Er verstärkt in dieser Position die bestehende Führungsspitze des britisch-amerikanischen Auktionshauses in der Schweiz um Caroline Lang (Standort Genf), David Bennett (Vorsitzender) und Marc Michel-Amadry (Geschäftsführer). Der belgisch-schweizerische Doppelbürger Puttaert arbeitete von 1990 bis 2002 für ­diverse renommierte Auktionshäuser in leitenden Funktionen in London, Zürich und Genf. Danach war er Teilhaber der Galerie J&P Fine Art in Zürich.

Nach rund zehn Jahren Abstinenz kehren Sie in die Auktionshaus-Szene zurück. Wie ist es zur Kehrtwende gekommen?

Stefan Puttaert:
Sotheby’s hat sich im ­November 2012 bei mir gemeldet. Sehr ­angenehme und konstruktive Gespräche in London und der Schweiz haben mich überzeugt, diese neue Herausforderung anzunehmen.

Werden Sie Ihre eigene Galerie J&PFine Art in Zürich mit Co-Besitzerin Beda Jedlicka weiterführen können?
Nein, wegen Interessenkonflikten kann ich dies nicht.

Wie geht es der Auktionsbranche in der Schweiz, leidet Sie auch unter den weltweiten Krisen?
Die Auktionsbranche war noch nie so aktiv in der Schweiz. Die Präsenz von lokalen und internationalen Häusern ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, was auch härtere Konkurrenz mit sich bringt. Ohne zu viel Mühe findet man Käufer für Werke guter Qualität, die dazu selten auf dem Kunstmarkt auftauchen und eine beeindruckende Provenienz ­haben. Verkäufer solcher Arbeiten zu finden ist dagegen einiges schwieriger.

Mit Ihrer Verpflichtung will Sotheby’s die Aktivitäten in der Deutschschweizweiterentwickeln. Was hat man darunter zu verstehen?
Sotheby’s war vor Jahrzehnten das erste internationale Auktionshaus, das in der Deutschschweiz Kunstauktionen durchgeführt hat. Diese Tradition hat es seitdem mit Erfolg weitergeführt. Mein Team und ich werden dafür sorgen, all diese gesammelten Erfahrungen in dieser Region und im Interesse unserer Kunden weiterzuführen.

Welches Bild hätten Sie gerne in Ihrer persönlichen Sammlung, wenn Sie nicht auf den Preis achten müssten? Oder was dürfte es höchstens kosten?
Ich hätte gerne mehrere Bilder zu Hause, die ich täglich geniessen kann. Ohne an den Marktwert solcher Gemälde zu denken, gingen meine Präferenzenim Bereich der klassischen Moderne an James Ensor, René Magritte, Pierre Bonnard, Pablo Picasso sowie Alberto und Augusto Giacometti. Bei den Zeitgenossen geht meine Vorliebe an Pierre Alechinsky, Peter Doig, Per Kirkeby, Robert Mangold, Gerhard Richter und Cy Twombly.

Anzeige

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?
Ausser dass Geld mir die Mög­lichkeit gibt, in unserer materiellen Gesellschaft zu leben sowie mir ab und zu ­etwas Schönes zu gönnen, hat es keine grosse Bedeutung.

Was langweilt Sie?
Kein Tagesprogramm zu haben.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
In 24 Stunden die Arbeit für 36 Stunden erledigen zu können.

Was würden Sie gerne erfinden?
Einen 48-Stunden-Tag.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
«Sammelwunder, Sammelwahn» von Philipp Blom.

Was stimmt Sie traurig?
Der Verlust von Menschen, die mir nah waren.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ­ausserhalb der Arbeit?
Lange Spaziergänge mit meinem Hund Nelson, einem Jack Russell Terrier.

Wie wohnen Sie?
In einem Stadthaus in Basel.

Was für ein Auto fahren Sie?
Einen BMW.

Wie lautet Ihr Alltags- oder Lebensmotto?
Carpe diem.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Nicht geschätzt zu werden.

Was treibt Sie derzeit am meisten an?
Mein neuer Job bei Sotheby’s in Zürich.

Können Sie kochen? Und was?
Ich bin kein begabter Koch, aber stehe gerne für Freunde in der Küche –mit Vorliebe für die Zubereitung von ­Vorspeisen und Desserts.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?
Süssigkeiten, wahrscheinlich kommt dies von meinen belgischen und schweizerischen Adern.

Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?
Beruflich möchte ich mit meinem Team bei Sotheby’s erfolgreich sein, privat mehr Zeit in meiner Lieblingsstadt Paris verbringen.

Welches Musikstück würden Sie als ­persönliche Hymne wählen?
Es sind drei... «Magnificat» von Johann Sebastian Bach, «People» von Barbra Streisand und «Là où je t’emmenerai» von Florent Pagny. (ncb)

 

Steckbrief

Name: Stefan Puttaert

Geboren: 25. April 1965

Geburtsort: Brüssel

Zivilstand: Seit 20 Jahrenin einer Partnerbeziehung

Wohnort: Basel

Ausbildung: Bachelor of Arts, Iona College, New York; Master of Arts, City University, London

Bisherige Funktion: Co-Inhaber, Galerie J&PFine Art, Zürich

Neue Funktion: Leiter Standort Zürich, Sotheby’s Switzerland, Zürich