Er ist seit 2009 bei der Jacobs Foundation für den Bereich der Interventionsprogramme in Europa verantwortlich. Giuliani hat in der Schweiz insbesondere die Projekte «Bildungslandschaften Schweiz», «Primokiz» sowie das «Qualitäts­label für Kindertagesstätten» aufgebaut. Zuvor war er zehn Jahre bei der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi tätig und dort ­zuletzt Leiter der Internationalen Programme und Mitglied der Geschäftsleitung. Giuliani ersetzt Bernd Ebersold; dieser hatte sich aus persönlichen Gründen entschieden, die Stiftung Ende Dezember 2012 zu verlassen, um sich neuen beruf­lichen Herausforderungen zu stellen.

Wir haben die Festtage hinter uns – ­irgendwie spielen Sie aber in Ihrer Funktion 365 Tage im Jahr Weihnachtsmann. Sie dürfen Geld ausgeben und verschenken...

Sandro Giuliani: So habe ich das noch nie gesehen. In der professionellen Stiftungsarbeit werden keine Geschenke verteilt. Vielmehr werden gezielt Investitionen ­getätigt in die gemäss Stiftungszweck definierten Bereiche. In diesem Sinn emp­finde ich es als grosses Privileg und auch als grosse Verantwortung, die Mittel einer Stiftung einzusetzen.

Wen unterstützt die Stiftung genau?

Giuliani: Die Jacobs Foundation fördert Forschung, Praxisprojekte und den öffentlichen Dialog zu Kernfragen der Entwicklung und Bildung von Kindern und Jugend­lichen. Als Förderstiftung machen wir dies immer in Kooperation mit etablierten Partnerorganisationen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft oder öffentlicher Verwaltung.

Setzen Sie – alleine aufgrund der ­­verfügbaren Mittel – nicht neue Massstäbe im Bereich der privaten Förderung?

Giuliani: Es ist sicherlich so, dass wir mit unserem Stiftungsvermögen von rund 3 Milliarden Franken und unserem Jahresbudget von rund 35 Millionen Franken weltweit zu den Schwergewichten im ­Bereich der Kinder- und Jugendförderung zählen. Und mit unserer Investition von 200 Millionen Euro in die Jacobs University Bremen im Jahr 2006 haben wir tatsächlich neue Massstäbe im Bereich der privaten Förderung gesetzt.

Wo liegt das Schwergewicht? In der Schweiz oder im Ausland?

Giuliani: Wir verstehen uns ganz klar als international ausgerichtete und grenzüberschreitend tätige Stiftung. Unserem wichtigen «Heimatmarkt» Schweiz werden wir in Zukunft jedoch noch mehr ­Bedeutung schenken.

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Wie viele Unterstützungsgesuche treffen bei Ihnen ein?

Giuliani: Pro Jahr sind es gegen 1000.

Was sind die Entscheidungskriterien?

Giuliani: Da gibt es eine Vielzahl verschiedener Kriterien. Zentral sind für uns ­jedoch die Innovationskraft sowie das ­Potenzial für nachhaltige Wirkung.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?

Giuliani: Nicht wirklich wichtig. Sonst hätte ich nach meinem Betriebswirtschaftsstudium an der Uni Zürich nicht als einziger Exot eine Karriere im Non-Profit-Bereich gestartet.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?

Giuliani: «Maverick – The success story behind the world’s most unusual workplace» von Ricardo Semler. Der in diesem Buch beschriebene Transformationsprozess des brasilianischen Industrieunternehmens Semco von einer autokratischen zu einer partizipativen Organisationsstruk­tur ist äusserst inspirierend.

Was stimmt Sie traurig?

Giuliani: Dass die Schweiz als eines der reichsten Länder der Welt nicht in der Lage ist, mehr Ressourcen in die Erziehung, Bildung und Betreuung ihrer Kleinsten zu investieren.

Was würden Sie gerne erfinden?

Giuliani: Fitnessgeräte, die die ein­gesetzte Energie in nutzbaren Strom umwandeln können.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb der Arbeit?

Giuliani: Eine entspannte Zeit mit meiner Frau und meinen zwei kleinen Kindern zu verbringen.

Was für ein Auto fahren Sie?

Giuliani: Einen langsam aber sicher abgefahrenen Audi A4 Avant.

Wie lautet Ihr Alltagsmotto?

Giuliani: Carpe diem.

Was ist Ihre grösste Sorge?

Giuliani: Die voranschreitende Polarisierung unserer Gesellschaft, die tragfähige Konsenslösungen zunehmend erschweren wird.

Was treibt Sie derzeit am meisten an?

Giuliani: Unserem Anspruch gerecht zu werden, künftige Generationen durch die Verbesserung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten nachhaltig positiv zu unterstützen.

Können Sie kochen?

Giuliani: Ich koche gerne. Am liebsten Saltimbocca mit Risotto.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?

Giuliani: Den meisten. Ich bin ein Genussmensch und spare meine Widerstandskraft gerne für andere Bereiche auf.

Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?

Giuliani: Ein liebevoller Grossvater zu werden.

Welches Musikstück würden Sie als ­persönliche Hymne wählen?

Giuliani: «Don’t worry, be happy».

 

Steckbrief

Name: Sandro Giuliani

Geboren: 1. November 1972

Zivilstand: Verheiratet, zwei Kinder

Wohnort: Zürich

Ausbildung: Wirtschaftswissenschaften an der Uni Zürich (lic.oec.publ.) sowie Master of advanced studies in Entwicklung & Zusammenarbeit an der ETH Zürich (MAS ETH EZA)

Bisherige Funktion: Program Officer Intervention, Jacobs Foundation, Zürich

Neue Funktion: Geschäftsführer, Jacobs Foundation, Zürich