Generalversammlung das VR-Präsidium von Niklaus Knüsel. Geiser ist zurzeit Chief Operating Officer EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) von Burson-Marsteller International und amtierender Präsident des Bundes der PR-Agenturen der Schweiz (BPRA). Bis vor kurzem war er zudem VR-Präsident von Burson-Marsteller (Schweiz) sowie Vizepräsident der Young & Rubicam Holding (Schweiz). Vor seiner internationalen Karriere leitete Geiser in den Jahren 2003 bis 2009 Burson-Marsteller Schweiz.

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Generalabonnement der SBB statt Flugtickets – Sie lösen Ihre internationale Tätigkeit durch ein vornehmlich national ausgerichtetes Wirken bei Farner ab. Haben Sie das Reisen satt?
Roman Geiser:
Die Überdosis wirkt tatsächlich noch und ich freue mich auf etwas mehr Schweiz. Als Marktführer nimmt man Farner hierzulande meist in schweizerischen Zusammenhängen wahr. Tatsache ist aber, dass die Marke weit über die Schweiz hinausstrahlt. Ich werde der Swiss als Kunde nicht verloren gehen.

Farner wird also internationaler...
Farner ist mit der Anbindung an Fleishman-Hillard und der Mandatsstruktur heute schon international aufgestellt. Farners Ansatz «Best of both worlds» heisst, dass die Agentur für nationale und internationale Kunden die stärkste Agentur hier in der Schweiz sein, gleichzeitig aber die Bedürfnisse der Kunden auch international abdecken will. Meine Vitae wird sicher dazu führen, dass Internationales stärker gepflegt werden wird.

Sie werden mit dem Stellenwechsel vom Angestellten zum Unternehmer. Was reizt Sie an dieser Herausforderung?
Gestaltungsfreiheit und – im Vergleich zu meiner letzten Aufgabe – die grössere Nähe zu Mitarbeitenden und Kunden. Eine inhabergeführte Agentur ist ein Schnellboot im Vergleich zu einer konzerngesteuerten Netzwerkagentur. Ich freue mich auf Wind und Wellen.

Farner ist eine Grösse in der Schweizer PR-Szene. Nicht immer geht PR-Arbeit ohne Nebengeräusche und Kritik über die Bühne. Wie weit werden Sie es mit der Transparenz in heiklen Mandaten halten?

Ich bin ein Verfechter von Transparenz. Gleichzeitig stelle ich lieber die Kunden ins Zentrum als die Tätigkeiten der Agentur. Die Nebengeräusche gehören zum Geschäftsmodell, denn wer im politischen und wirtschaftlichen Meinungskomplex mit relevanten Inhalten auftritt, muss damit rechnen, dann und wann zu polarisieren. Das trägt aber zum Pluralismus bei; dieser schafft letztlich ausgewogene Mehrheitslösungen.

Wie wichtig ist Ihnen Geld?
Wahre Werte schafft es nicht. Es erfüllt eine Funktion und schafft Freiheiten.

Wie sind Sie zum neuen Job gekommen?
Christian König und ich kennen uns seit Jahren. Ich wusste, dass Veränderungen anstehen. Er wusste, dass ich für eine unternehmerische Aufgabe ansprechbar wäre. Bei einem Glas Wein haben wir dann ein erstes Mal über das Projekt gesprochen.

Was langweilt Sie?
Vorgefasste Meinungen. Lange Sitzungen. Denkfaulheit.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
Ich bin ein «Informationsjunkie» und lese alles, was mir in die Quere kommt. Sehr gerne politische Literatur oder einen schönen Roman. Zurzeit wälze ich das Buch «China» von Henry Kissinger. Mich fasziniert dieses Land.

Was stimmt Sie traurig?
Unwiederbringliches.

Was würden Sie gerne erfinden?
Eine Maschine, die Ideen und Gedanken als pfannenfertige Konzepte oder Präsentationen ausspuckt.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb der Arbeit?
Ich treibe sehr gerne Sport und geniesse es, dabei den Kopf zu lüften. Die verbrannten Kalorien nehme ich am Tisch zusammen mit mir wichtigen Menschen dann liebend gerne wieder zu mir.

Wie wohnen Sie?
«Pieds dans l’eau». Wenn ich ein Fenster unserer Wohnung öffne, höre und rieche ich den Zürichsee. Wunderbar.

Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?
Wir hätten wahnsinnig gerne einen Hund. Dann gibt es zahlreiche Orte, dich ich noch bereisen oder beleben möchte.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
Auf Knopfdruck abschalten zu können. Ich trage Themen und Aufgaben ständig mit mir herum.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Ich sorge mich um die Gesundheit meiner Kinder. John Irving hat das in «Garp» auf skurrile Art beschrieben. Gesellschaftlich sorge ich mich um die wachsende Neidkultur, welche die urschweizerische Essenz der Gemeinnützigkeit und des Miteinanders von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zerstört.

Können Sie kochen?
Freunde und Familie werden bei dieser Frage lachen. No way.

 

Steckbrief
Name: Roman Geiser

Geboren: 12. Februar 1968

Zivilstand: In Partnerschaft/geschieden

Wohnort: Meilen

Ausbildung: Betriebsökonom

Bisherige Funktion: Chief Operating Officer EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) von Burson-Marsteller International, Brüssel/London/Zürich

Neue Funktion: Chief Executive Officer (CEO) und Delegierter des Verwaltungsrates der Farner Consulting AG, Zürich (ab 1. Oktober 2012)